7.8.5. Informationsmanipulation: „Das Kreuz, ein Symbol der falschen Anbetung“ (Zitat aus "Der Wachtturm")
 
 
 
 
 
 
Foto by Simon Endele - Quelle:www.piqs.de
 
 
 
 
 
 
Vorab:
Es ändert nichts an der theologischen Konsequenz des christlichen Glaubens, ob Jesus an einen Kreuz oder einen „Marterpfahl“ gestorben ist. Pikier ist nur, wie sehr der „Sklave“ (die Leitung einer angeblich christlichen Denomination) versucht, seine Anhänger nicht über die biblische Symbolkraft des Kreuzes nachsinnen zu lassen.
 
Informationen des „Sklaven“ an die ZJ:
 
Man stört sich an dem Kreuz, weil es
 
1.) nicht der damaligen Bedeutung des Begriffs für „staurós“ entsprechen soll, und somit
 
2.) angeblich bewusst ein heidnisches Symbol aus der falschen Anbetung heraus in das Christentum übernommen wurde.
Dann gibt es noch
 
3.) den Vorwurf des Götzendienstes, da ein „geschnitztes Bild“ in der Anbetung verwendet wird - und
 
4.) wäre es so eine Sache, sich solch ein abscheuliches „Mordinstrument“ als Schauobjekt aufzubewahren...
 
Informationen die den ZJ vorenthalten werden:
 
Zu 1.)
 
Der „Sklave“ engt die Bedeutung des altgriechischen Begriffes „staurós“ auf seine vorchristliche Bedeutung ein.
Es ist zwar richtig dass der damalige Grieche in erster Linie damit etwas aufrecht Stehendes aus Holz, wie etwa eine Palisade, verstand.
Wenn man jedoch den anfänglich kleinen Einfluss der ersten Christen auf die damalige Gesellschaft und ihrer damaligen Sprache bedenkt, ist es nur allzu logisch das es etwas Zeit brauchte, bis sie die griechische Sprache dauerhaft beeinflusst hatten.
 
Es hatte also gedauert, bis man als christlicher Grieche unter „staurós“ auch ein Jesus-Kreuz vermuten durfte.
Dennoch ging das relativ schnell, wie Philologen (Sprachwissenschaftler, -forscher) der griechischen Sprache zu berichten wissen, was aber auch letztlich durch den Einfluss der Römer (welche Kreuze zur Hinrichtung verwendeten) genauso erklärbar ist.
 
Der „Sklave“ hat hier also auch völlig (bewusst) den philologischen Hintergrund außen vor gelassen.
Denn wenn der „antike Grieche“ nur das Material benannte, dann war es ihm von der Sprache her egal, wozu es benutzt wurde, denn der Verwendungszweck wurde separat benannt.
Der antike Grieche machte also das Material nicht dafür verantwortlich, wozu es verwendet wurde, oder wo man es vorfindet.
 
Er machte einen Unterschied zwischen dem Material, den Gebrauch des Menschen und sein Vorkommen, womit sprachlich die Verwendung des Materials immer zusammen erwähnt werden musste, was an den Wortlauten und ihren Belegungen an Bedeutung dieser damaligen Sprache liegt.
 
Wollte man ein Objekt zweckentfremden, dann musste dies auch entsprechend formuliert werden – aber allein mit der Benennung des Materials war dies nicht möglich.
 
In der deutschen Sprache findet man dagegen z.B. den Begriff „Balken“ und man weiß das es ein für den Bau zurechtgeschnittenes Stück Holz ist.
Genauso wie ein „Schlagstock“ aus Holz ist, aber als Waffe verwendet wird.
Anders der Baseballschläger, wo auch wieder ein Zweck im Namen liegt – der damalige Grieche hätte all diese Begriffe mit der Materialbezeichnung benannt - „Holz“ – so tat er es auch beim Jesus-Kreuz.
 
Mit einer angeblichen Übereinkunft, um auch Heiden besser bekehren zu können weil diese das Kreuz schon kannten, hatte das genauso wenig zu tun – denn der römische Vorgang dieser Hinrichtungsart ist altbekannt und kann in vielen Geschichtsbüchern studiert werden.
 
Diesen Vorgang hier jetzt detailliert zu beschreiben ist mir persönlich zu blutig.
Doch vielen Quellen kann man entnehmen, das der Verurteilte den Querbalken (aus Holz = „staurós“) selber tragen musste, während der sehr viel wuchtigere Hauptstamm (auch aus Holz = „staurós“) bereits an der Hinrichtungsstätte fest im Boden verankert war.
Das war eine Arbeit, wie sie nur von mehreren Leuten durchgeführt werden konnte.
Die Bibel selber umschreibt nicht diese Vorgänge die mit dem Aufstellen des Hauptstammes vonnöten gewesen wären, was durch die Arbeit von römischen Soldaten (oder anderen Gefangenen unter der Aufsicht von diesen) vom Vortag erklärbar wäre, so wie es nun mal den damaligen Vorgehensweisen entsprach.
 
Noch eine Erklärung ist, das die Schädelstätte („Golgatha“) bereits viele solcher Stämme für Hinrichtungen bereit stehen hatte.
Um diesen Hauptstamm zu tragen wären mindestens drei Männer nötig gewesen, was der bereits gegeißelte Verurteilte (was einen hohen Blutverlust mit sich brachte) gar nicht alleine hätte tragen können.
 
Wenn Jesus also einen „staurós“ trug, dann ist das die Formulierung in der griechischen Sprache, welche den römischen Zweck als Querbalken nicht definierte.
 
Zu 2.)
Was jedoch tatsächlich heidnisch war, das war die Verwendung von Kreuzsymbolen in der vorchristlichen Ära.
Die Wachtturmliteratur weist da ja auch auf sehr viele Beispiele hin.
Umso mehr ist es verwunderlich, wieso darauf bestanden wird, dass es sich um einen Pfahl handelt, wenn es doch bekannt ist, dass die „Nachfolger Satans“ selber Jesus „in die Verse beißen würde“:
 
 
JESUS CHRISTUS wusste, dass er das Angriffsziel des Teufels war. Das ergab sich schon aus dem, was Gott seinerzeit zu der Schlange sagte und damit zu dem rebellischen Geistgeschöpf, das durch sie gesprochen hatte: „Ich werde Feindschaft setzen zwischen dir und der Frau [dem himmlischen Teil der Organisation Jehovas] und zwischen deinem Samen und ihrem Samen. Er [Jesus Christus] wird dir den Kopf zermalmen, und du wirst ihm die Ferse zermalmen ... Das Zermalmen der Ferse bedeutete, dass Jesu Tod als Mensch nur etwas Vorübergehendes wäre, denn Jehova würde ihn auferwecken und ihm himmlische Herrlichkeit geben. Das Zermalmen des Kopfes der Schlange dagegen wird für den Teufel den endgültigen Todesstoß bedeuten.“
– WT 15.11.2008, S. 27.
 
 
Es würde also sogar der Prophezeiung aus 1.Mose 3, 15 entsprechen, wo die Nachkommen der „Schlange“ (der „Samen“ des Satans“), sprich die „falsche Religion“, dem Nachkommen der „Frau“ (Evas Nachkomme – Jesus) „in die Verse biss“, was nach Ansicht des „Sklaven“, durch den Tod Jesu geschah.
Der Gedanke, dass „der Teufel den Sohn Gottes an einem Objekt der falschen Anbetung hinrichtet“, ist also gar nicht so abwegig.
 
Diesen obenstehenden Gedanken meinerseits mag man ruhig ausklammern.
 
Es ändert jedoch nichts an der biblischen Tatsache, das die ersten Christen diesen Gegenstand, sei es ein Pfahl oder Kreuz ist jetzt mal egal, eine eigene Symbolkraft zuschrieben, welche nichts mit der heidnischen Anbetung zu tun hatte.
Folgende Bibelstellen als Beispiel aus der Lutherbibel:
 
-„Und wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und folgt mir nach, der ist meiner nicht wert.“ (Matthäus 10, 38 – vergleiche 16, 24, Markus 8, 34, Lukas 9, 23)
 
- „Denn Christus hat mich nicht gesandt zu taufen, sondern das Evangelium zu predigen - nicht mit klugen Worten, damit nicht das Kreuz Christi zunichte werde.“ (1.Korinther 1, 17)
 
- „Denn das Wort vom Kreuz ist eine Torheit denen, die verloren werden; uns aber, die wir selig werden, ist's eine Gotteskraft.“(1.Korinther 1, 18)
 
- „Es sei aber fern von mir, mich zu rühmen als allein des Kreuzes unseres Herrn Jesus Christus, durch den mir die Welt gekreuzigt ist und ich der Welt.“ (Galater 6,14)
 
- „... und die beiden versöhne mit Gott in "einem" Leib durch das Kreuz, indem er die Feindschaft tötete durch sich selbst.“ (Epheser 2, 16)
 
- „Denn viele leben so, dass ich euch oft von ihnen gesagt habe, nun aber sage ich's auch unter Tränen: Sie sind die Feinde des Kreuzes Christi.“ (Philipper 3, 18)
 
- „Er hat den Schuldbrief getilgt, der mit seinen Forderungen gegen uns war, und hat ihn weggetan und an das Kreuz geheftet.“ (Kolosser 2, 14)
 
 
Das Kreuz/oder der Pfahl ist also dem Christen ein Symbol der Nachfolgerschaft Jesu, der Liebe Gottes, der Sündenvergebung, als Ursache der Vereinigung zwischen Juden und Heiden.
Hinzu kommt die persönliche Sicht zu diesem Objekt.
Eine Sicht zu der man als Gläubiger selber gelangen sollte, wie der Apostel sie einmal von sich aus zum Ausdruck brachte:
 
„Ich bin mit Christus gekreuzigt. Ich lebe, doch nun nicht ich, sondern Christus lebt in mir. Denn was ich jetzt lebe im Fleisch, das lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt hat und sich selbst für mich dahingegeben. Ich werfe nicht weg die Gnade Gottes.“ (Galater 2, 19-21)
 
 
zu 3.)
Ein Christ sieht also das Kreuz letztlich als ein Symbol der Gnade Gottes, weil es die Hingabe Gottes zum Wohle der Menschen darstellt weil er letztlich die Gottesbeziehung im Sinn hatte, was ein Christ letztlich Jesu Tod und Auferstehung zuschreibt.
 
Ein Christ betet weder das Kreuz an, noch ist es eine Gottesdarstellung – also kein Götzendienst.
Kein Christ, den ich mittlerweile kennengelernt habe, macht so etwas.
Es ist eine bewusste Falschdarstellung des „Sklaven“:
 
 
„Was aber noch wichtiger ist als die Frage, ob Jesus an einem Kreuz oder an einem Pfahl gequält und hingerichtet wurde, ist das Gebot, dass Christen weder ein Bild noch ein Symbol davon verehren oder anbeten dürfen.“
– WT 01.03.2008, S. 22.
 
 
Wenn ein Christ ein Kreuz trägt, dann weil es ihn an das erinnert, was die Bibel selber diesen Objekt an Symbolkraft zuschreibt – diese Bedeutung der Bibel ist es, welche durch das Tragen eines Kreuzes mit in den Alltag übernommen wird.
 
Der Katholik betet zu Gott, wenn er sich vor den Leib Christi am Kreuz verbeugt – tatsächlich haben aber die ersten Christen immer nur Darstellungen ohne den Korpus dargestellt, da Jesus ja auferstanden war und demnach nicht mehr am Kreuz hängt.
 
Innerhalb der katholischen Theologie jedoch hängt Jesus „immer“ am Kreuz, weil sie diesem Augenblick eine Zeitlosigkeit beimessen, da Jesus für die vergangenen und zukünftigen Sünden gestorben ist.
Man muss, abgesehen von dieser Theologie (die ich vom Gedankengang recht gut finde) klar unterscheiden, das diese Darstellung auch nur ein Hilfsmittel ist.
Nicht die Figur selber wird angebetet, sonder an das dauerhafte Wirken Gottes wird erinnert, welches man dahinter ahnen darf.
 
Ähnlich gab es im Tempeldienst der Hebräer ebenso Gegenstände die zur Anbetung dienten, aber nicht selber angebetet wurden (z.B. die Darstellungen der Cheruben, den Leuchter oder den Altar) – genauso betrachtet man das Kreuz das es lediglich zur Anbetung beiträgt (gar nicht mal eine Pflicht eines Christen ist), aber nicht selber angebetet wird.
 
Da ist also kein Grund um andere Christen als „falsche Religion“ zu bezeichnen, oder als welche die „in Harmagedon vernichtet“ werden, nur weil man die biblische Symbolik für den Alltag übernimmt.
Jesu Ermahnung war, nicht „zu richten“, wenn man selber nicht genauso gerichtet werden wolle (Matthäus 7, 1).
 
Das „Chi“, oder das „X“, welches Kaiser Konstantin in einer Vision gesehen haben soll, in der er den christlichen Glauben „zum Sieg führte“, war der Anfangsbuchstabe des Wortes „Christus“ und hatte nichts mit dem „Kreuz“ zu tun.
An dem Gerücht, das dieser Kaiser erst mal das Kreuz als offizielles christliches Symbol einführte, ist also nichts dran, wenn man da nur mal die obenstehenden Bibelverse für sich nimmt, welche lange vor seiner Zeit aufgezeichnet wurden.
 
 
Zu 4.)
Der „Sklave“ will zusätzlich noch eine Art Ekel erzeugen, wenn er beim Kreuz von einem „Hinrichtungsinstrument“ spricht:
 
„Wie würdest du reagieren, wenn man deinen besten Freund aufgrund von Falschanklagen zu Tode brächte? Würdest du von dem Hinrichtungsinstrument ein Duplikat anfertigen lassen? Würdest du es in Ehren halten, oder würdest du es eher verabscheuen?“ – WTG- „Unterredungsbuch“, S. 267 – Stichwort „Kreuz“.
 
 
Jedoch ist es so, dass die Bibel selber niemals so vorgeht, sondern das Kreuz immer nur mit dem Wirken Gottes durch Jesus verbindet.
Auch hier dementiert die Bibel also selber das Bestreben des „Sklaven“, wenn man hierzu ebenso die bereits angeführten Bibelverse nimmt, welche im Gegensatz zum „Sklaven“, diesen Gegenstand sehr wohl eine Bedeutung ganz anderer Art beimessen.
 
Die Bibel ermuntert also viel mehr zu einer differenzierten Sichtweise, indem sie dem Kreuz, trotz der Verwendung innerhalb anderer Religionen, eine eigene Bedeutung beimisst.
Wer dagegen das Kreuz mitsamt ihrer biblischen Symbolik aus dem Leben der Gläubigen zu verbannen sucht, es mit Ekel in Verbindung bringen will, der hat m.E. kein wirkliches Interesse daran, das der Gläubige die mögliche psychologische Wirkung einer Sündenvergebung erfährt, welche der christliche Glaube mit dem was Jesus am Kreuz vollbrachte nun mal mit sich bringen würde.
 
 
Aber die Aktivitäten als ZJ sind ja das was „glücklich“ und „zufrieden“ machen soll – der persönliche Frieden mit Gott wird mit einer suggerierten und selbst erarbeiteten Selbstzufriedenheit ersetzt.
Stattdessen soll ein ZJ das Kreuz (mitsamt der biblischen Symbolik) „verabscheuen“...
 
 
 
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Zuletzt bearbeitet am 18.08.2014