7.7. Eingrenzung der Informationsquellen
 
 
Bevor ich dazu komme, welche Informationen vorenthalten werden, muss neben dem Kritikverbot und dem Verzicht auf eine eigene Ansicht noch auf den „unausgesprochenen Informationsverbot" hingewiesen werden.
Denn der „Sklave“ gestattet es nicht, wenn man Erklärungen über Bibelpassagen aus anderen Quellen bezieht, als wie allein aus seiner „geistigen Speise“.
Auszüge aus dem „Fragekasten“, vom „Königreichsdienst“ September 2007:
 
Billigt es „der treue und verständige Sklave“, wenn sich Zeugen Jehovas eigenständig zusammentun, um biblische Themen zu untersuchen und zu debattieren? (Mat. 24:45, 47). Nein. Dennoch haben sich in verschiedenen Teilen der Welt einige, die mit unserer Organisation verbunden sind, zusammengetan, um eigenständig biblische Themen zu untersuchen...
Gottes Volk erhält in den Versammlungszusammenkünften und auf Kongressen sowie durch die Veröffentlichungen der Organisation Jehovas überall auf der Welt reichlich biblische Schulung und Ermunterung...
Daher billigt der „treue und verständige Sklave“ keinerlei Literatur, keine Websites und keine Treffen, die nicht unter seiner Leitung hergestellt oder organisiert werden (Mat. 24:45- 47)...
Wer sich noch eingehender mit der Bibel beschäftigen möchte, könnte sich mit den Büchern Einsichten über die Heilige Schrift oder Die ganze Schrift ist von Gott inspiriert und nützlich befassen oder mit anderen unserer Veröffentlichungen, die die Prophezeiungen der Bibelbücher Daniel, Jesaja und Offenbarung behandeln. Sie enthalten für das Bibelstudium und zum Nachdenken mehr als genug Stoff...
(Zitat Ende).
 
 
Die hier mit „unserer“ bezeichneten „Veröffentlichungen“ sind vom „Sklaven“ verfasst worden.
Insofern ist die Bezugsquelle für Wissen und das Einholen von Informationen, was die eigenen Glaubensgrundlagen betrifft, recht eingeschränkt.
Eigentlich sollte es so sein, das ein „wahrer Christ“ sich über die Gründe der unterschiedlichen Auffassungen, was es bedeutet „Christ zu sein“, sich seine eigenen Gedanken machen dürfte – aber das würde voraussetzten, das er Zugriff auf die Erklärungen und Bibelauslegungen anderer christlichen Konfessionen zurückgreifen kann, oder sich mit „weltlichen Christen“ austauscht, was aber vom Sklaven nicht „gebilligt“ wird...
 
Auch hier gilt:
Wer nicht konform mit dieser und anderen Ansichten des „Sklaven“ geht, muss es für sich behalten, genauso wie eventuell abweichende Meinungen über die Glaubenslehren des Sklaven besser nicht ausgesprochen werden.
Denn wer seine Ansichten nicht für sich behalten kann und mit anderen ZJ darüber spricht, der riskiert zum „schlechten Umgang“ zu gehören, oder er nimmt einen „Ausschluss“ aus der Gruppierung in Kauf.
Im Ältestenbuch der ZJ wird dies als ein „Bewusstes Verbreiten von Lehren, die der von Jehovas Zeugen gelehrten biblischen Wahrheit widersprechen“ geahndet (WTG-Buch: „Hütet die Herde Gottes“, S. 66), was zunächst zu einem Komiteefall wird, in den einige ZJ-Älteste weiter über solche „Störenfriede“ entscheiden.
Hier wollt ich also angedeutet haben, dass ein „redlicher“ ZJ lieber stillschweigen wird, sobald er persönlich etwas anders sieht wie vorgegeben.
U.U. wird er den vorgegebenen Informationen offiziell zustimmen, während es in seinem Inneren jedoch ganz anders aussieht.
Die Angst, ausgeschlossen zu werden und dabei seine sozialen Kontakte zu verlieren, zwingt dann jemanden zu bleiben, obwohl man die Dinge, wie der Sklave sie übertragen will, nicht persönlich annimmt oder diese nicht mehr akzeptieren kann.
Meinungs- und Glaubensfreiheit sieht meiner Ansicht nach anders aus...
 
 
 
Zuletzt bearbeitet am 18.08.2014