6.9. „Milton Modell“ - Tilgung
 
 
Eine Tilgung ist eine Information, welche bewusst unbenannt bleibt, aber unbewusst selber erstellt wird („Bruch in der Sprache“).
Eine Aussage aus Absatz 3 des 1.Kapitels aus dem HBSH „Was lehrt die Bibel wirklich?“, soll nun mal Gegenstand einer weiteren näheren
Betrachtung werden, der da lautet:
 
 
„Manche glauben zwar, dass die Antworten in der Bibel zu finden sind, aber die Bibel ist ihnen zu schwierig.“
 
 
Auch wenn nun bekannt ist, dass diesen Satz der „Studierende“ auf sich beziehen soll (wer ist „manche“?), enthält er noch zusätzlich einen kaum bemerkbaren Widerspruch - er ist nicht ganz „stimmig“.
Der Leser nehme sich ruhig etwas Zeit dies selber zu ergründen, denn es geht darum, um das „was“, der Leser auf sich beziehen soll, aber dort nicht steht*.
Diese Satzaussage ergibt für sich, wie sie da steht, keinen wortwörtlichen Sinn, auch wenn der Satz an sich gemäß seiner Grammatik sich vollständig anhört und deswegen, was nicht ausgesprochen wird, nicht bewusst als fehlend vernommen wird.
 
„Manche glauben zwar, dass die Antworten in der Bibel zu finden sind, aber die Bibel ist ihnen zu schwierig.“
 
 
*Lösung:
Derjenige aber, der keine Antworten in der Bibel sucht, weil er glaubt das die Bibel schwer zu verstehen ist, wird kaum an die Bibel glauben
können, schon allein deshalb nicht, weil er nie in die Bibel reinschauen wird.
Denn sein Vorurteil „die Bibel ist schwer zu verstehen“, würde jemanden gar nicht erst an die Bibel herangehen lassen – insofern die Sinnlosigkeit:
 
Woher weiß „manche“ (Pronomen ohne Bezug) denn sonst, dass die Bibel so schwierig zu verstehen sein soll?
 
Es handelt sich hierbei um einen Satz mit einer bewusst vorenthaltenen Information (was daher im Milton Modell eine „Tilgung“ genannt wird), wobei er erst dann als „unstimmig“ festzustellen ist, wenn man gezielt so etwas analysiert.
 
Die wortwörtliche Sinnlosigkeit dieser Aussage, sollte hier nämlich gar nicht auffallen, nicht bewusst, denn im Alltag begegnen wir andauernd solchen unvollständigen Aussagen die mit der Sinnfrage unbewusst vervollständigt werden.
 
Unser Unterbewusstsein (UB) stolpert daher nicht über solche Aussagen, weil er von der Satzform her sich vollständig anhört, sondern ergänzt es vielmehr mit dem, was nicht in diesem Satz steht, damit er einen Sinn ergibt.
 
Dieser Satz ergibt erst dann einen Sinn, wenn er mit dem unbewusst konstruierten ergänzt wird, was hier mal stellvertretend gemach wird:
 
„Manche glauben zwar, dass die Antworten in der Bibel zu finden sind, haben es auch erfolglos versucht in ihr Antworten zu finden, aber die Bibel ist ihnen zu schwierig.“
 
Jetzt ergibt der Satz auch einen wortwörtlichen Sinn.
Der Unterschied ist jedoch, das unser UB ganz von alleine so vorgeht, ohne der bewussten Entscheidung, diesen Satz „Sinnfüllend“ zu vervollständigen.
Dadurch, dass der Leser sich dies selber eingesetzt hat, auf unbewusster und emotionaler Ebene, hat er sich selber zur Übernahme der Suggestion „zu versuchen die Bibel alleine zu verstehen ist viel zu schwer“ verholfen.
 
Der Studierende selber soll einen Gedankengang vervollständigen und ihn mit der emotionalen Bewertung aus dem Buch verweben.
Er hat den Versuch, alleine aus der Bibel Antworten zu finden, sich selber negativ bewertet – hier ein Beispiel das ähnlich klingt:
 
„Viele Leute die meinen alleine Gitarre lernen zu können, lassen es lieber weil sich das so schief anhört“.
 
„Manche glauben zwar, dass die Antworten in der Bibel zu finden sind, aber die Bibel ist ihnen zu schwierig.“
 
Anderes Beispiel:
 
"Manche Hobbyköche meinen zwar etwas schwierigeres selber in der Küche zustande zu bringen, kaufen dann aber doch letztlich unsere Bücher für Fotgeschrittene."
 
 
"Manche glauben zwar, das die Antworten in der Bibel zu finden sind, aber die Bibel ist ihnen zu schwierig."
 
 
Hier soll eine Übertragung ausgelöst werden, mit der ein Interessierter das "eigenständige forschen in der Bibel" sich selber als negativ bewertet , mit der Illusion, selber auf diesen Gedanken gekommen zu sein...
 
 
Ein Gedankengang verbunden mit einer Meinung, der von einem Autor ausgelöst wird, dann aber vom Leser genau so durchdacht wird, wie es der Autor gerne hätte, hinterlässt beim Leser die Illusion, von selber auf diesen Gedanken gekommen zu sein, womit eine Übertragung der Meinung perfekt wäre.
 
 
Das selbst erstellte innere Bild:
Es selber zu versuchen und zu scheitern, weil es angeblich zu schwer ist allein in der Bibel nach Antworten zu suchen…
Funktioniert aber auch nur, wenn der Empfänger dieser Botschaft nicht schon eine eigene Meinung getroffen hat.
 
Was soll nun das ganze?
Wie hier nun recht ausführlich beschrieben wurde, kommt es dem Unterbewusstsein gar nicht drauf an was man an offensichtliche Informationen erhält.
Zu einer Suggestion reicht es wenn der Empfänger einen Anreiz erhält sich selber aufgrund einer an sich sinnfälligen Aussage, aufgrund einer „Tilgung“ (der weggelassenen Information), durch seine eigenen Ergänzungen zu einen sinnvollen Gesamtbild konstruiert, wobei die
eigenen Überlegungen sich unweigerlich mit den emotionalen Vorgaben verbinden, oder umgekehrt.
 
Wichtig ist bei der Satzformulierung dann nur, dass er den Anschein erweckt von der Grammatik her sich vollständig anzuhören.
Der Sinn des Satzes wird dann „zwischen den Zeilen gelesen“.
 
Wie oft „Tilgungen“ in der WT-Literatur auftauchen ist nicht leicht zu recherchieren, zumindest würde dies Jahre dauern, jeden Satz, anhand
der mir zur Verfügung stehenden WT-Literatur der letzten 40 Jahre, nach einer Tilgung zu durchsuchen – es ist schwierig nach etwas zu suchen, was bewusst weg gelassen wurde.
 
Was ich aber sicher sagen kann ist, dass ein „offener Rückschluss“, der nicht offen ausgesprochen wird und wo der Empfänger unbewusst ausgelöste Rückschlüsse treffen soll, ebenso unter der „Tilgung“ einzureihen ist.
Solche kommen immer dann auf, wenn in der WTLiteratur z.B. der Predigtdienst als „Glücklichmacher“ gepriesen wird, wenn man so viel macht wie möglich, das die Rückschlüsse, wenn man nicht sein „Bestes“ gibt, zu einem unglücklichen Leben führen.
 
Diese Abhängigkeiten, sowie die Methode „offener Rückschluss“, wurden im Kapitel 5 schon eingehend betrachtet, und können in der
Tilgung mit eingegliedert werden.