6.1. Suggestionstechniken vs. Vertrauen

 
 
6. Suggestionstechniken
 
 
Jesus aber sprach:
„Vater, vergib ihnen,
denn sie wissen nicht,
was sie tun.“
 
- Lukas 23:34 („NWÜ“)
 
 
6.1. „Vertrauen“
 
 
Bevor es um die Suggestionstechniken geht, noch mal was zum Thema „Vertrauen“.
Der Leser konnte hier schon den Weg der emotionalen Vereinnahmung kennen lernen und sei an dieser Stelle auch noch mal an die WT-Zitate erinnert, in denen angehalten wurde „das Herz zu erreichen“, oder „mit Liebe zu lehren“, was dann für einen ZJ auch einer der Momente ist, in denen er „Freude“ und ein „befriedigendes Gefühl“ haben darf.
Gerade in den Momenten wo man mit den Interessierten, den Studierenden gegenüber, Zeit verbringt, wird ein ZJ so richtig „aus sich heraus“ kommen.
 
„Javier hatte vor fast 20 Jahren die Wahl zwischen einer verheißungsvollen medizinischen Laufbahn und dem Vollzeitdienst. „Als Arzt zu arbeiten kann zwar sehr befriedigend sein“, sagt er, „aber nichts kommt an die Freude heran, die man verspürt, wenn man wie ich mehreren Personen helfen durfte, in die Wahrheit zu kommen. Der Vollzeitdienst hat es mir ermöglicht, mein Leben rundum zu genießen. Das Einzige, was ich bereue, ist, dass ich nicht früher damit angefangen habe.“ - WT 15.04.2008, S.24
 
Es kommt gar nicht mal auf die Anzahl dieser suggestiven und manipulativen Methoden an mit der ein Studierender konfrontiert wird, sondern auf die Permanenz und auf das „wie“ diese umgesetzt werden:
Liebevoll, das „Herz erwärmend“, verständnisvoll, geduldig usw. was dann mit dazu beiträgt, einen Menschen für eine Sache zu gewinnen.
 
Im letzten Kapitel war u.a. vom Werkzeug „Vertrauen“ die Rede, um einen Menschen für eine Sache zu gewinnen.
Von dieser unbewussten emotionalen Wirkung einer Vertrauens-vollen Kommunikation auf den ZJ und dem Interessierten während des Heimbibelstudiums, welche an sich vom Inhalt und Vorgang her von der LK vorgegeben wird, haben beide keine Ahnung.
Das Wesentliche findet hier auf der non.verbalen Ebene statt.
Es wird zwar nirgendwo auf dieses Werkzeug hingewiesen das man es einsetzen soll, aber es ist eine Tatsache, das ein „liebevolles“ Verhalten signalisiert, oder es zumindest implizieren soll, jemanden vertrauen zu können.
Diese Basis, zwischen einen Studierenden und dem ZJ, ist ein ungeschriebenes Ereignis, eine unbenannte Tatsache welche in keinem Wachtturm jemals angesprochen wurde, dass man diese Basis erst einmal aufzubauen hätte – es wird eher nur umschrieben.
 
Das Vertrauen an sich wird im Wesenskern eines Zeugen Jehovas anders verwendet.
Gemäß den Zielvorgaben der Indoktrinierung hat ein Wachtturmanhänger „Jehova“ und der „Organisation Gottes“ zu vertrauen – Vertrauen in (andersgläubige) Menschen ist dagegen etwas, was man sich abgewöhnen soll:
 
„Gott ist außerdem heilig... Deshalb können wir ihm völlig vertrauen. Das kann man von Menschen nicht sagen, da sie sich manchmal sehr zum Schlechten verändern.“ – „Was lehrt die Bibel wirklich?“, S. 11
 
 „Aber die Bibel warnt uns davor, Menschen zu verehren oder auf menschliche Organisationen zu vertrauen in der Erwartung, daß sie das verwirklichen, was nur Gott tun kann.“ – „Paradiesbuch“, S.214
 
Genau genommen soll ein ZJ dem „Sklaven“ vertrauen, welcher eigentlich genauso nur eine "menschliche Organisation" ist.
Gegen ein Vertrauen innerhalb der Bruderschaft ist da natürlich nichts einzuwenden - mit Ausnahme des bereits erwähnten „schlechten Umgangs“:
 
„Genießen wir nicht vielfältige Vorteile, weil wir Gerechtigkeit üben und deshalb eine Bruderschaft bilden, die sich durch echtes gegenseitiges Vertrauen auszeichnet?“ - (WT15.08.2003, S. 20).
 
Im Gegensatz zur allgemeinen Bedeutung von "Vertrauen", handelt es sich innerhalb dieser Gruppierung nicht mehr um eine natürliche Vertrauensbasis, welche menschlich nachvollziehbar wäre.
Denn dieses „gegenseitige Vertrauen“ der Anhänger untereinander, resultiert auf Grundlage der Konformität gegenüber ihrer Organisation.
Im vorigen Kapitel wurden diese Abhängigkeiten bereits besprochen, wann ein ZJ - im Sinne des „Sklaven“ - mit Gleichgesinnten freundschaftlich Kontakte pflegen darf.
 
Innerhalb dieser Bruderschaft jemanden zu vertrauen, sowie vielen weiteren Aspekten die man unter einem angenehmen sozialen Umganges einordnen würde, werden von den regelmäßigen Aktivitäten eines ZJ abhängig gemacht.
Einen „inaktiven“ ZJ, oder der, der zum „schlechten Umgang“ gehört, würde man demnach weniger, bzw. gar nicht ins persönliche Leben intrigieren, wenn nicht gar auf freundschaftliche Kontakte verzichten. Ich denke hier erkennt man sehr deutlich die Unterschiede zu wahren Freundschaften.
 
 
Das Vertrauen, was man in einen Zeugen Jehovas setzen mag, besitzt noch weitere Folgen, für den Interessierten:
Nicht nur, das der Studierende sich dem Zeugen Jehovas gegenüber im Vertrauen öffnet, während jener alles versucht um authentisch und liebevoll zu wirken.
Der ZJ schlüpft hierbei auch noch in die Rolle des„Wissenden“, was die „biblischen Lehren“ des „Sklaven“ betrifft, denen sich der Interessierte ebenso öffnen soll.
Der „Wissende“ wird wegen seines Fachwissens akzeptiert und respektiert und spiegelt dabei eine Autorität und Kompetenz wieder, die es leichter macht zu beeinflussen.
Etwa genauso wie man einen Fachverkäufer eher zutraut Wissen zu besitzen, als wie dem Verkaufsassistenten. 
 
Hinzu kommt der Wunsch eines jeden Menschens, sich bei jemand anderen vertrauensvoll fallenlassen zu können.
Den von Wünschen und Gefühlen gesteuerten Unterbewusstsein, welchem es in erster Linie um eine Gemeinschaft geht in der man sich wohl fühlen kann, geht es genau genommen gar nicht um diese Glaubenslehren an sich (man könnte mit der emotionalen Vereinnahmung so ziemlich jegliche Ideologie übertragen, was andere Gruppierungen ja auch vollziehen), sondern es geht um das Vertrauen des Studierenden, was er aufgrund seinen Neigungen und Wünschen/Bedürfnissen (auch die suggerierten Wünsche, wie das Paradies zu erleben) in den Zeugen Jehovas setzt, aber erweitert auch dem Vertraut, was er zu sagen hat.
 
Dieses Vertrauensgefühl, was er selber hat aufkommen lassen, wird ihn nun zu dieser Religion lotsen.
Denn Vertrauen ist nicht nur eine Basis zur „Zweisamkeit“, sondern ebenso eine Basis für die Annahme und Umsetzung von Informationen.
 
So auch für die Annahme von Glaubensinhalten – ohne diese Vertrautheit, würde dieses neue Wissen nicht angenommen werden, nicht zu einer eigenen Ansicht.
Diese Inhalte sind für die Menschen innerhalb dieser Gruppierung wiederum wichtig, weil sie mit implizierten Emotionen im „Herzen“ verknüpft wurden, so das man seine innere Sicherheit von diesen Glaubensinhalten abhängig gemacht bekam, ohne das man es vielleicht wollte.
Immerhin baut man ein „Glaubensgebäude“ am gesamten Menschen, egal ob man ihn als biologische Einheit oder als mehrdimensionales Wesen betrachtet.
Ich behaupte immer noch, das, wenn man einen Interesierten vorher gesagt hätte, das man vorhat seine innermenschlichen Vertauensbezüge und seine inneren emotionalen Sicherheiten allein von den Glaubensgebäude des "Sklaven" abhängig zu machen, dann wäre dieser wenigstens gewarnt gewesen.
 
Aber auch wenn das Emotionale nicht überbetont wird, zählt dennoch:
Beginnt man jemanden zu vertrauen, dann beginnt man ihm zu glauben – so soll auch der „Glaube an die Bibel“ und in Folge dessen vor allem in die „Organisation Jehovas“ und seinen „Sklaven“ übernommen werden.
Ebenso wie den Nachrichtensprecher vertraut wird, oder einen Fachverkäufer.
Übernommen wird etwas, weil unser „Bauch“ sagt, das der Mensch gegenüber „kompetent“ ist und wir ihm deswegen vertrauen können.
Auch wenn es nicht stimmt was er sagt, und man sich einen Bären aufbinden lässt.
 
Der gezielte Aufbau von Vertrauen wird m.E. innerhalb dieser Gruppierung u.a. deshalb nicht thematisiert, da der „Sklave“ dann auch darauf eingehen müsste, wieso zu 90% die Türen der Wohnungsinhaber wieder zugehen, wenn ZJ vorbeikommen um zu „predigen“.
Das wäre Stoff für ungewollte Rückschlüsse innerhalb der Gruppierung, die lieber damit leben sollen, das es eben nur „wenige sind, die gerettet werden“.
 
Es würde den einzelnen ZJ aber auch vor allen Dingen vor Augen halten, wie er selber "geködert" (in Anlehnung vom "Menschenfischen") wurde.
Es würde ihm vor Augen halten, das er aufgrund einer bewusst inszenierten Methodik auf emotionaler Bandbreite fremde Ansichten übernommen hatte, ohne sie jemals hinterfragt zu haben.
 
Das vor allem das „Bauchgefühl“ des Wohnungsinhabers dabei eine Rolle spielt, wird schon gar nicht thematisiert.
Hier muss angemerkt werden, das in keinem bisher erschienenen Wachtturm jemals betrachtet wurde, weshalb die Menschen zu 90% von den ZJ nichts wissen wollen.
Es wird zwar eine interne Propaganda betrieben(„kein Interesse“, „sind zur Wahrheit nicht richtig eingestellt“, „nur aufrichtige Menschen hören auf die Botschaft“ usw.), aber die tatsächlichen Gründe, weshalb die Menschen den ZJ im allgemeinen nicht vertrauen, das WIESO ein Vertrauen zu den ZJ wirklich fehlt, auf psychologischer Ebene oder aus einer kritischen Selbstbetrachtung heraus wird natürlich nicht thematisiert.
Wenn man diese Gründe eingehend beleuchten würde, würden viele Anhänger diese Gruppierung verlassen.
Es ist eine unausgesprochene Tatsache, welche nun mal existiert und funktioniert:
Das Vertrauen des Studierenden zum „Wissenden“ als Informant, wird nun auf die Lehrinhalte der WTG erweitert.
 
Wer dann weiß, und dieses Wissen besitzt die LK, das man Sympathien miteinander teilen (übertragen) kann, so können auch Antipathien miteinander geteilt werden.
Die Bibel wird hier mit zu einem gezielten Werkzeug, genauso wie das Heimbibelstudienhilfsmittel, das „Vertrauen“ und die „Liebe“ selbst.
All diese Werkzeuge führen zum Glauben eines ZJ und somit in die Kontrolle des „Sklaven“.
 
Nichts gegen die Bibel, die Liebe und ein Vertrauen an sich.
Ich habe nur etwas dagegen wenn man diese missbraucht, bzw. wenn eine Kirchenführung von ihren Mitgliedern verlangt, ohne deren Wissen, diese, als ein Mittel zum Zweck, manipulativ einzusetzen.
 
Der Zeuge Jehovas als „Wissender“ spielt hier die Funktion eines Ausführenden „Lehrers“, der aus seiner Sicht seinem Schüler vor allem die „Liebe zu Jehova“ vermitteln möchte, mit der Prämisse, nur als ZJ diese Liebe „richtig“ ausleben zu können.
Die Vermittlung der Glaubensinhalte selber erfolgt dann per Anweisungen, indem der ZJ einfach das Heimbibelstudienhilfsmittel (HBSH) zusammen mit seinem „Schützling“ durchgeht.
Der Studierende gewöhnt sich währenddessen dran, dass alles, jegliche Ansichten, Informationen mit den dazu geordneten Emotionen, vorgegeben werden.
Denn selbst die Informationen, um die sich seine Gedanken kreisen sollen, werden von dem Buch der WTG vorgegeben, genauso die vorgefassten Meinungen und die vorweggenommenen emotionalen Bewertungen, sowie die Grundhaltung wie dieses Wissen anzunehmen ist.
Ein Abschnitt wird gelesen, der ZJ stellt die vorgegebene Frage zu diesem Abschnitt und der „Studierende“ liefert die Antwort die vom Absatz vorgegeben wird - oder auf die vom Absatz manipulierend hingewiesen wird - fertig ist die Übernahme einer Ansicht oder eines „Lehrpunktes“ des „Sklaven“.
 
So einfach?
Während dieses „Studiums“, gibt es weitere fragwürdige Vorgehensweisen, welche hier und im nächsten im Kapitel angeführt werden sollen, welche aber auch die Frage beantworten, wie genau Wissen, Ansicht und Emotion auf den „Studierenden“ übertragen werden und warum diese beibehalten werden.
Wie genau die Sprache eingesetzt wird um Suggestionen auszulösen und wie dabei das Vertrauen des „Studierenden“ vom ZJ unwissentlich missbraucht wird, soll nun Gegenstand weiterer Betrachtungen sein.
 
Das anhand des derzeit aktuellen Heimbibelstudienhilfsmittel (HBSH) „Was lehrt die Bibel wirklich?“.
Wenn nicht weiter angeführt, beziehen sich sämtliche Zitate aus diesem „Werk“.