6.13. Milton Modell - Weichmacher

 
 
6.13. „Milton Modell“ - „Weichmacher“
 
"Vielleicht denkst Du mal drüber nach was das für dich bedeuten könnte ..."
"Du musst dich nicht entspannen, um dich wohl und sicher zu fühlen..."
 
 
 
Es gilt seitens des „Sklaven“ den ZJ in seiner Beziehung zum „Interessierten“ zu unterstützen, während dieser für ihn die Indoktrinierung durchführt.
Der „Studierende“ soll emotional vereinnahmt werden und damit verwoben die Ansichten des „Sklaven“ übernehmen.
 
Das derzeit aktuelle HBSH setzt daran, dieses Vertrauensverhältnis auszunutzen und beizubehalten.
Einen Beitrag dazu leistet die bereits geschilderte allgemein gehaltene Sprache, welche an sich einen harmlosen Eindruck vermittelt, mit dem Anschein von „allgemein gültigen Aussagen“.
Auch zu Beginn des Buches wird der Eindruck erweckt, als wenn der Studierende zu nichts gezwungen wird.
 
Im Laufe dieser Seiten wurde bereits nach und nach aufgeschlüsselt, was es mit diesen allgemein gehaltenen Formulierungen, sowie Aussagen anderer Natur, in ihrer Wirkung auf den „Studierenden“ auf sich hat und an vielen Beispielen verdeutlicht.
Es gilt das Gefühl zu vermitteln, dass der „Studierende“ angeblich selber zu einer Ansicht gelangt sei.
 
Zusätzlich verfolgt man das Interesse, einen eventuell im Vorfeld aufkommenden „Widerstand“ aufzufangen, oder abzubauen, indem man als Autor den Leser und „Studierenden“ das Gefühl vermittelt, alles „freiwillig“ mitmachen zu können, so als ob die Gedanken eben nicht „aufgedrängt“ werden.
 
Stattdessen geht man „sanft“ oder eben „liebevoll“ vor um eine Ansicht dennoch zu übertragen.
 
Erreichen kann man dies, u.a., durch sogenannte „Weichmacher“, welche ebenfalls im Milton-Modell ihre Anwendungen finden.
 
 
„Du musst dich jetzt nicht entspannen um dich wohl und sicher zu fühlen...“
 
 
Diese Formulierungen sollen ebenfalls den Eindruck vermitteln, das man als „Studierender“ etwas nicht so sehen müsste wie es beschrieben wird, jedoch wird durch den weiteren Verlauf der Ausführungen dennoch dazu animiert, die vorgegebene Ansicht zu übernehmen oder zumindest zu durchdenken.
Auf diesen Vorgaben wird später sowieso weiter aufbaut, was den Vorteil bringt, das der Studierende auch erst später etwas übernehmen kann, falls er etwas nicht sofort annehmen kann.
 
Beispiel anhand einer „Veranschaulichung“:
 
 
„Man könnte das folgendermaßen veranschaulichen: Ein Geschäftsmann lässt von seiner Sekretärin einen Brief schreiben. Der Brief enthält die Gedanken und Anweisungen des Geschäftsmannes. Es ist also genau genommen sein Brief, nicht der Brief der Sekretärin. Ebenso stammt die Botschaft der Bibel nicht von den Männern, die sie niederschrieben, sondern von Gott. Deshalb kann man sagen, dass die gesamte Bibel in
Wirklichkeit „Gottes Wort“ ist (1. Thessalonicher 2:13).“ – S. 19.
 
 
... „könnte“, „kann man sagen“ - muss man aber nicht – obschon man es nicht muss, wird dennoch einfach fortgeführt und dennoch der Gedanke
übertragen, den man als Autor übertragen wollte, indem man postulierend weiter drauf aufbaut.
 
„Könnte“ (o.a. Weichmacher) erzeugt die Illusion, das Gefühl „eine Wahl“ zu haben, die letztlich doch nicht gegeben wird.
 
Denn nicht nur das wirklich Bibel-Kundige sich bei diesen Beispiel am Kopf fassen würden, was das Diktieren der Bibel aus dem Beispiel angeht, so ist es noch interessant wie hier wieder mit einer Verknüpfung argumentiert wird:
Man nehme etwas Beobachtbares aus dem Alltag und setzt es argumentativ als ein gleichwertiges Beispiel ein, obwohl das eine (Chef
diktiert Sekretärin) unmöglich als eine Erklärung für das andere (Gott inspiriert zum Schreiben der Bibel) herhalten kann.
 
Der zitierte Vergleich hinkt, wenn man nur mal an den Psalm 23 denkt:
 
 
Gott zu David: „David, ich will dir einen Psalmen diktieren.“
David: „OK mein Herr, ich bin bereit.“
Gott: „Gott ist mein Hirte Punkt – hast Du dass David?“
David: „Moment, „...ist mein Hirte.“ ja hab ich.“
Gott: „OK, weiter geht’s... ... Mir wird nichts mangeln Punkt“.
 
 
Andere Beispiele für „Weichmacher“, wo doch letztlich Ansichten übertragen werden oder zu Taten „ermuntert“ werden, den Taten, die ein ZJ letztlich doch als Pflicht ausführt oder als Ansicht zu übernehmen hat:
 
 
„Man könnte das Ganze anhand einer Backform veranschaulichen. Wenn eine Backform eine Beule hat, wie sehen dann die Kuchen aus, die man darin bäckt? Sie haben ebenfalls eine Beule. Auch die Menschen haben sozusagen eine „Beule“ oder einen Fehler, denn sie haben von Adam die Unvollkommenheit geerbt. Deswegen werden alle Menschen alt und sterben (Römer 3:23).“ – S. 29.
 
 
Sicht aus christlicher Lehre:
Das, was und vervollständigen würde, zumindest im christlichen Verständniss, wird hier gar nicht thematisiert:
Die Gottesbeziehung.
Diese ging verloren.
Das hat der Mensch geerbt - ein Leben ohne Gottesbeziehung.
Das ist das, was uns unvollkommen macht.
Durch Jesus wird diese persönliche Gottesbeziehung wieder hergestellt.
Ein ZJ bekommt dies gar nicht erst gelehrt.
 
 
 
Vielleicht sprichst du als Erstes mit Verwandten, Freunden, Nachbarn oder Arbeitskollegen taktvoll über die Wahrheit aus der Bibel.  Irgendwann wirst du dann den Wunsch haben, dich am organisierten Predigtwerk der Zeugen Jehovas zu beteiligen. Wenn das der Fall ist, kannst du es gern dem Zeugen Jehovas sagen, der mit dir die Bibel studiert.“ – S. 177.
 
 
„Bemühst du dich, ein besserer Verkündiger zu werden, vielleicht indem du mehr Zeit einsetzt oder versuchst, effektiver zu sein?“  – WT 15.01. 2010, S. 13.
 
 
Eventuell könntest du auch weniger wichtige Aktivitäten auf eine andere Zeit verlegen oder ganz darauf verzichten, um regelmäßig das Programm der Versammlung für den Predigtdienst zu unterstützen.“ – WT 15.07.2010, S. 18.
 
 
„Wie kannst du diesen Leitsatz umsetzen? Vielleicht, indem du dein Leben vereinfachst oder etwas von der Zeit, die du bisher mit Entspannung verbracht hast, in den Dienst investierst.“ – WT 15.10.2010, S. 13.
 
 
 
Ist schon so eine Sache – einerseits wird der Anschein des nur möglichen erweckt, des „vielleicht“, „eventuell“, oder „können“ – nicht müssen.
Ebenso wie die Tatsache der „Blutschuld“ in den Raum gestellt wird, das, wenn man nicht seine Möglichkeiten ausgeschöpft hat um „aufrichtige“ Leute zu ZJ zu machen, man wahrscheinlich das „ewige Leben“ verwirkt hat.
 
Kombiniert man diese beiden Faktoren, ergibt sich der zwanglose Zwang, wie er in der Doppelbindung bereits mit erwähnt wurde.
Hier an dieser Stelle hat es sich angeboten, diesen weiter auszubauen:
 
 
Ein Räuber könnte genauso mit einem lächelnden Gesicht bei seinem „Geschäftspartner“ (den, den er ausrauben will) ganz langsam die
Pistole ziehen und mit seiner Sprache eine gewisse Zwanglosigkeit suggerieren, während er zeitgleich genauso freundlich seinem Gegenüber eine Pistole auf die Brust setzt:
 
 
Könnten sie mir vielleicht freundlicherweise ihre Brieftasche geben?
Verstehen sie mich nicht falsch.
Sie müssen es nicht tun wenn sie nicht wollen.
Aber wenn Sie es nicht tun, werden sie nicht mehr lange Leben...“
 
 
ZJ müssen also nicht predigen.
Sie werden zu nichts gezwungen.
Jedoch haben sie ihr „ewiges Leben“ verwirkt wenn sie es nicht tun...