6.4. Funktionsweise des Milton Modells

 
 
6.4. Funktionsweise des Milton Modells
 
 
Um das Milton Modell zu verstehen, muss ich erst verdeutlichen was man unter einen „Bruch in der Sprache“ versteht.
Einen solchen Bruch findet man fast alltäglich.
Die Pointe eines Witzes resultiert z.B. auf der Tatsache, das etwas unbenanntes mit der Phantasie des Empfängers ergänzt wird, ohne das er es sich dessen bewusst ist.
 
„Treffen sich zwei Jäger – beide tot.“
 
Dieses einfache Beispiel zeigt auf, das, ohne das der Leser sich dessen gewahr ist, er den Sinn dieser Aussage vervollständigt hat, ohne das dazu eine Aufgabe gestellt wurde, diesen Sinn überhaupt erst zu ergründen.
Auch alltägliche Aussagen, welche unpräzise Formulierungen enthalten, werden meist in der Regel dennoch vom Empfänger so aufgefasst, wie es im Sinne des Senders gemeint war.
 
Das liegt an dem in unserem Unterbewusstsein verankerten Mechanismus, welcher da lautet:
Die Sinnfrage.
Oder:
Wo liegt der Sinn?
 
Der Mensch besitzt einen immer in sich agierenden Mechanismus, welcher ständig dem Grundbedürfnis nach einem Sinn nachgeht.
 
Ohne diesem natürlichen Mechanismus der Sinnfrage müsste unsere Sprache im alltäglichen Gebrauch äußerst präzise sein, da wir es ansonsten sehr schwer hätten zu verstehen, was unser Mitmensch eigentlich meint, oder von uns will.
Alltägliches Beispiel:
Wenn jemand sagt „ich koche Nudeln“, dann ist dies ein Bruch in der Sprache, weil es eine nicht zutreffende Aussage ist.
Denn nicht ich koche die Nudeln, sondern die Nudeln werden im kochenden Wasser gegart, während ich diesen Vorgang bestenfalls initiiert habe.
Dennoch erkennt man in der Regel den Sinn einer Aussage, gerade weil in uns dieser immer aktive Mechanismus agiert und funktioniert.
 
Ein Bruch in der Sprache ist somit an sich eine unpräzise Wortformulierung.
Der Mensch in seiner Sinnfrage ergänzt eine solche Aussage unbewusst, so lange, bis sie für ihn einen Sinn ergibt.
Der Mensch liest nicht nur zwischen den Zeilen, sondern er „hört“ auch das ungesagte.
 
In der Psychotherapie wird dieses Wissen eingesetzt, das z.B. in einer Gesprächstherapie darauf wert gelegt wird, das der Klient es lernt sich präzise zu äußern.
Dies hat die Bewandtnis den emotionalen Zustand mit dem eigenen Bewusstsein besser bewerten zu lassen (ins Bewusstsein zu rücken – raus aus der emotionalen
Ebene), was zu weiteren Schritten raus aus einem negativ emotionalen Zustand wichtig wäre.
 
Doch kombiniert man das Wissen aus der alltäglichen gebrochene Sprache mit dem Wissen das im Menschen ein Mechanismus der innen wohnenden Sinnfrage existiert, kann man ganz gezielt auch etwas „zwischen den Zeilen“ verstecken, um beim Empfänger den Sinn suchen zu lassen, den man auch nur will, das man ihn sucht - immerhin hat man ihn bewusst so verstekt, das man ihn erst aufgrund der Sinnsuche findet.
 
Das funktioniert nicht nur bei einem Witz, das man beim Empfänger ein Bild, welches von dessen eigenen Unterbewusstsein erzeugt wurde, ins Bewusstsein legt.
Ich nehme mal ein anderes Beispiel für einen Bruch in der Sprache:
 
„Ein Mann muss zum Fäden ziehen“.
 
An sich ein wortwörtlich sinnloser Satz, mit „schwammiger Aussage“.
Man könnte sich sogar vorstellen, das irgendwer einen Teppich auseinander nimmt, während irgendwo irgendeiner operiert wurde, was jedoch keinen Sinn ergeben würde und schon gar nicht dort steht.
 
Jedoch haben wir schon längst eine „Lösung parat“, indem wir unbewusst diesem Satz eine sinnvolle Bedeutung beigemessen haben, weil unser Unterbewusstsein automatisch auf bekannte Muster oder vielleicht sogar auf eine selbst erlebte Situationen zurückgriff.
Dies, obwohl wesentliche Informationen nicht im Satz vorhanden sind (Wurde wer operiert? Was für Fäden? Wer zieht welche Fäden? Ist es der Mann der vielleicht operiert wurde? Usw.).
Der erste Gedanke, welchen der Leser sich daher selber ergänzt hat ist vielleicht:
 
„Ein Mann muss nach einer Operation zum „Fäden ziehen“, weil seine Narbe verheilt ist.“.
 
Oder: „Ein Mann muss nach einer Operation zum „Fäden ziehen“, weil das sein Beruf ist.
 
Noch anderen mag dann noch ein Krankenhaus durch den Kopf gegangen sein, genauso wie fast jeder diesen Mann mit der OP in Verbindung bringen würde, weil das ganz einfach mit in das sinnvolle Bild passen würde.
Doch von dem steht da auch nichts.
Der Leser nehme mit:
 
Unser Unterbewusstsein (UB) macht das alles ganz von alleine.
 
Das Beispiel sollte zeigen, das, obwohl Informationen fehlen, unser UB diese Informationslücken sinnvoll auszugleichen sucht.
Der Sinnfrage nachzugehen macht jeder Mensch, seid dem Zeitpunkt wie er gelernt hat mit einer Sprache mit sich selber zu kommunizieren.
Es ist seid der Geburt eines Menschen Teil des natürlichen Lernprozesses, einen Sinn in den Dingen zu suchen, die er sieht und hört.
 
Ohne diesen Mechanismus wäre keine Sprache möglich, weil Wörtern kein Sinn hinzuadiert werden würde.
 
Wenn wir lesen gelernt haben, wird der Sinn eines Satzes gesucht bis er verstanden wird.
 
Genauso kann ein Autor nun einen Satz so formulieren, dass man das Unterbewusstsein des Lesers dazu zwingt ein Bild zu konstruieren, so
dass die unbewusst vollzogene Vervollständigung eine Nachricht übermittelt, die so nicht auf der bewussten Informationsebene vermittelt wurde.
 
Gewählt wird hier nun ein Beispiel, wo die meisten Leser sich bereits selber eine Meinung besitzen, um den Unterschied zu bemerken, wie
genau der Leser etwas zwischen den Zeilen hinein deutet.
Wo eine eigene Meinung vorherrscht, dann wird diese genen die suggerierte Meinung antreten.
Die bereits vorhandene Meinung setzt sich durch:
 
„Vielen ist es egal ob Kinder zur Schule gehen - was wichtig ist lernt man auch auf der Straße.“
 
Auch hier fehlen wesentliche Informationen (Wer ist „viele“? Was lernt man als Kind denn auf der Straße? usw.), so das dieser Satz keinen wortwörtlichen Sinn ergibt – doch der unbezeichnete Sinn wurde selbst erstellt, welcher dann unweigerlich mit der vorhandenen Meinung kollidiert.
Die ungeschriebene Meinung, welche die Regeln des rauen Lebens auf der Straße befürworten würde, wurde aufgrund der bereits vorhandenen Muster und der damit verbundenen Meinung (Wissen + emotionale Bewertung) des Lesers erkannt, obwohl es dort nicht so steht.
 
Klar ist, dass bei jedem Leser der die Vorteile des Bildungswesens kennengelernt hat, hier die Alarmglocken hochgehen - war ja auch so
gedacht.
Es sollte verdeutlichen das eine bereits vorhandene Meinung ganz von alleine Aussagen zu bewerten weiß – auch wenn der Satz an sich keinen wortwörtlichen Sinn ergibt, weil eine Tilgung vorgenommen wurde.
 
Der Sinn findet auf einer anderen Bewusstseinsebene statt, der Vernunft-Ebene an die der Appell erzeugt wurde, weil es vom UB genau so vervollständigt wurde, wie ich es mit dieser Tilgung aus dem Beispiel erreichen wollte.
 
 
Wissen, und damit verbunden eine eigens erworbene Meinung, ist daher immer ein Schutz.
 
Der Leser hat das, was an sich in der wortwörtlichen Aussage keinen Sinn ergeben würde, durch sein Milieu-Wissen und Denken vervollständigt und selbstverständlich würden bei solchen Aussagen dementsprechend die Dementis durch ragen.
 
Doch wie erreicht man eine andere Ebene des Menschseins?
Wo jemand jetzt nun keine eigene Meinung gebildet hat, kann eine selbst generierte Satzergänzung auch zur Bildung einer erworbenen
Fremdmeinung führen, ganz im Sinne des Suggerierenden.
Das Ziel:
Es gilt die noch nicht selbst erstellte Meinung vorwegzunehmen, was vor allem die emotionale Bewertung betrifft.
Beispiel wie man als Verkäufer jemanden zum Musikunterricht überreden könnte:
 
„Viele Leute die meinen alleine Gitarre lernen zu können, lassen es lieber weil sich das so schief anhört“.
 
Ein Satz, der an sich keinen chronologisch korrekten Sinn ergibt – aber dennoch einen Zweck verfolgt:
Nach außen erweckt die Aussage den Anschein, als wenn man sich auf eine möglich existente Gruppierung beruft, welche es nicht möchte alleine Gitarre spielen zu lernen.
Doch auch hier ein Appell an das innere Bild des zu Beeinflussenden, welches da nicht aufgeschrieben steht, aber in der Phantasie unfreiwillig erstellt wurde -> Der Mensch der es versucht saubere Töne mit der Gitarre zu erzeugen und dabei kläglich versagt (ich persönlich habe mir das Gitarre spielen zu 99% selber beigebracht) … die Information also, die nicht genannt wurde, wurde aber vom UB erkannt, aber auch nur weil gewollt wurde das nur diese erkannt wird und ein Gefühl hinterlässt, was die vorgegebene und übertragende Bewertung übernehmen lässt.
 
Es ist so, das der Mensch nun mal in seinen Entscheidungen zum großen Teil mit von seinen eigenen Emotionen beeinflusst wird – selbst
dann, wenn diese Emotionen von jemand Fremden gezielt erzeugt wurden.
 
Da die Emotion jedoch persönlich durchlebt wird, unterliegt man der Illusion einer eigenen Meinung, der Illusion, etwas selber emotional
bewertet zu haben.
Das hierbei jedoch nur das an emotionaler Bewertung übernommen wurde, was gezielt von jemand Fremden auch nur initiiert wurde („jemand hat mir das Gefühl gegeben“), wird man dann kaum merken.
 
Wie denn auch? 
Das bewusste Denken, die Ratio, wurde ja auch umgangen – ganz im Sinne einer Suggestion.
 
Ein Fazit:
Ich möchte festhalten das mit dem Wissen um den „Bruch der Sprache“ (schwammige und unpräzise Formulierungen) und dem Wissen über die ständig aktive Sinnfrage im Unterbewusstsein (UB) des Menschen, nun Aussagen gebildet werden können, um eine emotionale
Meinung zu übertragen.
 
Im wesentlichen agiert das Milton Modell auf diese beiden Grundpfeiler.
Weitere Einzelheiten möchte ich wie versprochen direkt am Milton-Modell erklären, indem ich auf einige Techniken eingehe.