6.5. Milton Modell - Nominalisierungen und Adjektive

 
 
6.5. Milton Modell - Nominalisierungen und Adjektive
 
 
Nomen sind Hauptwörter, oder auch Substantive genannt.
Adjektive sind Eigenschaftswörter.
 
Nur weil wir solche Wortarten alltäglich verwenden, dann ist das natürlich noch keine manipulative Beeinflussung eines Menschen, oder ein Bruch in der Sprache der eine Suggestion auslöst.
Die Bibel in ihren Grundtexten selber verwendet solche Begriffe, jedoch ohne suggestiver Auslöser.
Wohl kann man aber aus der Bibel psychologische Wirkungen des Glaubens ableiten.
Z.B. „wegen der vor ihm liegenden Freude erduldete er einen Kreuzestod“,
„die Früchte des Geistes sind Frieden, Freude, Langmut...“,
„Glücklich sind die, die sich ihrer geistigen Bedürfnisse bewusst sind“
 
In der Bibel findet man jeweil eine gegebene Ursache für einen emotionalen Zustand; zumindest wenn diese in der jeweiligen Passage thematisiert sind - aber das ist leider nicht die Thematik dieser Seiten, auch wenn ich dazu eine Menge zu schreiben hätte und auch gerne tun würde.
 
Im „Milton Model“ werden dagegen spezielle Nomen und Adjektive verwendet, welche an sich nicht greifbar oder materiell sind wie ein „Haus“, ein „Auto“, oder „weich“ und „hart“.
Hier verwendet man bewusst Begriffe wie „Frieden“, „Glück“, „Zufriedenheit“, „Liebe“, „Gefahr“, „Hass“ usw, weil hier eine geistige oder emotionale Ebene angesprochen wird und im Sinne des Empfängers individuell interpretiert werden muss, oder wo der Mensch in der Regel bereits eine eigene Vorstellung besitzt, was er retroaktiv abrufen kann.
Auch Emotionen können bewusst so aufgerufen werden.
 
Die Wörter mit denen der Suggerierende arbeiten möchte können auch von einem Verb abgeleitet sein (studieren = Studium, erkennen = Erkenntnis, glauben = Glaube).
Auch wird gerne aus einem Nomen das entsprechende Adjektiv gebildet (oder umgekehrt) – aus „Glück“ wird „glücklich“ und aus „Zufriedenheit“ wird „zufrieden“ – um diese dann gezielt die emotionale Ebene ansprechen zu lassen.
So flexibel wie unsere Sprache, genaso flexibel lässt sich ein suggestiver Auslöser in ihr unterbringen.
Und oft mus man selber emotional agieren, um den emotionalen Sinn zu erfassen.
 
Jetzt muss es allerdings noch lange keine Suggestion auslösen, nur weil man solche Wörter verwendet, oder es schafft einen Menschen auf seiner emotionalen Ebene zu erreichen.
 
Suggestiv können diese speziellen Nomen und Adjektive jedoch da eingesetzt werden, wenn ein Satz wieder gezielt unpräzise (Bruch in der Sprache) formuliert wird.
Da man ihn auch hier nur dann versteht, wenn man auf das eigene Empfinden zurückgreifen muss, um den Sinn des Einsatzes des Wortes zu ergründen, oder um den emotionalen Sinn einer Aussage nachzuempfinden.
Dabei lässt das UB diese Emotion aufkommen, bzw. wird auf die eigene Vorstellung der emotionalen Bedeutung zurückgegriffen, was in der Regel ein ungeplantes Durchleben dieser Emotionen auslösen lässt, welches der Suggerierende jedoch ganz bewusst mit einplant.
 
Wie schon geschildert, handelt es sich hier nicht um „Dinge“ die man in die Hand nehmen kann, sondern um Begriffe welchen man in der Regel bereits einer eigenen, emotional nachvollziehbaren Bedeutung beigemessen hat.
 
Wurde der gewünschte Gemütszustand impliziert, ist man in der Lage eine Emotion mit einem bestimmten Zusatz, wie einer Glaubensansicht der ZJ, zu verknüpfen.
 
Eine Methode innerhalb der WT-Literatur ist in diesen Zusammenhang, den gewünschten Zustand (z.B. des „Glücks“) als etwas erreichbares in Aussicht zustellen, sofern man sich an die Vorgaben des „Sklaven“ hält – folglich wird es auch aufgrund dieser Suggestionen auch tatsächlich zu den besagten emotionalen Zuständen kommen, wenn man als ZJ aktiv ist.
 
In der Sprache der WT-Literatur wird „Glück“ und „Zufriedenheit“ aber nicht nur dann als etwas in Aussicht gestellt, wenn man sich an die Vorgaben des Sklaven hält, sondern zusätzlich wird „vollkommenes“ Glück als etwas was im „Paradies auf Erden sein wird“ dargestellt, so das letztlich die Aussicht, die konstruierte „Hoffnung“, die größeren Emotionen auslöst, als wie der „Glaubensweg“ selber.
 
Es ist nicht verwerflich, wenn ein Mensch aus einer „Hoffnung“ Kraft schöpfen kann – verwerflich ist es aber, wenn eine Organisation diese Hoffnung als eine Abhängigkeit von ihr verklärt.
 
Oder noch anders:
Wie in der Werbung versucht man erst ein Gefühl zu produzieren, zu erzeugen oder auszulösen, um es dann mit dem Produkt zu verknüpfen.
Das Beispiel „das schöne Geschenk“ wurde bereits ausführlich betrachtet, bei der es sich um eine retroaktive Suggestion handelte, wo eine bereits erlebte Gefühlslage reaktiviert werden sollte.
Das Gefühl was induziert werden sollte war die „Dankbarkeit“, die man schon früher einmal verspürt hatte, was dann vorab mit der Bibel verwoben werden sollte.
 
Jedoch findet man auch direkte Nominalisierungen, welche bewusst unspezifisch eingesetzt, oder um etwas als „erreichbar“ in Aussicht zu stellen, was durch eine Vorwegnahme eine Übernahme der Aussagen begünstigt.
 
Wenige Beispiele aus dem WTG-Buch „Was lehrt die Bibel wirklich?“:
 
S. 6: „Denken wir nur einen Augenblick an die Ängste und Sorgen , die uns persönlich belasten.“
 
S. 9: „Die Antworten sind gar nicht so kompliziert. Und was noch viel besser ist: Sie geben uns  Hoffnung und machen uns glücklich.“
 
S. 18: „Sie ( = die Bibel – A.d.A.) enthält bewährte Grundsätze, die uns bei den Problemen und Sorgen des Lebens eine Hilfe sind.“
 
S. 47: „Wie wir gleich sehen werden, ist dieses Lösegeld das wertvollste Geschenk überhaupt, weil es uns unvorstellbar glücklich  machen kann und wichtiger ist als alles andere in unserem Leben.“
 
S. 55: „Je besser wir Jehova kennen lernen, umso größer wird unsere Liebe zu ihm. Und diese Liebe wird den Wunsch in uns fördern, ihm zu gefallen.“
…..
 
S.121:  „Aber ein Leben zu führen, das Gott gefällt, macht überaus glücklich und zufrieden“
 
S.144: „Wenn wir ihn auf die richtige Weise anbeten, werden wir glücklich sein und uns viele Probleme ersparen.“
 
S.162: „Wenn wir für die wahre Anbetung eintreten, werden wir sehr glücklich sein und reich gesegnet werden.“
 
S.173:  „Dann können wir die Freude erleben, Jehova, dem Hörer des Gebets, immer näher zu kommen.“
 
S.185: „Überlegen wir einmal: Wir können in Frieden und Glück für immer auf der Erde leben!“
 
S.188: „Als du zum ersten Mal gehört hast, was die Bibel wirklich lehrt, hat da dein Herz vor Freude, Begeisterung und Liebe zu Gott auch Feuer gefangen?“
 
S. 192: „Wenn wir völlig gesund in vollkommenem Frieden und Glück auf einer paradiesischen Erde leben, dann genießen wir endlich „das wirkliche Leben“ — ewiges Leben.“
 
Oder man denke an das bereits besprochene Beispiel („schöne Geschenk“):
 
„Man sucht nach dem richtigen Weg, möchte Gefahren meiden oder ist einfach neugierig.“
 
Welche Gefahr?
Die, welche eigens in der Phantasie des Lesers vorherrscht.
Diese Begriffe werden m.E. bewusst unspezifisch verwendet, ohne einen Bezug wie genau dieses „Glück“ aussieht oder welche „Gefahr“ gemeint ist.
Die Phantasie wird dann noch zusätzlich durch die Glaubensinhalte in die gewünschte Bahn gelenkt, was am Beispiel der „paradiesischen
Erde“ deutlich wird. Wie dieses „Glück“ und der „Frieden“ dann aussehen wird, wird sich der „Studierende“ selber ausmalen, indem er seine eigene Gefühlswelt (erzeugt aus eigenen Bedürfnissen und Wünschen) mit in seine Vorstellungen mit einbezieht, so das er emotional selber diese genannten Gefühle induziert und diese mit den Lehren der WTG positiv verknüpft.
 
Und was ein Mensch dann einmal emotional bewertet hat, wird er nicht so schnell verwerfen.
 
Da diese initiierten Gefühle real wahrnehmbar sind, wird man den Glauben ebenso für „wahr“ halten, was wiederum an der Einheit des Menschen liegt – wenn eine der vier Ebenen des Menschen etwas für „wahr“ hält, dann fühlt sich der ganze Mensch „gezogen“, welcher durch eigens aufkommende Emotionen sich emotional vereinnahmen lässt.
 
Während des „Heimbibelstudiums“ werden die „schönen Gefühle“ für die Religion (für Gott) selber erzeugt – künstlich.
Später wird es dann so dargestellt, als wenn es allein „Gottes Verdienst“ gewesen wäre, der einen Menschen zur „Wahrheit gezogen“ hat.
 
Es ist aber ein gewaltiger Unterschied, ob durch einen suggestiven Anreiz Emotionen aufkommen, oder ob man aufgrund natürlicher Einflüsse selber zu einem emotionalen Eindruck kommt.
 
Das Problem ist, das der „Studierende“ sich diesen Unterschieden nicht bewusst ist, weil er der Illusion der eigenen Emotion nachgeht, die jedoch gezielt ausgelöst wurde.
 
Aber auch in der weiterführenden Literatur, vor allem nach der Taufe zum Zeugen Jehovas, müssen diese Gefühlsregungen immer wieder neu ausgelöst werden, weil durch Fremdbeeinflussung verursachte Gefühle mit der Zeit vergehen können.
 
WT 15.06.2010, S.27: „Über diese kostbaren biblischen Wahrheiten zu sprechen vertieft auch unser eigenes Verständnis und unsere  Dankbarkeit dafür.“
 
WT 15.08.2010, S.22: „Die Bibel ist voll von Berichten, die zeigen, wie Jehova seinen Anbetern liebende Güte erwies. Wenn wir uns die Zeit nehmen, mit Wertschätzung über die „Handlungen“ Jehovas nachzusinnen, fühlen wir uns bestimmt angeregt, uns noch mehr in dieser göttlichen Eigenschaft zu üben.“
 
WT 15.05.09, S.17: „Eine junge Pionierin namens Daphne berichtete von ihrer Freude und Befriedigung, die ihr Fortschritt in der Wahrheit mit sich brachte: „Mein Verhältnis zu Jehova wurde noch enger, als ich ihn als reale Person wahrnahm. Wenn du alles tust, was du kannst, um Jehova zu gefallen, dann fühlst du dich richtig gut — echt zufrieden!“
 
WT 15.02.2010, S.28: „Keine Zunge und keine Feder vermag den Frieden, die Freude und den Segen zu beschreiben, der unserm Herzen und Leben durch eine klare Erkenntnis des wahren Gottes zuteil geworden ist.“
 
WT 01.04.2011: "Wie Jesus in der Bergpredigt betonte, ist jemand viel glücklicher, wenn er sich dessen bewusst ist, dass er Geistiges benötigt."
 
"Wer sich bewusst ist, dass er Geistiges benötigt, fühlt sich gedrängt, täglich in der Bibel zu lesen, die „zur rechten Zeit“ vom „treuen und verständigen Sklaven“ ausgeteilte geistige Speise in sich aufzunehmen und regelmäßig die Zusammenkünfte zu besuchen."
 
 
 
 
Man muss sagen, dass man hier noch sehr (sehr) viele Beispiele bringen könnte, wo bei den Anhängern die „richtigen Knöpfe gedrückt“ (im Sinne des „Sklaven“) werden, welche dann mit den Glaubensinhalten verwoben und weiter festgefahren werden.
Die Häufigkeit dieser Anwendung ist immens und erfolgt regelmäßig.
 
Wenn man überlegt, werden die Art und Weise, wann und wofür man welche Emotion erleben darf, durch die Vorgaben, welche während der Indoktrinierung und der Zeit danach übertragen werden, suggestiv ausgelöst.
 
Diese Emotionen, verwoben mit „Glaubensinhalten“, wenn diese einmal übernommen wurden, tragen dann selbstredend mit dazu bei das jemand ein ZJ werden will.
Denn es sind diese besagten 70-80% unserer Gefühlsebene, welche zu diesen Entscheidungen im wesentlichen beitragen - gar nicht mal das „Wissen“ aus den Glaubensinhalten.
 
Von daher wird man kein sachliches Bibelstudienhilfsmittel vorfinden, weil man kein Interesse hegt lediglich Wissen zu vermitteln.
 
Im Vordergrund steht die emotionale Vereinnahmung.
Denn wenn nicht, dann würde man eben auch nicht so vorgehen.
Wenn der ZJ versuchen soll das „Herz zu erreichen“ um jemanden zu verändern, dann will der „Sklave“ dies schon lange.