6.3. Suggestion durch Sprache – das „Milton Modell“
 
 
Der Begriff Suggestion wurde im 17./18. Jahrhundert eingeführt und ist  von der Hypnose zu unterscheiden.
Hypnose dient der Suggestion, jedoch geht nicht jeder Suggestion eine Hypnose voraus.
Das Hypnotisieren ist an sich nur der Vorgang, wenn man jemanden in Trance versetzt – dabei können dann zusätzlich Suggestionen ausgelöst werden.
Diese sind aber generell ohne Hypnose möglich.
 
So kann ich hier z.B. wieder sagen, dass der Mensch durch die verschiedensten Werbeformen geradezu von Beeinflussungsversuchen bombardiert wird, in dem die unterschiedlichsten Zielgruppen in ihren Wünschen und unbewussten Neigungen angesprochen werden, um sie zu einem Kauf oder gar zu einer Kundenbindung zu überreden.
Suggestionen finden aber auch in der „Neurolinguistischen Prägung“ (NLP) Anwendung, mit der das Sprachverhalten eines Menschen so umstrukturiert werden soll, das er sich selber positiv beeinflusst, oder seine eigenen Probleme besser zu konkretisieren weiß.
Aber auch in allgemeinen Psychotherapien baut man auf die Wirkung der Sprache, genauso wie im Vorgang eines Verkaufsgespräches.
Verwerflich ist m.E. eine solche nur dann, wenn diese nicht als offensichtliche Werbeform, ohne dem Wissen des zu Beeinflussenden eingesetzt wird.
Ich kann hier so viele Techniken wie möglich anführen, ohne Sorge das jemand sie missbrauchen können wird – denn ohne entsprechender Schulung, Sprachgefühl, Beratung und Training, wie man persönlich und individuell vorgeht (egal ob man eine breite Masse oder eine Einzelperson zu manipulieren sucht) werden die hier angeführten Techniken nur ein Bruchteil dessen sein, was zur Praxis nötig sein wird.
Die Informationen die ich hier liefere dienen allein dem Erkennen von suggestiven Sprachmustern, jedoch nicht der persönlichen Nachahmung.
Suggestionen einzusetzen sind nicht verboten.
In der Werbung, wenn man sie als solches definieren kann, ist genauso legitim wie in einer Therapiesitzung, wo der Patient weiß was und wie man versucht ihn zu behandeln.
Auch sind diverse Sprachmuster gern verwendete Möglichkeiten um einen Leser zu fesseln oder einen Zuhörer bei einem Vortrag (oder Predigt) – solange hier keine Übertragungen vorgenommen werden, welche selber durchlebt werden sollten, ist das auch völlig unproblematisch.
 
Was anderes ist jedoch das Heimbibelstudium der Zeugen Jehovas, wo weder der „Studierende“ (der Empfänger der Suggestionen, der Beeinflusste) noch der Sender der Suggestionen (der Beeinflussende) über die mögliche manipulative Wirkung der Sprache aus der Wachtturmliteratur Bescheid wissen.
 
 
 
 
Die Frage die man sich stellen sollte lautet daher, ob es legitim ist, wenn Menschen ohne ihr Wissen einer Reihe von verschiedenen suggestiven Sprachmustern ausgesetzt sind und aufgrund der Vertrauensbasis unwissend auf sich einwirken lassen.
 
 
Dies vollzieht ein ZJ durch das Lesen, „Studieren“ oder Betrachten der Literatur, deren Autor(en) sich „treuer Sklave“ nennt.
 
Dieser greift m.E. bewusst auf die bekannten Suggestionstechniken zurück (die Schreiber der WT-Artikel wollen übrigens unbenannt bleiben - offizieller Grund: „Gott gehört die Ehre“) und damit seine Ansichten und Forderungen auf die Gruppierung überträgt.
Tatsächlich hat diese „schwammige“ (im Sinne von „unspezifisch“) Ausdrucksweise, welche all zu „typisch“ für die WT-Sprache geworden ist, eine bestimmte Bewandtnis, was im Laufe dieses Kapitels genau erklärt wird, wieso man so vorgeht und was innerhalb des Unterbewusstseins (UB) ausgelöst werden soll.
Bestimmte Wortformulierungen finden natürlich auch in unserem alltäglichen Sprachgebrauch ihre Verwendung – auch im Alltag versucht der Mensch sich gegenseitig zu beeinflussen, was unter den natürlich gegebenen Möglichkeiten auch legitim ist – aber auch unbewusst, oder eher zufällig, können suggestive Wortformulierungen geäußert werden.
Seltener begegne ich Leuten, die eine natürliche Begabung vorweisen können, Sprache suggestiv einzusetzen, ohne zu wissen, wieso diese oder jene Wortformulierung das Unterbewusstsein seines Gegenüber erreicht – dies aus Erfahrung und Beobachtung, sowie Rückschlüssen aus unterschiedlichen Beobachtungen.
Am häufigsten begegne ich diesen Sprachmustern bei ehemaligen ZJ, welche selber u.U. Jahrzehntelang dieser Sprache ausgesetzt waren, und diese suggestiven Fragmente mit in die eigene Sprache übernommen haben.
Aber auch die Werbesprache verhilft mit zur Übernahme solcher Wortformulierungen, die man normalerweise nicht benutzen würde.
Jedoch ist es etwas ganz anderes, wenn diese Sprachmuster mit einer sehr hohen Aufkommensrate eingesetzt werden, wie eben in der Wachtturmliteratur, das man den unbewussten oder zufälligen Einsatz ausschließen kann.
Denn ich muss schon sagen, das aufgrund der Häufigkeit wie diese Methoden bewusst angewendet werden, man nicht mehr von einen Zufall sprechen kann – eher vom Gegenteil eines Zufalls.
Methoden, denen der Unwissende ungeschützt ausgesetzt ist...
Milton Erikson
 
 
Neben vielen anderen Suggestionsexperten, möchte ich vordergründig Milton Erickson erwähnen.
Gerade in den Bereich der Psychotherapie hat er entgegen der allgemeinen bei den von Sigmund Freud geprägten Ansichten, den Einsatz von Hypnose und Suggestionstechniken wieder
salonfähig gemacht.
Die suggestiv positive Wirkung der Sprache hatte er während einem Anfall von Kinderlähmung entdeckt, welche sein Leben verändern sollte, wo er die autosuggestive Wirkung bestimmter Wortmuster am eigenen Leib erfuhr und mit derer Hilfe er sich vom einen aussichtslosen Endstadium der Krankheit, bis zu einem leichten Humpeln wieder erholte.
Seine Spezialität, oder das was seine Methode so besonders machte, war einmal seine persönliche Art individuell auf einen Klienten einzugehen, aber auch die Möglichkeiten des Einsatzes seiner
verwendeten Sprachmuster („Milton Modells“) welche in anderen Bereichen, wie Verkauf, Werbung und NLP, je nach Anwendung, ihren Einsatz gefunden hat.
 
Das „Milton Modell“ ist, m.E. zumindest, im Wesentlichen die Methode, mit der sich die gesamten „schwammigen“ Sprachmuster in der Wachtturmliteratur erklären lassen, was für diese Zeitschrift so typisch ist und was ich als die „Manipulation durch Sprache“ bezeichne.
Auch wenn ich aus der Ferne nicht nachweisen kann, das jemand aus dem Schreibkomitee des „Sklaven“ eine mehrmonatige Schulung in NLP durchgeführt hat, oder sich zumindest sehr eingehend mit dem „Milton Modell“ beschäftigt, so darf ich diese Sprachmuster dennoch miteinander vergleichen.
Was ich hier vollziehe ist also ein direkter Vergleich der Anwendungsmöglichkeiten des „Milton Modells“ und der Sprache, wie sie in der WT-Literatur vorzufinden ist.
Ich erkläre eine Methode aus dem Milton Modell und zeige Beispiele auf, wo der Leser selber den Rückschluss treffen darf, ob hier die Sprache aus der WT-Literatur spezifisch und definierend eingesetzt wird, oder ob hier die Zitate eher einen Bruch an unserem allgemein verständlichen Sprachmodell darstellen.
Wo es erforderlich ist, weite ich die Erklärungen weiter aus.
Z.B. sollte ich vorher andeuten, dass jeder, der vorhat Sprache suggestiv einzusetzen, das er diese seinem Selbstzweck anpassen kann – mit entsprechender Schulung.
Unsere Sprache ist flexibel genug, um suggestive Auslöser nicht nur in der Werbung, sondern auch in religiöser Literatur unterzubringen.
 
siehe auch:
 
 
 
(Probleme beim Link? Bitte mailen: boasb@aol.com)
 
Weiterführende Literatur zum „Milton Modell“:
 
Walker, Wolfgang: Abenteuer Kommunikation - Bateson, Perls, Satir, Erickson und die Anfänge des Neurolinguistischen Programmierens (1996) Verlag: Klett-Cotta.