8.2 Mögliche Problematik mit anderen christlichen Gottesbildern

 
 
8.2 Mögliche Problematik mit anderen christlichen Gottesbildern
 
 
 
Dinge die man nicht versteht, werden manchmal missverstanden.
Aus Missverständnisse können dann Vorurteile entstehen, vor allem wenn man die menschliche Schwäche des eigenen Stolzes nicht überwinden kann, welcher dann nicht zugeben will etwas nicht verstanden zu haben.
 
Missverständnisse können aber auch bewusst geschürt und gepflegt werden, wenn nur mal an den Einsatz der Informationsmanipulation zurückgedacht wird, nur um die Anhänger bei sich zu halten.
Dabei legt eine geistliche Führung den Wert darauf, das eigene Gottesbild als das "non plus ultra" darzustellen – das innere Gottesbild wird übernommen, ohne zu hinterfragen oder zuzulassen in sich zu gehen, ob und wie man Gott persönlich erlebt.
 
Ein ZJ wird nie berichten können, wie er persönlich Gott verspürt, da er nur etwas vorgegebenes übernimmt, wo ein persönliches „Gott erleben“ gar nicht als Möglichkeit in Betracht gezogen wird.
Gott hat gefälligst so zu sein, wie es der "Wachtturm" sagt und der sagt das Gott nur durch den „Sklaven“ belehrt...
 
 
Wenn man jedoch den Glauben an ein bestimmtes Gottesbild rational nachvollziehen könnte, so kann dies ja noch lange keine Pflicht dafür sein, dass man an dieses auch glauben wird – es könnte aber zu einen besseren Verständnis führen, für das was jemand anderes glaubt.
Das Verständnis für den Mitmenschen kann dadurch nur wachsen.
Wie man welchen Gottesbild gegenübersteht, diese innere Haltung welche man letztlich auch auslebt, wird von unseren Prägungen und vor allem den daraus resultierenden Emotionen beeinflusst.
Dabei kann man einen Glauben oder Nichtglauben nachgehen - von einer stoischen Toleranz bis hin zur aktiven Anfeindung kann man (in beiden Extremen) alles erdenkliche beobachten.
Ist emotional eine negative Prägung an ein bestimmtes Gottesbild vorgenommen worden – sei es aufgrund einer negativen Erfahrung mit einer Kirche, dem Einfluss einer kulturell dominierenden Religion welche andere Gottesbilder zu negieren pflegt, oder der suggestiven Entfremdung durch Fremdbeeinflussung - so wird das „Herz“, der „innere Mensch“ kaum bereit sein ohne Vorbehalte eine abweichende Ansicht als eine „mögliche“ zu betrachten.
 
Genauso, als wenn jemand bereits positive Gefühle aufgrund eines (seines) bestimmten Gottesbildes hegt, wird manchmal eine parallel dazu existente Ansicht nur bedingt akzeptiert.
Gerade im Fundamentalismus (auch dem atheistischen) wird deutlich wie Anfeindungen aufgrund von einer erzeugten Befremdung entstehen
können.
Dabei darf jeder Mensch seine eigene Meinung haben.
Sie ist ein Schutz, lieber Leser, ein Schutz und ein „Schatz“ zugleich, den man sich selber aufbauen darf.
 
Nur leider ist diese, selbst im Heute des 21.Jahrhunderts, keine Selbstverständlichkeit.
 
Dogmen:
 
Leider ist es, und das ist nicht nur bei den ZJ so, das eine Meinung über ein Gottesbild, die Meinung die sich aus der Frage „wie man sich Gott
vorstellt“ beantwortet, oft fest vorgegeben wird.
Man verändert die Frage in eine Vorgabe „wie man sich Gott vorzustellen“ hat, um dann als „geistliche Führung“ einen festen Rahmen zu setzen.
Eine Theologie wurde durchdacht und festgesetzt und die Gläubigen werden vor vollendeten Tatsachen gestellt.
Da gibt es kaum noch einen Freiraum im Vergleich zum ursprünglichen Christentum wo es von Gemeinde zu Gemeinde Unterschiede gab, wo
die persönliche Haltung in bestimmten Dingen toleriert wurde, so das sich dagegen heute kaum noch getraut wird sich Gott selber zu öffnen
(sofern das dann noch gewünscht wird), um sich selber ein Bild von Gott machen zu dürfen.
 
Oder es ist es dann so, das die ursprünglichen Gedanken und damit verbunden die einst positiven Gottesgefühle, weshalb an Gott geglaubt
wurde, nach einer Indoktrinierung kaum noch von Wert empfunden werden, da man gefälligst wegen den gegebenen Gründen aus den Vorgaben zu glauben hat.
Diese Bedingungen werden dann ebenso als „notwendig“ suggeriert.
Das diese dann nur an die eigene Gruppierung binden sollen, bzw. das Gefühl erwecken sollen, sich der Gruppierung verpflichten zu müssen, geht meistens deshalb unter, da z.B. die Bibel dahingehend bewusst irreführend ausgelegt wird; oder anders, seitens der „geistlichen Führung“ eine „Autorität von Gott“ vorgespielt wird, so weit, das diese kaum noch hinterfragt werden.
 
Das innere Gottesbild eines ZJ und die Dogmen des „Sklaven“
 
Genauso ist es bei einem Zeugen Jehovas (ZJ), der von dem Monotheismus, mit seinen Glauben an „Jehova“ als den „allein wahren Gott“, emotional vereinnahmt wurde, welcher jedoch dann soweit geht, das er es sogar als notwendig betrachtet jede andere Religion (inklusive der christlichen Denominationen) innerlich als eine „falsche“ zu denunzieren, der ihren Untergang in der „großen Drangsal“ als eine feststehende Tatsache lehrt.
 
 
 
„Nur Jehovas Zeugen - die Glieder des gesalbten Überrests und die „große Volksmenge“ - haben als vereinte Organisation unter dem Schutz des höchsten Organisators die biblische Hoffnung, das nahe bevorstehende Ende des zum Untergang verurteilten, von Satan, dem Teufel, beherrschten Systems zu überleben. ... Wer in das Millennium unter dem größeren Noah, Jesus Christus, hinüberleben will, muß mit dem gesalbtem Überrest, den „Auserwählten“, um derentwillen die Tage der „großen Drangsal“ verkürzt werden, vereint bleiben.“ - Wachtturm, 1.September 1989, S.19.
 
 
„Doch bald wird er deutlich zu erkennen geben, dass er gegenwärtig ist: wenn er nämlich Jehovas Strafurteil an den verschiedenen Teilen des teuflischen Systems vollstreckt. Das „Offenbarwerden seiner Gegenwart“ wird nicht zu übersehen sein, wenn „der Mensch der Gesetzlosigkeit“ — die Geistlichkeit der Christenheit — vernichtet wird.“ WT 15.09.2010, S.28
 
 
Diese Propaganda ("Nur Zeugen Jehovas werden gerettet"), soll klar an die eigene Gruppierung binden, bzw. das Gefühl erwecken sich exklusiv dieser Gruppierung verpflichten zu müssen.
Solche (vom "Sklaven" geschürte) Motive werden dann meist deshalb nicht erkannt, weil das Vertrauen in die religiöse Institution zusammen mit ihren Vorgaben des Gottesbildes gelegt, ja vielmehr verwoben wurde.
So ist es bei einem Zeugen Jehovas, das er von dem Monotheismus mit seinen Glauben an „Jehova“ als den „allein wahren Gott“, emotional vereinnahmt wurde, welcher dann soweit geht, das er es sogar als notwendig betrachtet, jede andere Religion (vor allem die christlichen Denominationen, bzw. "die Geistlichkeit der Christenheit") innerlich als eine „falsche“ zu denunzieren, weil er deren Untergang in der „großen Drangsal“ als eine feststehende Tatsache von seinem „Sklaven“ suggeriert bekommt.
Das ewige Heil wird ebenso von seiner "Unterwürfigkeit" unter diesem „Sklaven“ abhängig gemacht.
 
 
"Iosif Jucan zum Beispiel sagte oft: „Wir können nicht hoffen, in Harmagedon gerettet zu werden, wenn wir nicht regelmäßig geistige Speise zu uns nehmen und uns eng an die ‚Mutter‘ halten.“ Er bezog sich damit auf die Verbindung zum irdischen Teil der Organisation Jehovas."  
- WTG-Jahrbuch 2006, S.117.
 
 
Nun ist es ja dem Leser hier mittlerweile kein Geheimnis mehr das ein ZJ sich mit seinem Gottesbild als ein „wahrer Christ“ bezeichnet, bzw.
suggeriert bekommt sich exklusiv so benennen zu dürfen.
Immerhin etwas an Selbstwertgefühl, auch wenn dieses innere Bild des "allein wahren Christen" zu einen falschen Stolz führen kann.
 
So ist es aber auch zweischneidig, wenn man nur mal an das innere Bild des „geistigen Krieges“ zurückdenkt, den auferlegten Stress der dadurch zustande kommt das man sich ständig vor "feindlichem Gedankengut" hüten muss, oder der traurigen Sicht auf dem Mitmenschen der kein ZJ ist, das dieser als „geistig Toter“ zählt und sein Urteil schon in Harmagedon sicher ist.
 
 
"Die vier Engel gehen jedoch weiter. Sie „töten“, indem sie vollständig enthüllen, daß die Christenheit geistig tot ist. Das ist durch öffentliche Erklärungen geschehen, die vom Jahre 1922 an — und auch heute noch — wie durch Trompetenstöße bekanntgemacht wurden... Daraufhin fand in Toronto (Ontario, Kanada) der sechste einer Reihe von Kongressen der Internationalen Bibelforscher-Vereinigung statt. Das Programm am Sonntag, dem 24. Juli 1927, wurde über ein Netz von 53 Rundfunkstationen — das bis dahin größte Sendernetz — ausgestrahlt. So hörten wahrscheinlich viele Millionen diese gesprochene Botschaft. Zuerst verlas der Redner eine eindrucksvolle Resolution, die die Christenheit als geistig tot bloßstellte und in der unter anderem gesagt wurde: „In dieser Stunde der Verwirrung läßt Jehova Gott an die Völker die Aufforderung ergehen, das System dieses Scheinchristentums oder der ‚organisierten Christenheit‘ aufzugeben, für immer zu verlassen, sich vollständig davon abzuwenden . . .; und daß die Völker die Ergebenheit und Unterwürfigkeit ihrer Herzen gänzlich Jehova Gott, seinem König und seinem Königreich zuwenden sollen.“ - WTG-Buch "Offenbarungsbuch", S.149.
 
 
Diese Sicht auf die "organisierte Christenheit", also alle andersdenkenden Christen von denen sich ein ZJ zu differenzieren sucht, existiert "auch heute noch".
Sie sind alle "geistig tot" was für einen ZJ ein Grundprinzip darstellt, der es sich nicht vorstellen kann, das es woanders ebenso aufrichtige, wenn nicht sogar demütigere Christen gibt – ganz zu schweigen von der Authentizität der Umsetzung des Christseins.
 
Die Wachtturmgesellschaft bietet so viel Literatur das man ein eigenes Buch mit der Thematik "die Kluft zur Christenheit" zusammenstellen könnte, wo es nur um diese Propaganda gehen würde.
 
Festmachen wollte ich hier den Gedanken, das diese innere Distanz zum "falschen Glauben" in jedem aufrichtigen Zeugen Jehovas existiert, der seine vom "Sklaven" übertragenden und übernommenen Ansichten ernst nimmt.
 
Dabei steht es jedem Menschen zu, so sollte es zumindest sein, sich selber das Gottesbild zu erstellen, so wie er Dinge aus seinem Alltag einem Wirken Gottes zusprechen möchte – wer Gott als Verursacher der gesamten Schöpfung sieht, wird dementsprechend viele Dinge einem Gott zuschreiben.
 
Das nennt sich Glaubensfreiheit und ist ein Menschenrecht.