7.6. Der Umgang mit Kritikern
 
 
Zeugen Jehovas unterliegen einem innerem, indirekten Kritikverbot, was u.a. wie folgt formuliert wird:
 
 
„Welches andere Mittel setzt der Teufel ein, um uns fortzuziehen? ... Andere gehen noch weiter und behaupten, die leitende Körperschaft der Zeugen Jehovas oder andere verantwortliche Brüder würden auf die Freiheit des Gewissens übergreifen oder auf das „Recht“ des einzelnen, die Bibel auszulegen ... Nimm dich vor Personen in acht, die ihren eigenen, andersartigen Meinungen Geltung zu verschaffen suchen. Hüte dich ebenfalls vor Personen, die alle Einschränkungen aufheben wollen oder die Freiheit versprechen, indem sie behaupten, Jehovas Zeugen seien Sklaven!“ – WT 15.03.1986, S. 17.
 
Jemand, der eine „andersartige“ Meinung hat als wie der „Sklave“ sie lehrt, dem wird also vorgeworfen, er würde deswegen sich selber „Geltung verschaffen“ wollen, ein Mittel was der Teufel einsetzen würde – dabei hat das eine nichts mit dem anderen zu tun.
Da es aber so geprägt wird, wird fortan hinter jeder anderen Ansicht eine teuflische vermutet, selbst wenn diese ein ZJ äußert.
 
Authentische Kirchen achten auf die Kritik ihrer Anhänger und respektieren andere Meinungen und Ansichten – bei den ZJ wird diese in der Regel gar nicht erst ausgesprochen.
Insofern ist hier nicht mehr von einem Einfluss die Rede, sondern viel mehr von einem Zwang, der von dem Indoktrinierten nicht (oder nicht sofort) erkannt wird.
Das Naturrecht des Menschen (Menschenrecht) auf eine eigene Ansicht und Meinung wird also nicht nur manipulativ in der Indoktrinierung umgangen, sondern wird später auch innerhalb der Gruppierung geahndet, sofern ein Anspruch auf dieses Recht dennoch geltend gemacht werden will.
 
ZJ verzichten lieber auf dieses Grundrecht. Kritik wird so vermieden, aus Angst.
 
Sicherlich ist es nur legitim, wenn man die Wahl hat, eine Religion wählen zu können, welche einem am authentischsten vorkommt das man dieser dann nachgeht.
Meine Aufgabe sehe ich hier nun darin darauf aufmerksam zu machen das es manipulative Methoden zur Religionsfindung gibt, eben solche Methoden welche die eigene Religion als authentisch erscheinen lassen will.
Es gibt eben Unterschiede zwischen authentisch zu sein, oder nur den gezielten Anschein einer „Wahrheit“ zu illusionieren.
Speziell wenn es um die praktische Anwendung jener Methoden seitens des „Sklaven“ geht, die er an seinen Anhängern, den ZJ, ausübt, dabei die Fäden in der Hand behält.
Die Wahl der Religion kann und wird eben auch aufgrund von manipulativen Vorgaben getroffen, der man sich schlicht nicht bewusst ist und alles andere als eine natürliche Glaubensfindung darstellt.
Eine solche Wahl sagt ja nichts, wie schon geschildert, über den „Gott-Glauben an sich“ aus.
Das eigentliche Problem liegt auch nicht im Gottglauben.
 
Das eigentliche Problem ist:
Die Wahl für die Religion der ZJ wird eben auch aufgrund von fragwürdigen Informationsinhalten (neben der emotionalen Vereinnahmung und den Suggestionstechniken), vor allem in ihrem Negieren gegenüber anderen christlichen Gruppierungen (der angeblich „falschen Religion“) getroffen.
Der Entschluss zum Gottglauben ist und bleibt der gleiche auch wenn man eine Religionsorganisation als Mitglied verlassen haben mag.
 
Wenn man dies jedoch niemals voneinander differenzieren konnte, den eigenen Glauben und der gegebene aus der Religion, so ist es auch möglich, dass mit dem Verlassen einer Religion auch der Glaube an sich aufgegeben wird, weil man gemäß den vorgegebenen Überlegungen und während der Indoktrinierung beides als dasselbe vermittelt bekommen hat (Glaube = Wahrheit = Zeugen Jehovas).
 
Jedoch hat schon allein von der Bedeutung der beiden Komponenten her (gegebene Religion und persönlicher Glaube), das eine nichts mit dem anderen zu tun.
Der „Sklave“ jedoch hat als Kirchenführung bewusst den Wert darauf gelegt, beides beim Anhänger miteinander zu vermischen, so das beides dasselbe ist, um eben dieses Gefühl der Abhängigkeit des Glaubens von einer Religion (sowie ihrer Organisation) erst einmal aufzubauen und weiter festzufahren.
 
Wenn jemand die ZJ verlässt und damit auch seinen Gottglauben aufgibt, kann ich davon ausgehen, das es nie so etwas wie eine persönlich erlebte Gottesbeziehung gegeben hat, sondern nur der Illusion aufgrund suggerierter Emotionen erlag.
Denn erst mit der Beschäftigung mit der Religion wurden die Gottesgefühle bewusst suggeriert – fallen diese Suggestionen aus, so werden die emotionalen Grundlagen des Glaubens genommen und man wird „ungläubig“ – dabei war man es u.U. nie, sondern nur ein Teil einer größeren manipulierten Menschenmenge.
 
Fallen dann die Suggestionen aus, fällt ebenso der „Glaube“ aus, der nie einer war.
 
Mir war es hier zunächst wichtig, dass der Leser den Unterschied zwischen persönlichen „Glauben“, dem persönlichen nachgehen einer „Religion“ und den „Religionsorganisation“ mit deren gegebenen Inhalten zu differenzieren versteht.
Mit den weiteren Ausführungen auf diesen Seiten möchte ich aufzeigen, dass der „Sklave“ während der Indoktrinierung (beim „Heimbibelstudium“) nicht einfach nur die „Glaubensinhalte“ einer Religion vermittelt, sondern das er dabei die Veränderung des „Studierenden“ im Sinn hat, welcher „glauben“ soll, das nur die Teilnahme in „Jehovas Organisation“ das gleiche ist, identisch, wie „die wahre Anbetung“.
 
U.a. schafft man dies mit der erzeugten Doppeldeutigkeit des Begriffes „Wahrheit“, was mit ihren Auswirkungen beim ZJ schon im Kapitel 1 betrachtet wurde.
Denn der (vom „Sklaven“ übertragene) persönliche Glaube eines ZJ und die Verbundenheit zu seiner Religionsorganisation, wird beides mit dem Begriff „Wahrheit“ verbunden, obwohl beides nichts mit diesem willkürlich gewähltem Oberbegriff zu tun haben sollte, als allein die subjektive und vom „Sklaven“ übertragene Ansicht, das „Gottglaube“ = „Wahrheit“ dasselbe ist wie „Zugehörigkeit“ = „Wahrheit“.
 
Auch hier wird wieder mit dem übertragenen Gefühlen und der allgemeinen Bedeutung des Begriffes „Wahrheit“ gespielt.
Die Doppeldeutung dieses Wortes versteht der ZJ dann als „Wahrheit“ im Sinne von „wahrer Weltsicht“, „wahrer Glaube“, „wahre Anbetung“ sowie „wahrer Religion“ – dabei „ist er in der Wahrheit“, sprich in „Jehovas Organisation“.
Dies aufgrund von Informationen, die es aufgrund ihrer invaliden Natur eigentlich nicht geben dürfte...
 
Was anderes wäre, wenn ein Gläubiger von sich aus diese Mixtur an sich selber vollziehen möchte, wenn er beginnt seinen bereits vorhandenen Glauben auf die Glaubensinhalte einer Religion auszuweiten.
Doch solche Ambitionen sollten, wenn überhaupt, von der Person selber durchgenommen werden.
Der „Sklave“ jedoch übergeht dieses persönliche Recht zur Religionsfindung indem er bewusst emotional, suggestiv und manipulativ beeinflusst, um die Übernahme seiner Ansichten aufgrund seiner Absichten zu begünstigen.
 
 
 
 
Zuletzt bearbeitet am 18.08.2014