8.8. Ab wann ist eine Religion eine Sekte?

8.8. Ab wann ist eine Religion eine Sekte?     

 

Ich kenne Aussteiger, die nennen jegliche Religion eine Sekte.    

Oder Atheisten.     

Nun, über die Begriffe Glaube oder Religion hatte ich schon einiges zu definieren versucht.     

Über die Unterschiede, sowie wie stark man sich in eine solche involviern will und wann nicht.     

Über die Unabhängigkeit des Glauben von einer Religion sowie deren Organisationen.     

Das war hier der Fall -> 7.4. Glaube?

Das negativ geprägte Menschen, gerade auch einige ehemalige Zeugen Jehovas, verbal alle Religionen zu negieren pflegen, dies aufgrund diverser Erlebnisse zu einem nicht sinnvollem "über einen Kamm scheren", kann ich nicht verübeln, denn der Mensch geht unterschiedlich mit schlechten Erfahrungen um und möchte sich gemäß dem biologischen Bedürfniss nicht erneut verletzt zu werden, von allen möglichen Religionen zurückziehen und nennt sich fortan Atheist - das hier Prägungen der WTG eine Rolle spielen, auch darauf bin ich schon eingegangen. 

Doch neben der Glaubensfreiheit gibt es auch eine Religionsfreiheit.     

Nun komme ich aber zur Frage:

Was ist jedoch der Unterschied zwischen einer Religion und einer Sekte?     

Ich gehe hier bewusst den staatlichen Definitionen aus dem Weg, da eine Sekte (im Sinne von Sektierer-haft) auch eine stattlich anerkannte Religion sein kann.

Und, ich vermeide es hier zu bewerten, wäre die Gruppierung der Zeugen Jehovas eine Sekte?    

Was ist überhaupt eine Sekte?

Daher hier einige wesentliche Merkmale, die eine Religion von einer Sekte unterscheidet.

Oder besser noch: Was sind die Merkmale einer Religion und was die einer Sekte?     

 

 

Die Problematik der Definition einer Sekte

 

http://de.wikipedia.org/wiki/Sekte

Das Problem ist der Unterschied im Sprachverständnis.

Wir alle haben eine eigene Vorstellung über das, was man hinter den Begriff "Sekte" versteht.

Genauso wie wir alle eine eigene Vorstellung über die Feuerwehr haben.

Der Unterschied ist jedoch, das die Allgemeinheit eine berechtigte Vorstellung über das was die Feuerwehr macht besitzt, während sie über das, was eine Sekte so macht, oder wie sie etwas macht,  eher weniger weiß.

Noch eine Problematik ist die mangelnde Selbstsicht, das Anhänger einer solchen Gruppierung diesen Begriff immer so definieren werden, das sie selber gut wegkommen, so das es aus dem eigenen Horizont verschoben wird, das man eventuell selber in solch einer fragwürdigen Gruppierung lebt. 

 

 

Unterschiedliche Sichtweisen über den Begriff "Sekte":

Für einen Zeugen Jehovas ist eine Sekte (per verpflichtener Definition seitens seiner geistlichen Führung) eine Gruppierung, welche sich von einer großen Religion abgesplittert hat - Punkt.    

Für die Allgemeinheit ist eine Sekte z.B. wo Leute verkleidet durch die Straßen ziehen um Spendengelder zu sammeln.

Jedoch hat dieser Begriff ebenso eine noch erweiterte Bedeutung, dies aufgrund Bewertungen aus psycholigischer Sicht, auf Grund von Beobachtungen und Kenntnisse über die Vorgänge welche innerhalb so einer Gruppierung stattfinden.

Und um diese letztgenannte Art Bewertung geht es hier mir persönlich. 

 

Was geht in einer Religion('s-Gemeinschaft), was in einer Sekte nicht geht?

 

1. In einer Religion gibt es eine Meinungsfreiheit.     

Jeder Mensch sollte ein natürlich entwickeltes Weltbild besitzen, was ihm gemäß seiner Möglichkeiten auch nur zukommen sollte, da zu viele fremdartige Eindrücke zu einem Kulturschock führen könnte - aber das ist ein anderes Thema.

Mitgeben möchte ich hier, das der Mensch in seiner Entwicklung genügend Eindrücke enthält, um gemäß seiner kulturellen Umgebung ein glückliches Leben führen zu können.

Dazu gehören das Bilden einer eigenen Meinung sowie des Weltbildes.

Eine Meinung über Mensch und Leute entwickeln zu dürfen, welche nicht festgefahren ist, sondern die sich auch ändern darf.    

Eine authentisch ausgelebte Religion toleriert und akzeptiert die natürlich gewachsene eigene Meinung. 

In einer Sekte werden andere Meinungen oder andere Weltbilder nicht toleriert, sondern per Indoktrinierung angegangen um einen Menschen nach eigenen Gutdünken zu manipulieren.

 

2. Selbst innerhalb einer Religion gibt es eine Glaubensfreiheit.

Das hat sowohl etwas mit der eigenen Meinung zu tun, aber viel mehr noch mit der gegebenen Entwicklungphase des Gläubigen. 

Denn nicht alle Mitglieder einer Religion sind gleich gläubig - viele sind ja auch nur rein geboren und akzeptieren dieses kulturelle Erbgut als solches, ohne spirituelle Erfahungen gemacht zu haben.

Der Mensch darf also, unabhängig davon was die Religion lehrt, eine eigene Entwicklungsphase durchleben, nur das glauben, was er gemäß dem Menschen der er ist, auch nur glauben kann.    

Eine Sekte hemmt die Glaubensfreiheit und biegt einen Menschen nur so, wie er sich gefälligst zu verhalten hat.

 

3. Eine Religion lässt Freiräume zu, wie der Mensch sich privat entfalten darf.

Was der Mensch zu Hause macht oder nicht, muss er selber wissen.

Was soll ich dazu noch schreiben?

Was für Filme man sieht oder nicht, ist der Religion egal, weil eine Religion an sich ebenso eine private Sache sein sollte.

Hobbys, Interessen, Freizeitaktivitäten und auch wenn man mal lange Zeit keinen Besuch einer Kirche/Gemeinde/Mosche/Synagoge/Tempel absolviert, ist eine Sache des religiösen Menschens der für sich und gemäß seinen Bedürfnissen selber entscheidet, wieviel Zeit er sich mit seiner Religion (oder seinen Freunden in dieser) verbringen will. 

Eine Religion beurteilt keinen Menschen darin, wie oft er solche Einrichtungen besucht oder nicht.

Eine Sekte dagegen will, das allein die auferlegten Pflichten und gewünschten Verhaltensweisen glücklich und zufrieden machen. Da werden Normen aufgestellt, welche per suggerierter Eigenbetrachtung zu zwanghaften Gebären einer "richtigen Lebensweise" führen.

4. Eine Religion, eine religiöse Einrichtung als solche, verurteilt keine anderen Religionen oder Andersdenker als welche, die einer göttlichen Vernichtung geweiht wären. 

Wohl kann aber eine Religion sehr gut dazu missbraucht werden, um Menschen genau das glauben zu lassen, um diese dann zu manipulieren um politische oder materielle Ziele zu verfolgen.

Hier spricht man jedoch weder von Religion, noch von Sekte, sondern von politisch-religiöser Propaganda.

Eine Sekte dagegen verfolgt nicht unbedingt politische Ziele, verwendet aber genauso gerne Propaganda um sich intern immer als das "non plus ultra" darzustellen, mit Angst verknüpfend, das ein Verlassen der Gruppierung zu ewiger Verdammnis führe ... 

 

5. Eine Religion toleriert andere Weltbilder, weil man sich der eigenen Subjektivität, will heißen der "subjektiven eigenen Realität"  bewusst ist.

Bei einer Sekte ist das suggerierte Weltbild die einzig mögliche Wahrheit, also müssen sich alle anderen irren.

6. In einer Religion ist ein Ehrenamt ein Ehrenamt.

Freiwillige Arbeit innerhalb einer Gemeinde oder soziale Projekte sind klar als solche definiert und kommen auch der Allgemeinheit zugute.

In einer Sekte ist ein Ehrenamt die existenzielle Daseinsberechtigung welche verpflichtend ist, da das ewige Heil davon abhängig gemacht wird ob man diesem nachkommt oder nicht.

Markant ist hier das diese Tätigkeiten auch überwacht werden.

Hier hat der soziale Aspekt keinerlei Relevanz, allein als ein Opfer für die Interessen der führenden Köpfe der Gruppierung zu dienen - und wenn einmal etwas der Allgemeinheit zu gute kommt, dann sind die Motive des Eigeninteresses nicht fern.

 

7. Eine Religion hat klar definierte Glaubensaussagen, welche selbst von den eigenen Gläubigen unterschiedlich aufgefasst werden dürfen (Aspekt der Glaubensfreiheit). 

Eine Sekte dagegen macht gegenüber der Öffentlichkeit einen Hehl darüber, wie interne Sichtweisen und interne Prozesse innerhalb der Gruppierung gehandhabt werden - den "Ungläubigen" sollen diese erstmal verborgen bleiben.

Erst mit der Indoktrinierung erfolgt ein tieferer Einblick in die internen Sichtweisen, über die die Öffentlichkeit erstmal nichts so ohne weiteres Bescheid wissen soll. Einmal in die Gruppe involviert gibt es keine Wahlmöglichkeiten mehr.

 

8. Eine Religion bietet ein geistliches Weltbild an, mit der ein Mensch sein spirituelles Empfinden ausleben darf.

Eine Sekte nutzt das spirituelle Empfinden seines Anhängers aus Eigeninteresse aus.