6.15. Suggestivfragen
 
 
Nicht im Bestand des Milton Modells, aber genauso beeinflussend in ihrer Wirkung sind Suggestivfragen.
Mit einer Suggestivfrage (SF) soll der Befragte beeinflusst werden.
Dies durch das befragen an sich.
 
Man kann eine SF dazu nutzen, um einen Zirkelschluss zu starten, eine unbelegte Kausalitätskette zu initiieren, oder um etwas zu behaupten was möglichst nicht hinterfragt werden soll.
 
SF unterscheiden sich nochmals von dem „Frage- und Antwort- Spiel“, was auf der nächsten Seite betrachtet wird, was den eigentlichen Ablauf des „Bibelstudiums“ ausmacht.
In solchen wird nicht nach der Meinung gefragt, sondern durch diese wird der Gefragte aufgrund der Frageform gefordert, die vorweggenommenen Meinungen und Ansichten aus solchen Fragen anzunehmen, um diese durch seine Antwort als eine „eigene Meinung“ zu verankern.
Beispiele:
 
„Wieso kann man sagen, dass das Essen nicht schmeckt?“
„Warum sollte man dieses Essen, was nicht schmeckt, besser sein lassen?“
„Warum sagen viele Menschen, obwohl das Essen nicht schmeckt, das es dennoch schmeckt?“
 
Das ZJ jemanden verändern möchten, um das „ewige Leben“ eines Menschen zu retten, ist selbst bei denen keine Frage mehr – es ist gewünscht, das Menschen sich „zum Guten“ verändern, damit dies „Harmagedon“ überleben lässt.
 
Nur das es so etwas wie SF überhaupt gibt, ist ihm eher unbekannt – auch hier befolgt ein ZJ nur den Anweisungen des „Sklaven“.
Einen ZJ (Pionier und Ältesten) und ehemaligen guten Freund den ich auf diese Methoden aufmerksam gemacht hatte, meinte dann sagen zu
dürfen, dass „der Zweck ja die Mittel heilige“.
 
Ähnlich reagierte er bei jeder weiteren Technik auf die ich ihm aufmerksam gemacht hatte.
Im Strafgesetz ist es jedoch so, das Zeugenaussagen aufgrund von SF vor einem Gericht nicht zugelassen werden, aufgrund der manipulativen Art und Weise wie etwas übertragen wurde.
Wieso?
Weil ein Gericht Wert darauf legt, eine unvoreingenommene Aussage zu erhalten.
Wie mag das bei Gott sein?
Ob es ihn wohl interessiert, wie man zu einer Meinung gekommen ist...?
 
 
Eine SF nimmt also eine Meinung vorweg.
Verwendet die LK, „der Sklave“, in ihrer Literatur überhaupt solche Fragen?
Einige wurden schon zu anderen Zweck zitiert, ohne das ich diesen Aspekt der SF angesprochen hatte.
Hier welche aus dem ersten Kapitel des Buches „Was lehrt die Bibel wirklich?“, mit einer Erklärung, wieso diese Fragen eine Meinung
(Ansicht + Emotion) vorwegnehmen:
 
Frage: „Warum sind viele der Meinung, das Leid der Menschen sei Gott gleichgültig?“
 
Anm.: Man sollte da erst mal die Frage klären, ob es überhaupt solche Menschen gibt die diese Meinung vertreten (wer ist „viele“?) und wieso
– hier wird es vorweggenommen um diese Diskussion zu übergehen.
 
Frage: „Wie haben Geistliche viele zu dem Gedanken verleitet, Gott sei gefühllos?“
 
Anm.: Durch die Fragestellung soll die Meinung übertragen werden, als wenn Geistliche so planlos vorgehen würden – auf diese unbelegte
(negative) Meinung wird jedoch weiter postulierend aufgebaut.
Zwar wird die Antwort in dem dazugehörigen Abschnitt mitgeliefert, aber dennoch trägt die SF dazu bei, diesen Gedanken zu übernehmen, eine negative Bewertung von Geistlichen.
 
Frage: „Warum täte man Gott unrecht, wenn man ihn dafür kritisieren würde, dass er die Menschen nicht davon abgehalten hat, einen falschen Weg einzuschlagen?“
 
Anm.: Durch die Fragestellung wird behauptet, das es eine Kritik an Gott wäre und somit „unrecht“, nur indem man sich die Frage stellen würde wieso Gott die Menschen gewähren lässt „einen falschen Weg“ einzuschlagen.
Immerhin ist es ja so.
Dabei wäre das keine Kritik, sondern eine sachliche Feststellung auf der eine Diskussion aufgebaut werden könnte.
Doch auch diese Diskussionen soll jedoch vermieden werden.
Auch wenn diese während des HB „erlaubt“ sind, können die meisten Diskussionen durch die Übernahme aufgrund einer Vorwegnahme umgangen werden.
 
Fragen: „Wie empfindet Gott Unrecht allgemein?“ + „Wie empfindet Gott, wenn wir als Einzelne leiden müssen?“
 
Anm.: Man erhebt den Anspruch zu wissen, wie Gott empfindet – so, als ob man sich in Gott hineinversetzen könnte.
Beantwortet man diese Frage wie gewünscht, hat man diese Denke übernommen.
 
Fragen: „Warum können wir uns darauf verlassen, dass Gott die Auswirkungen der Bosheit restlos beseitigen wird?“ + „Warum wird Gott auf jeden Fall etwas gegen die Probleme in der Welt unternehmen?“
 
Anm.:
„Auf Gott ist verlass...“ – Auch hier:
Besser wäre es einen Studierenden selber zu einer solchen Ansichten zu verhelfen, anstatt diese Bewertung durch eine Frage vorweg zu nehmen.
 
Frage: „Wie lautet Gottes Name, und warum sollten wir ihn gebrauchen?“
 
Anm.:
Diese Frage löst den Gedanken aus, dass man glaubt zu wissen wie Gottes Name lautet (das weiß heutzutage kein Mensch mehr) und das man diesen gebrauchen sollte – die Verwendung eines Ersatz- Gottesnamens soll vielmehr dazu beitragen das „Jehova“ zu einem weiteren internen Schlagwort geprägt werden soll, dem ebenso eine emotionale Verbindung übertragen werden soll.
 
Frage: „Welchen ersten Schritt können wir tun, um Gott näher zu kommen, und warum lohnt sich das?“
 
Anm.: Eine rationale Antwort wäre: „Mal sehen ob sich das lohnt, das weiß ich ja noch nicht.“
Besser wäre es, wenn man den Studierenden selber für sich erkennen lässt, ob sich das ganze überhaupt lohnt.
Hier wird die Selbsterfahrung „Gott näher zu kommen“ vorweg einer Bewertung unterzogen, die der Studierende eigentlich selber machen sollte.
 
Frage: „Welche Eigenschaften Gottes sind besonders ansprechend?“
 
Anm.: Die Möglichkeit selber zu ergründen, ob Gott „besonders ansprechende Eigenschaften“ besitzt soll hier vorweggenommen werden.
Nur weil etwas die „Bibel sagt“, muss der „Studierende“ es nicht selber so empfinden, aber dennoch wird es versucht durch die Frage vorwegzunehmen – denn es soll es als eine „eigene Ansicht“ übertragen werden.
Die Natur einer SF ist, das der Studierende die Gegebenheiten und die vorweggenommenen Bewertungen (vor allem die emotionalen) aus solchen Fragen erst selber für sich übernehmen muss, um die Fragen auch beantworten zu können.
 
Die Beantwortung der Frage verankert dann die übertragende emotionale Bewertung aus dieser.
Jede Frage und jede damit verbundene Antwort wurde im Sinne der LK durchdacht, in welcher Richtung sich der Studierende gedanklich und emotional bewegen soll.
Genauso die dazu passende Reihenfolge, wann und wie etwas vermittelt wird.
Dieses „Frage und Antwort Spiel“ wird im nächsten Kapitel noch genauer abgehandelt.
Im späteren Dasein als ein ZJ werden weiterhin SF’n auf ihn angewendet, wie z.B. im allwöchentlichen Wachtturmstudium in den Räumen der ZJ.
 
Wobei dann nicht jede Frage etwas vorwegnimmt - nicht jede der Fragen ist eine suggestive.
Dieses Vorgehen permanent umzusetzen würde dazu beitragen, dass Anhänger es irgendwann bemerken würden.
Es wäre ein Mammutprojekt, wenn nicht ein Lebenswerk, die gesamte Literatur der WTG nach allen SF zu durchsuchen und aufzulisten, die jemals in Schriftform den Mitgliedern mit auf dem Weg gegeben wurden...