8.5. Suggestionen und der Ausstieg

 
 
8.5. Suggestionen und der Ausstieg

 

 

"Come,
as you are..."

(Kurt Cubain)

 

 
 
Ein Zeuge Jehovas dessen „Gottesgefühle“ allein durch die Suggestionen des Sklaven geweckt wurden, dies während eines Heimbibelstudiums oder der Kindes-Indoktrination, wird glauben das, weil seine Emotionen (genauso wie seine Erwartungen, Ängste und Motive) als real empfunden werden, auch dieser Gott real ist.
 
Fallen jedoch die Suggestionen nach dem Ausstieg weg, kommt es aufgrund der Tatsache, dass diese Gefühle nicht mehr gezielt erzeugt oder abgefragt werden, oft zu einem Ausbleiben dieser Emotionen und folglich zu einem „Unglauben“, weil es diesen „gefühlten“ Gott nicht mehr gibt – zurecht sagt man sich als Aussteiger dann, das man betrogen wurde.
 
Gewünscht wird vom Sklaven dann, dass der Ehemalige sich „leer“ vorkommt und „zu Jehova umkehrt“ - wieder ein aktiver Anhänger der Organisation wird.
Ausgenommen ein Interessierter oder ein Kind von ZJ hat es irgendwie geschafft, eigene Strategien des „Glaubens- Könnens“, oder einen natürlichen Glauben entwickeln können, was sich unabhängig vom Einfluss des „Sklaven“ entwickelt haben mag.
 
Sonstige Suggestionen haben möglicherweise außerdem einen weiteren Einfluss auf den Aussteiger - unbewusst unterliegt man u.U., selbst noch nach dem Ausstieg, dem Einfluss des „Sklaven“:
 
Der Aussteiger verfolgt weiter dem Negieren des Sklaven, welcher die anderen Religionen und christlichen Gruppierungen als „falsche Religionen“, ja sogar als Feindbild geprägt haben.
 
Man hat sich eine Natur angeeignet, die fest in die Nervenbahnen und somit ins Bauchgefühl „hineingeragt“ wurde, ja wenn nicht sogar einen Hass gegenüber der „falschen Religionen“ angeeignet, die man sich nur dann abgewöhnen kann, wenn man sich bewusst vor Augen führt, wie diese Neigungen erzeugt und übertragen wurden – durchschaut man eine Illusion, eine Lüge, dann wird ihr nicht mehr geglaubt.
 
Es wird jedoch von Fall zu Fall Zeit brauchen bis das UB sich auf diese neuen Informationen eingestellt hat.
 
 
„Wenn das nicht die „Wahrheit“ ist, dann gibt es keine.“
 
Diesen Ausspruch hört man schon mal aus so manchen Kehlen langjähriger ZJ. Wenn jahrzehntelang es nur „eine Wahrheit“ gab, dann
wird diese Ansicht selbst nach dem Ausstieg beibehalten, so dass es folglich für diesen Menschen „keine“ mehr gibt.
Auch hier wird eine Prägung nach dem Ausstieg beibehalten.
 
Die Suggestibilität wird u.U. beibehalten und der Aussteiger dessen suggerierte Gottesgefühle ausbleiben, wird nun empfänglich für andere Gruppierungen oder dem Atheismus.
Problematisch sehe ich es, wenn unbedacht in die nächste Sekte gerannt wird – ein bis zwei Jahre Pause von jeglicher religiöser Gruppierung halte ich für sinnvoll.
Ein Neu-lernen wie man auf sein Inneres hört - unabhängig vom Grossmarkt der Meinungen - wäre eine Priorität was sich so ein Aussteiger zurück-erobern müsste.
Aber leider ist man sich dieser Notwendigkeit meist nicht bewusst - sei es auf Grund von seelischen Verletzungen und dem emotionalem Tief - eine klare Sicht ist hier nicht gewährleistet. 
 
Ansonsten kann es sein, das der Aussteiger dem geprägten Bedürfnis verfolgt, das es eine „wahre Religion“ geben müsse, die in sich stimmig und absolut plausibel sein muss.
 
Als ZJ hat dies ihm u.U. jahrelang einen Halt gegeben, eine innere Sicherheit, welche in sich schlüssig war (solange man nicht alle Infos/kritikpunkte kennt ist alles schlüssig - sogar die Phantasie eines Kindes).
 
Trotz der Invalidität dieser Illusion war es ein Halt, der nun wegfällt.
Dennoch wird er von der Prägung gesteuert sich einer Sache absolut sicher sein zu müssen, einem Bedürfnis, was ihm auferlegt wurde.
Das dies nicht geht, weil alle Religionen von unvollkommenen Menschen ausgelebt und gehütet werden, wird man immer Kritikpunkte
finden.
Dabei kommt es bei einer Religion nicht auf ihre Richtigkeit an, sondern um den Gedanken in einer Gemeinschaft einen Glauben auszuleben, Sichtweisen miteinander auszutauschen, voneinander zu lernen, sowie füreinander da zu sein.
Vielleicht mag Gott sogar diese Vielfalt, ich weiß es nicht.
Bestimmt sieht er aber die Aufrichtigkeit der Menschen, die sich ganz sicher sind, in aller Demut, das man nicht alles wissen kann.
 
Dennoch verfolgt ein Ehemaliger ZJ meist unbewusst diesem Drang nach der „Wahrheit“, obschon es nie eine perfekte Religion geben wird.
Das dieser Wunsch nach „Wahrheit“ oder „zumindest so nah an der Wahrheit wie möglich zu sein“ vom „Sklaven“ bewusst geprägt wurde, bis das die gesamte Biochemie derart darauf aus zu sein scheint, dieses Bedürfnis nach diesem „sich sicher sein zu können“ erst mal durch die Suggestion „sich sicher sein zu können“ befriedigt wurde, erfolgt beim Aussteiger eine Entzugserscheinung, denn er braucht „mehr davon“.
 
Er will sich weiterhin in dieser „Sicherheit“ wähnen, obschon diese nur eine Illusion war...
Kurioserweise kann diese suggerierte Einstellung zum Atheismus führen.
Denn wenn es keine garatierte Wahrheit gibt, dann sind das alles lügen.
Und gibt es keine garantierte Religion, dann gibt es auch kein Gott.
 
Auch hier ist das Vakuum klar ersichtlich:
 
Ein aus falschen Motiven getriebener Gläubiger hat es nie gelernt worauf es beim Gottglauben ankommt, sowie das dieser nie Abhängig sein kann, ob es gute oder bessere Argumente für das "für oder gegen Gott" gehen kann.
Die biochemischen Prozesse unseres Gehirnes vermag nur einen Bruchteil dessen was wir an Informationen verarbeiten können, auch bewusst verarbeiten.
Die viel größere Informationsflut wird mit einem enormen Aufwand an Rechenleistung per Hirdrüsen und Botenstoffen zu einem Gefühl umgewandelt, welches jemanden selber ergründen lässt, ob es für einen Menschen einen Gott gibt oder nicht.
Was andere Menschen denken, das sollte nun wirklich egal sein.
 
Doch dieses Ergründen von dem, was das eigene Herz will, erfordert eine Befreiung von suggestiv übertragenen Prägungen, sowie einer Heilung von seelischen Wunden.
Solange diese beiden Fesseln unser "Herz" beeinflussen, wird es ein Mensch niemals erfahren wie es ist, in Freiheit zu sich selber gefunden zu haben.