7.10. Manipulative Eingrenzung
 
 
Undefinierte Bezugsgruppen („manche“, „anderen“, „wieder andere“) können nicht nur als suggestive Ansprechformen an das Unterbewusstsein verwendet werden, welche den Leser veranlassen sollen eine Aussage suggestiv auf sich zu beziehen, was im vergangenen Kapitel schon angesprochen wurde.
 
Mit ihrem Einsatz kann man Aussagen auch so aufbauen, dass diese wiederum Meinungen vorweg nehmen können, indem so andere Aspekte einfach außen vor gelassen werden, die aber genauso relevant gewesen wären.
 
Der „Sklave“ stellt so nur das in den Fokus der Aufmerksamkeit, worum sich die Gedanken des Studierenden kreisen sollen.
 
Ein Beispiel:
„Viele Frauen können nicht einparken“ - das es aber genauso viele Männer gibt wird einfach nicht thematisiert.
 
Solche Bezüge richten dennoch den Fokus auf das, worüber man ausgesucht berichten möchte.
Was nicht thematisiert werden soll wird dann so ausgesondert, außen vor gelassen, auch wenn es zur Thematik sehr wohl gehören müsste.
Problematisch ist hier, das so nur die halben Informationen zur Bildung der Meinung in den Fokus gerückt werden. 
 
Doch nicht nur das. Solche Aussagen kann man dann auch noch so formulieren, dass sie dann „so rüber kommen“ als wenn diese eine feste Regel wären. Beispiele:
 
„Manchen Kindern kann man nicht trauen, da sie einfach Süßigkeiten stehlen.“
„Oft ist ein Politiker von seiner Tätigkeit nicht überzeugt.“
„Viele Schüler rauchen heimlich, obwohl sie das nicht dürfen.“
 
Der Leser bemerke:
Obwohl die Relation verhältnismäßig gering sein kann, wird dennoch die negative Aussage als eine feste Regel hervorgehoben, weil der Leser alle Menschen aus der benannten Gruppierung mit einschließen wird.
 
Warum sollte er das tun?
Da man nicht weiß, auf welche Einzelpersonen diese Aussagen (Anschuldigungen oder Denunziationen) zutreffen, wird ein Vorurteil konstruiert, welches theoretisch auf jeden den man aus dieser Gruppierung begegnen mag und nicht persönlich kennt, zutreffen kann – dies obwohl das in 90% der Fälle unberechtigt ist.
 
Falsche Relationen können einen falschen Anschein erwecken und ein negatives Gefühl ausgewählten Personen gegenüber erzeugen lassen, wenn man diese bewusst ausreizt, um nur die gewünschten Informationen und Ansichten, mit denen sich gedanklich beschäftigt werden soll, hervorzuheben.
 
Der Sinn liegt darin, dass man ein Vorurteil fördern oder auslösen will, oder dass man ein „Feindbild“ erzeugen möchte.
Zumindest kommt das „so rüber“, was ausgewählt „ins Gewicht fallen“ soll.
Ein Beispiel aus dem HBSH:
 
„Das kann man von Menschen nicht sagen, da sie sich manchmal sehr zum Schlechten verändern. Und selbst wenn es einflussreiche Personen noch so gut meinen, haben sie doch oft nicht die Macht, den Schaden zu beheben, den böse Menschen anrichten.“ – S. 19.
 
 
"Manchmal" und "oft". Ein Wortspiel, wo ebenfalls mit den Relationen gespielt wird, um diesen Eindruck der angeblichen festen Regel zu vermitteln, um ein Vorurteil zu inszenieren, welches bei weitem nicht zutreffen muss.
Es stimmt zwar, global betrachtet, dass man nicht jeden fremden Menschen blindlings seine Kinder anvertrauen sollte.
Und es stimmt, dass die Regierungen nicht alle Verbrechen verhindern können.
Dennoch sollte das Vertrauen in den Menschen nicht gänzlich aufgeben werden, da wir nun mal mit solchen auf diesen Planeten zusammenleben müssen.
 
„Manchmal“ und „oft“, vermittelt hier den „Studierenden“ aber dennoch die Botschaft, dass man Menschen generell nicht, oder nicht gänzlich vertrauen sollte.
Denn warum sonst wird das Negative thematisierend hervorgehoben, während aber das Positive bewusst außen vor gelassen wird?
Warum redet man z.B. nicht über die „lieben Nachbarn“, oder den „tollen Kollegen“ aus der Firma, denen wir unser Vertrauen schenken?
 
Der „Sklave“ will das Negative als feste Regel darstellen, zumindest soll der „Studierende dies so für sich auffassen, denn ansonsten hätte man zusätzlich die positiven Seiten der Menschheit separat raus stellen können – das will man aber nicht und daher lässt man es.
 
Das Interesse liegt darin das Gefühl zu erwecken, das man niemanden trauen könne, da das Vertrauen zuerst auf die Bibel und danach auf „Jehova“ gelenkt werden soll.
Das möchte man erreichen, indem man auf der wahrnehmbaren Informationsebene die alternativen Vertrauensbezüge so früh wie möglich negiert, um so schneller den natürliche Wunsch des Menschen „jemanden Vertrauen zu können“ in die vorgegebene Bahn zu lenken.
Denn ein zukünftiger ZJ soll letztlich dem „Sklaven“ und anderen „vorbildlichen“ ZJ vertrauen.
Der Leser sei auch noch einmal an das 5. Kapitel erinnert, in welche psychologischen Mechanismen und welchen sozialen Kontakten der „Sklave“ seinen zukünftigen Anhänger letztlich einbinden will – dazu ist es notwendig, das in der Indoktrinierung diese Abgrenzung von der angeblich „bösen Welt“ so früh wie möglich überträgt.
 
Also auch hier finden undefinierte Bezugsgruppen als suggestive Auslöser ihre Einsatzmöglichkeiten, um emotionale Meinungen auf Informationsebene zu übertragen.
 

 

 
 

Zuletzt bearbeitet am 18.08.2014