"Ich glaube an Gott, so wie ein Blinder an die Sonne glaubt. Nicht weil er sie sieht, sondern weil er sie fühlt..." 
 
 
7.4. Was ist eigentlich „(Gott-) Glaube“?  - Achtung: Wortklauberei die 2.te ;)
 
Was soll die Frage?
Vor allem jetzt und hier?
 
Dem ZJ hatte ich versprochen niemals an irgendeiner Stelle in diesem Buch seinen Glauben anzuzweifeln und dabei möchte ich es auch belassen.
 
Es ist mir jedoch ein Anliegen zu verdeutlichen, dass dieser Begriff an sich interpretationsbedürftig ist, weil er an sich ein Oberbegriff ist.
Ich halte es daher für nötig, gewisse Dinge voneinander zu differenzieren, bevor alles „in einem Topf“ geschmissen wird, bzw. was bereits unbewusst praktiziert wird, dann aber auch wieder ganz bewusst seitens des „Sklaven“ durch seine eigene Definitionen andere Bedeutungen erhält, als wie es in der Allgemeinheit verstanden werden würde.
 
 
Was ist also nun eigentlich „Glaube“?
 
„Glaube“ ist einmal die Substantivierung von „glauben“.
Zu glauben heißt „nicht wissen“, ist doch klar.
Klar ist nur nicht jedem, das es deswegen nicht „nichts“ ist, sondern ein durchaus realer Vorgang.
Ich glaube dass ein Stuhl mich halten wird, ohne es genau zu wissen ob er diesmal nicht einkracht, weil ich die Erfahrung gemacht habe, das Stühle in der Regel nie meinem Gewicht nachgeben.
Ich glaube dass es heute nicht regnet, weil ich a) den Wetterbericht gelesen habe und b) die Sonne scheint – dennoch könnte es regnen.
 
Ich glaube dies, ich glaube das und jenes, usw. usw...
Ein Glaube ist es also immer dann, wenn man sich einer Sache nicht so sicher sein kann, als wo man von „wissen“ sprechen kann.
Eigene Überlegungen und Erfahrungen, sowie der Einfluss der Gefühlswelt, tragen dazu bei, das man sich persönlich etwas „sicher“ sein kann.
Es ist im Alltag mit „vertrauen“ gleichzusetzen, wo ich hier jedoch zwischen Vertrauen und Glauben wie folgt differenzieren möchte:
 
Je mehr Grundlagen zu Annahmen und Erfahrungen es um eine bestimmte Sache gibt, um so mehr kann man davon sprechen ihr vertrauen zu können – je weniger Basen es gibt um etwas vertrauen zu können, um so mehr wird man ihr glauben müssen.
Ich will jetzt nicht sagen, das „vertrauen“ eine Basis hat und „glauben“ nicht.
Die Basen für Glauben sind Emotionen, das „Gefühl“, sowie Beobachtungen und daraus resultierende Rückschlüsse, was jedoch nur die subjektive Wahrnehmung und daraus folgend eine für sich getroffene Entscheidung betreffen kann, denn ansonsten wäre es allgemeingültiges „Wissen“, was jeder nachvollziehen könnte.
 
Vertrauen verhilft aber auch den Alltag zu bewältigen, da wir es gelernt haben auf bestimmte Prozesse des Alttags zu bauen, da wir ansonsten ewig (in Sorgen ver-)zweifeln würden ob z.B. die Kuh noch Milch liefert, oder das Wasser über dem Feuer auch heiß wird.
 
Aus dem Prozess des (Kennen-)Lernens entsteht Erfahrung, aus der Erfahrung das Vertrauen.
 
 
So ist es auch mit dem Gottglauben.
 
Sich selber als Schöpfung, oder Produkt einer initiierten und beeinflussten Evolution zu sehen, ist das eine - ein möglicher Rückschluss.
Im Glauben sucht unf findet der Mensch Anworten auf seine Sinnfragen, welche andere Quellen, selbst die Naturwissenschaft nicht zu lösen vermag.
Die emotionale Auswirkung von diesem ist dann unterschiedlich ausgeprägt – es bleibt dann halt nicht immer nur beim Rückschluss des Theisten, sondern es geht darüber hinaus, indem Dankbarkeit für die eigene Existenz empfunden wird, welche auch ausgelebt werden will.
Das Bewusstsein um die eigene Existenz wird dann mehr als ein Hinweis verstanden, dass es jemanden als Verursacher geben kann/muss (je nach Intensität dieses Empfindens), der für diesen Dank auch empfänglich ist.
 
Wie diese Dankbarkeit zum Ausdruck kommt ist unterschiedlich.
Das kann völlig individuell, aber auch durch eine Religion beeinflusst, vorgehen.
Oder beides.
 
Das Gottvertrauen ist eine Steigerung des Gottglaubens und das Resultat einer persönlich erlebten Bestätigung, weil der Glaube (ähnlich wie der Glaube an die Liebe) scheinbar irgendwie von Gott bestätigt worden ist, oder man etwas erlebt hat was man allein Gott zuschreibt.
 
Auch wenn ich bisher nur das „Vertrauen“ in der Wechselbeziehung zum „Glauben“ versucht habe herauszustellen, muss m.E. noch weiteres differenziert werden, wenn es um den Oberbegriff (Gott-) „Glauben“ geht:
 
Wenn ich nur mal die Frage nehme „Welchen Glauben hast du?“, wird manchmal mit einer Konfessionszugehörigkeit geantwortet („Ich bin katholisch“, o.a.).
Diese Antwort kann aber auch kommen, wenn man gar nicht mal mit den Ansichten der Konfession übereinstimmt – oder auch, wenn man gar nicht mal an einen Gott glaubt oder diese Religion und ihre Inhalte kaum ernst nimmt („Namens-Christ“).
Der Gott-Glaube ist aber nicht das gleiche wie die profane Zugehörigkeit zu einer Religionsorganisation, den schriftlichen Eintrag bei einer Kirche.
Wenn eine Behörde nur aus steuerrechtlichen Gründen nach der Konfession fragt, dann fragt sie bestimmt nicht aus dem Interesse eines Seelsorgers heraus.
 
Die Konfessionszugehörigkeit ist also allein ein amtlicher oder schriftlicher Eintrag, welcher zwar die Mitgliedschaft zu einer Kirche bestätigt, jedoch an sich nichts über die Glaubensintensität des Mitgliedes aussagt.
 
Natürlich ist es so, das auch welche mit einer Mitgliedschaft an Gott glauben – da wird dann meist miteinander verwoben, obwohl das eine mit dem anderen nichts zu tun haben sollte.
Beispiel: „Klar glaube ich an Gott, deswegen bin ich ja evangelisch/ein Mitglied der evangelischen Kirche.“
 
In solchen Fällen wird bereits die Identifikation als Gläubiger mit der von anderen Gläubigen initiierte organisatorische Einrichtungen verwoben, indem jemand seinen persönlichen Glauben mit der Zugehörigkeit zur  Religionsorganisation gleichsetzt, obwohl das eine nichts über das andere aussagt.
Gottglaube kommt ja auch bei denen vor, die nirgendwo Mitglied sind (bei mir zum Beispiel).
Was anderes ist nun die Frage nach der persönlichen Glaubensrichtung und einer bereits existenten Religion, was man ebenso unter „Glaube“ einordnen könnte.
Ich würde jetzt nicht sagen, dass beides dasselbe ist, obwohl sich beides um dieselben Glaubensinhalte drehen können.
 
Das kann jeweils ein gehöriger Unterschied sein.
Fragt man jemanden nach seiner „Religion“ (auch wieder ein Oberbegriff), können auch hier Antworten kommen, wo auch wieder, ohne gläubig sein zu müssen, lediglich eine Zugehörigkeit genannt wird.
Als Religion würde ich persönlich die Wege und Mittel bezeichnen, die ein Mensch einschlägt und auslebt, wie er persönlich seinen Gott-Glauben einen Ausdruck verleihen möchte.
Dies darf auch wieder in Verbindung mit einer althergebrachten Gruppe (Religionsorganisation) oder lediglich im privaten Rahmen geschehen, wo entweder die Glaubensinhalte so einer Gruppierung von Gleichgesinnten übernommen werden – teilweise oder ganz - oder es ganz beim persönlichen erlebten Gottesbild belässt.
 
Die Glaubensinhalte der verschiedenen Religions-Gruppierungen unterscheiden sich aufgrund ihrer unterschiedlichen Entstehungsund Entwicklungsgeschichten, wo es natürlich auch welche mit demselben Ursprüngen gibt, sowie identische Inhalte.
Doch jeder Gläubige wird wiederum sein eigenes persönliches Bild von Gott in sich tragen.
 
Dagegen ist die Glaubensrichtung die persönliche Tendenz, wo einerseits der persönliche Glaube auf die Glaubensinhalte einer Religion erweitert worden sein kann, jedoch nicht von einer Mitgliedschaft einer Einrichtung abhängig ist.
 
Man kann z.B. den christlichen Glauben ausleben, Christ sein, ohne irgendwo Mitglied sein zu müssen – man folgt einer Religion, ohne etwas mit deren „weltlichen“ Organisationen zu tun haben zu müssen.
Die Glaubensinhalte, die ein Gläubiger für sich übernommen hat, können nun in Verbindung mit oder ohne Zugehörigkeit einer Religionsorganisation, dennoch als eine Religion der man nachgeht ausgelebt werden.
Zusätzlich kann man dann noch irgendwo Mitglied sein, was aber für sich wie schon geschildert nichts über die Glaubensintensität aussagt.
Eine Religion einer bereits existenten zu benennen ist dann eine mögliche Antwort auf die Frage nach der Glaubensrichtung - aber auch nur dann, wenn der persönliche Glaube auf derer Glaubensinhalte, teilweise oder ganz, erweitert wurden.
Dennoch sollte man unterscheiden, wenn man eine Religion annimmt, dass es weder Pflicht oder Voraussetzung ist, dann auch sich einer Organisation, oder einer Gruppierung, zu verpflichten (vergleiche Lukas 9, 49-50 oder Markus 9, 38-40) – denn einer Religion nachzugehen, ein Übernehmen von Glaubensinhalten, ist nicht dasselbe wie deren Organisationen, oder eine Mitgliedschaft in einer solchen.
 
Wenn überhaupt, kann der persönliche Glaube nur eine Sache zwischen Gott und den Gläubigen sein – es bedarf keiner Verwaltung, es sei man möchte sich irgendwo eintragen lassen.
Dieses Wort, Glaubensrichtung, ist eine Erweiterung des Wortes „Richtung“, um die „Tendenz“, „in welche Richtung“ oder „in welche Religion“, der Gläubige seinen Glauben einzuordnen sucht, benennen zu können.
 
Diese „Glaubensrichtung“ kommt z.B. in der Frage vor, vor der ein Gläubiger stehen mag der noch keine Religion hat – ganz gleich ob er sich diese Frage bewusst stellen mag oder nicht.
Ich kenne wenige Menschen, die sich nur auf eine pure Begegnung mit Gott einlassen, was ich ja auch als eine Religionsform bezeichnen würde, so wie sie Gott persönlich zu erleben glauben, ohne sich von den Vorgaben anderer Religionsgruppierungen beeinflussen zu lassen – das gibt es natürlich auch.
Die Wahl der Glaubensrichtung, wenn man eine Wahl hat, sollte das Resultat einer persönlichen Abwägung sein ob der persönliche Gottglaube auf die Glaubensinhalte einer Religionsgruppierung erweitert werden kann – der Gläubige übernimmt dann einen Glauben, zumindest sollte es so sein, weil er für sich persönlich darin einen Wert entdeckt hat, oder weil er den Eindruck verfolgt, dort Gott nahe zu sein.
Hier ist es aber auch möglich, sich für keine Religion zu entscheiden, sondern es lediglich bei dem Gedanken zu lassen, dass es einen Gott gibt.
 
Gottglaube ist also nicht immer gleich das Nachgehen einer gegebenen Religion, sondern bestenfalls die Voraussetzung, wieso das jemand tun möchte.
Ich kenne dies meist von wissenschaftlich interessierten Leuten, die lediglich vermuten, dass es da etwas „Höheres“ geben muss, aber deswegen nicht gleich einer Religion angehören wollen.
Aber nur weil jemand keiner Religion nachgeht, muss er deswegen nicht „ungläubig“ sein.
Es kann also lediglich bei dieser Ansicht bleiben, ohne in einer Religion dem Glauben ein Gesicht verleihen zu müssen.
Ich kann das gut nachvollziehen, das aufgrund der Betrachtung einzelner Gruppierungen man auf Dinge stoßen wird, die einem unmenschlich und/oder phantasievoll vorkommen werden.
 
Aber auch Ängste, sich emotional zu öffnen, oder „lieber bei Vernunft“ zu bleiben, spielen bei dieser Haltung eine Rolle, genauso wie schlechte Erfahrungen mit Religionen (das „gebrannte Kind....“).
Der persönliche Glaube muss nichts mit den Inhalten einer Religion zu tun haben.
Der Mensch sollte die Wahl haben ob er etwas, oder alles, für sich aus einer Religion für sich so annehmen kann, oder auch nicht – auch wenn das sich für den Leser vielleicht erst mal nach einer Tendenz zum „persönlich zusammengestellten Glauben“ anhört, dann verfolge ich genau diese Absicht.
 
Denn m.E. nach darf jeder Mensch das glauben und verstehen, wozu er gemäß seinen individuellen Fähigkeiten auch nur in der Lage ist.
Jeder Mensch darf seinen eigenen Wissens- und Erkenntnisstand haben, sowie sich weiterentwickeln, austauschen, neues Lernen, so wie es gerade in seiner persönlichen Entwicklung sinnvoll ist.
 
 
Die Religion sollte für den Menschen da sein, aber nicht der Mensch für die Religion.
 
 
Dies nennt man Glaubensfreiheit und ist eines der Menschenrechte.
 
 
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Zuletzt bearbeitet am 18.08.2014