7.12. Die „Bibelinterpretation“ und die „Zweckentfremdung der Bibel“
 
 
Ich füge hier einmal ein Link zu einem amüsanten Beispiel ein, wo aber der Kern verdeutlich, dadurch das er überzogen ist, das man im Grunde alles mit der Bibel verkaufen kann, wenn man weiß wie (und wenn die Zielgruppe unbelesen ist):

http://www.manfred-gebhard.de/Parsimony.19478.htm ("Gott verabscheut Menschen die ihren Kaffee linksherum Rühren!

Im Kapitel 4 wurde bereits ein Beispiel anhand des „Paradies auf Erden“ betrachtet, wo „Gottes Vorsatz“ die Erde zu einem weltweiten Paradies zu kreieren, eine Aufgabe des Menschen sei, ein Vorsatz den Gott angeblich nicht geändert hat.

Die Bibel wird hier nun zwar verwendet, jedoch wird mehr hineingelesen als wie dort steht – daher „Hinzufügung“Ich würde es auch als eine „erweiterte Interpretation für die jedoch ein Anlass nicht gegeben ist“ bezeichnen.
Man nehme eine biblische Aussage und entzieht aus ihr eine tatsächlich vorhandene Aussage und addiert eine willkürliche Aussage hinzu, welche die Bibel an sich nicht hergibt.
 
Oder das Bibelzitat wird zweckentfremdet.
Unbelegte Aussagen gehen zwischen den belegten Aussagen unter.
Es genügt dann meist die Bibelstelle als Verweis in Klammern anzuführen, ohne daraus zitieren zu müssen – es reicht allein den Anschein zu erwecken, das die Bibelstelle etwas mit der Aussage des „Sklaven“ zu tun hätte.
Das dem nicht so ist merkt man erst wenn man die Bibelstelle nachliest und sie nach ihren ursprünglichen Zweck hinterfragt.
 
In jeden Fall sind es willkürliche Vorgehensweisen entgegen den Regeln einer authentischen Exegese.
Beispiel 1.:
 
„Ebenso stammt die Botschaft der Bibel nicht von den Männern, die sie niederschrieben, sondern von Gott. Deshalb kann man sagen, dass die gesamte Bibel in Wirklichkeit „Gottes Wort“ ist (1. Thessalonicher 2:13).“ – „Was lehrt die Bibel wirklich?“, S. 19.
 
...Schlägt man die an angegebene Bibelstelle auf, wird man auf eine Aussage stoßen, welche sich nicht auf die Bibel als „Gottes Wort“ bezieht, sondern auf die gesprochenen Aussagen der Apostel.
Dennoch wird der Vers angeführt, um eine Aussage des „Sklaven“ als biblisch gegeben zu betrachten.
Dem Unterbewusstsein des Unmündigen ist es anscheinend ausreichend, wenn nur der profane Anschein erweckt wird, dass etwas „biblisch“ ist.
Letztlich hängt es mit der übertragenen Autorität zusammen, das die Bibel mit „Gottes Wort“ gleichgestellt wurde, sowie dem bedenkenlosem Vertrauen.
 
Beispiel 2.:
 
„Der Pfad der Gerechten ist wie das glänzende Licht, das heller und heller wird, bis es voller Tag ist“ (Sprüche 4:18). Durch immer heller werdendes Licht von Jehova wird der Pfad seiner Diener fortwährend erleuchtet.
Das Licht führt zu Verbesserungen in organisatorischer Hinsicht, in Lehrfragen und auf sittlichem Gebiet.“ – WT 15.02.2006, S. 26.
 
Während König Salomo in Sprüche Kapitel 4 seinen Sohn, oder seinen Schüler, von den Vorzügen einer persönlichen und individuellen Erweiterung von Wissen und Weisheit vermittelt, was man rigentlich durchaus auf sich persönlich beziehen dürfte, wird dieser Vers auf die LK, den Sklaven und seine WTG angewendet.
 
Da dieser sich selber als den „Gerechten“ versteht, kommt man auch in diese „Gunst“, jedoch als Gruppierung – alle ZJ müssen denselben Wissensstand des Sklaven vertreten, was seine Lehren betrifft.
Unter Umständen hat man sich unter ganz anderen Voraussetzungen taufen lassen, muss man dann dennoch erneuerte und veränderte Lehrmeinungen des „Sklaven“ akzeptieren (oder schweigen).
 
Zweckentfremdung:
Salomo sprach von einem persönlichen (individuellen) Wachstum an Weisheit, nicht von einer Gruppierung, schon gar nicht von den Anhängern einer WTG.
Der „Sklave“ verwertet diesen Vers jedoch um Änderungen der Lehren und organisatorischen Vorgehensweisen zu begründen – dies jedoch für die gesamte Gruppierung.
Eine persönliche Ansicht, welche von der vorgegebenen Abweicht, wird nicht akzeptiert.
Ein ZJ ist nur der, der die Lehren des „Sklaven“ übernimmt, egal was Salomo schrieb.
Wer eine eigene erweitere Kenntnis über Glaubensfragen und Bibelwissen besitzt, was von den Lehren des „Sklaven“ abweicht, der soll dieses Wissen für sich behalten.
Oder die Gruppierung verlassen...
 
Beispiel 3.:
 
„Jesus ist aber noch aus einem anderen Grund ein besonderer Sohn: Er ist der „einziggezeugte Sohn“ Gottes (Johannes 3:16). Das bedeutet, er wurde als Einziger von Gott direkt erschaffen. Jesus ist auch der Einzige, den Gott gebrauchte, als er alles andere erschuf.“ - „Was lehrt die Bibel wirklich?“, S.41.
 
 
Beispiel einer Interpretation ohne gegebenen Anlass.
Es geht um den Begriff „Erstgeborener“ – dieses Wort bedeutet nun mal das jemand geboren (aus jemanden heraus gewachsen) wurde und nicht „erschaffen“, im Sinne eines Prozesses wo man Werkstoffe verwendet um etwas zu gestalten.
Aber das Beispiel zeigt eine Willkür, mit der mit geschickten Worten einfach etwas übergangen werden kann, was zu einem völlig perplexen Bild über das ursprüngliche Christentum führt.
 
„Nur weil der Sklave sagt, das „etwas“ etwas bedeutet ….“
 
Beispiel 4.:
 
„Satan dachte offensichtlich: „Die Menschen könnten doch eigentlich alle mich anbeten statt Gott!“ In seinem Herzen kam also ein unrechter Wunsch auf. Schließlich schritt Satan zur Tat und täuschte Eva, indem er ihr Lügen über Gott erzählte (1.Mose 3:1-5).“ - „Was lehrt die Bibel wirklich?“, S. 29.
 
 
Hier wird dem Teufel „offensichtlich“ angedichtet, dass er selber angebetet werden wolle.
Es wird so dargestellt, als wenn man sich in die Motive des Teufels hineindenken könnte, obwohl die Bibel selber nirgendwo dies als einen Wunsch des Teufels darstellt „angebetet“ zu werden.
Die profane Angabe eines Bibelverses erweckt lediglich den Anschein, dass es biblisch sei, obwohl das, was nur hineingedichtet wurde, nicht in der Bibel steht.
 
Ähnliches Beispiel war unter dem Punkt Weihnachten“ angeführt, wo der „Stern über Bethlehem“ ebenso als Teufelswerk umgedichtet wurde.
 
Beispiel 5 aus einen Wachtturmartikel:
 
 
So allgegenwärtig wie die Luft, die wir atmen, ist der „Geist, der jetzt in den Söhnen des Ungehorsams wirksam ist“ (Eph. 2:2). Wir könnten uns dadurch einflüstern lassen, wir brauchten keine Anleitung von der Organisation Jehovas. Niemand unter uns möchte aber so sein wie Diotrephes, der vom Apostel Johannes „nichts mit Respekt“ annahm (3. Joh. 9, 10). Also müssen wir uns vor der Neigung hüten, nur dem eigenen Willen zu folgen. Wir wollen bestimmt nie etwas sagen oder tun, was letztlich respektlos gegenüber der Sklavenklasse wäre, durch die
Jehova heute Anleitung übermittelt (4. Mo. 16:1-3). Stattdessen wollen wir dankbar dafür sein, dass wir sie unterstützen dürfen, und uns eng an ihre Anleitung halten. Und auch denen, die in unserer Ortsversammlung die Führung übernehmen, wollen wir gehorchen und uns ihnen vertrauensvoll unterordnen. (Lies Hebräer 13:7, 17.)“ - WT 15.11.2009, S. 19.
 
 
Epheser 2,2 muss hinhalten, das es einen „Geist“ gibt der den ZJ „einflüstern“ will, das man die Anleitung der „Organisation Jehovas“ nicht bräuchte - als der Epheserbrief geschrieben wurde, hatte der Apostel diese Organisation, der des „Sklaven“, bestimmt nicht im Sinn.
Die Situation zwischen Johannes und Diotrephes (3.Joh 9-10) wird zum „Argument“, das man ja nicht zu jemand werden wolle, der „nichts mit Respekt“ annimmt.
Der Apostel Johannes wollte damit bestimmt keinen Hinweis auf eine WTG geben.
Und Khora mit ihren 250 Anhängern (4.Mose 16) wird zum warnenden Beispiel, besser nicht respektlos gegenüber die „geistliche Führung“ zu werden.
Und klar, man kann sich den Ältesten einer Versammlung unterordnen.
Aber als der Hebräerbrief geschrieben wurde (13,7+17), hatte man da auch gewusst, das diese bei den ZJ darauf zu achten haben, das alles nach den Anweisungen des „Sklaven“ abzulaufen hat?
 
Ich glaube eher nicht.
 
Beispiel 6
 
Wt 15.5.2014 - S.26: "Diese neue, von Gott sehr begünstigte Organisation bestand auch nach der Zerstörung Jerusalems 70 u. Z. (Luk. 21:20, 21)."
Wie im Kapitel 1 beschrieben kommt der Begriff "Organisation" gar nicht in der Bibel vor.
Wer Lukas an dieser Stelle aufschlägt bekommt jedoch keine Bestätigung für die Aussage aus dem Wachtturm, sondern trifft nur auf die Passage, die man als die Prophezeiung der Zerstörung Jerusalems kennt.
Dennoch stellt der Wachtturm es so dar als ob.
Denn die Wachtturm-Organisation wird man nirgends in der Bibel finden.
Es bleibt also nur den Anschein zu wecken.
 
 
Veränderung der Bedeutungen einer Bibelpassage
 
Mit der Wortwendung „offensichtlich“ wird gerne etwas als „feststehend“ vorgespielt – auch dann wenn etwas noch lange nicht so „offensichtlich“ ist.
Genauso wird ja m.E. das Wort „bedeutet“gerne manipulativ eingesetzt, was ja dem Leser hier schon öfters begegnet war.
Das Unterbewusstsein (UB) gibt sich damit zufrieden, das sich die Informationen sprachlich wie eine Begründung anhören, womit es eher zu einer Übernahme der Ansichten verleitet wird.
 
Beispiele:
 
„Die Bibel ist auch ein Geschenk, das zu Herzen geht, denn sie offenbart uns etwas über den Geber, Jehova Gott. Er möchte offensichtlich, dass wir ihn gut kennen lernen, sonst hätte er uns dieses Buch nicht geschenkt. Ja, die Bibel ist dazu da, uns ganz persönlich Gott näher zu bringen.“ - „Was lehrt die Bibel wirklich?“, S.18
 
 
„Ein zweiter häufig angeführter Grund, warum der Name Gottes aus der Bibel entfernt worden ist, hat mit einer alten jüdischen Tradition zu tun. Nach Ansicht vieler Juden sollte Gottes Name nie ausgesprochen werden. Dieser Standpunkt beruht offensichtlich  auf einer falschen Auslegung des biblischen Gebots: „Du sollst den Namen Jehovas, deines Gottes, nicht in unwürdiger Weise gebrauchen, denn Jehova wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen in unwürdiger Weise gebraucht“ - „Was lehrt die Bibel wirklich?“, S. 196.
 
 
Wenn es wirklich so „offensichtlich“ gewesen wäre, wieso hat Jesus Christus dann nicht die Juden deswegen zurechtgewiesen den Namen seines Vaters zu verheimlichen, so wie er sie woanders auch gerügt hatte?
 
 
„Das Gebot, sich des Blutes zu enthalten, bedeutet also, dass wir niemandem erlauben würden, uns Blut zu übertragen.“ - S. 130.
 
 
„Die wahre Religion führt zu ewigem Leben. Die falsche Religion führt in die Vernichtung. Jehova will nicht, dass irgendjemand vernichtet wird, und bietet deshalb den Menschen auf der ganzen Welt die Möglichkeit, ihn kennen zu lernen (2. Petrus 3:9). Die Art und Weise, wie wir Gott anbeten, bedeutet also wirklich Leben oder Tod für uns.“ - S. 145.
 
Johannes 17:3 aus der „NWÜ“:
„Dies bedeutet ewiges Leben, daß sie fortgesetzt Erkenntnis in sich aufnehmen über dich, den allein wahren Gott, und über den, den du ausgesandt hast, Jesus Christus.“
 
 
Noch so eine Wortwendung ist der Begriff „Beweis“, oder wenn etwas „bewiesen“ werden soll, wo ebenso etwas als „Wahrheit“ verkauft werden soll, wo jedoch die Gründe zur Annahme außen vor bleiben, oder es als Druckmittel eingesetzt wird, als wie wenn man einem Beweis nicht glauben würde.
Beispiele aus demselben HBSH:
 
 
„Das Lösegeld ist wirklich der größte Beweis der Liebe Jehovas zu uns Menschen.“ - „Was lehrt die Bibel wirklich?“,S.47.
 
 
„Eine Möglichkeit, echten Glauben zu beweisen, ist, dass wir uns alle Mühe geben, Jesus in Wort und Tat nachzuahmen.“ - S.55.
 
 
Die Bibel wird vom Sklaven zu einem Werkzeug, welches das Vertrauen der Mitglieder in dieses Buch auszunutzen weiß, um gezielt Bibelverse so auszulegen, das eine Zweckentfremdung oder eine Umdeutung vorgenommen wird, damit die Mitglieder das umsetzen und glauben, was auch nur der „Sklave“ will.
Man kann im Prinzip in fast jeder Publikation des Sklaven (ich grenze das nur deshalb ein weil ich in meinen Leben nicht alle werde lesen können) eine Menge von willkürlichen Interpretationen und Zweckentfremdungen von Bibelversen verweisen.
Der ZJ hat an sich nie gelernt, den ursprünglichen Sinn eines Bibelverses für sich persönlich ergründen zu können – einfache Regeln einer vernünftigen Exegese sind hier nie als Alternative angeboten worden, ganz zu schweigen von Vorgehensweisen zu einer wirklich eigenständigen Betrachtung des christlichen Glaubens.
Ich hoffe dass diese Beispiele ausreichen um diese Methoden zu verdeutlichen von denen man hunderte solcher Beispiele anführen könnte – aber es würde immer darauf hinausgehen, das ein Bibelvers ganz einfach nie nach seinen ursprünglichen Grund seiner Aufzeichnung hinterfragt wurde, bzw. aus Prinzip keine Kontrolle durchgeführt wird, ob Bibelverse zweckentfremdet wurden oder nicht.
 
Genauso werden keine alternativ möglichen Auslegungen angeboten, geschweige akzeptiert.
 
 
 
Zuletzt bearbeitet am 18.08.2014