5.4. Psychologische Mechanismen vor und während des Heim-“Bibelstudiums“
 
(- wohin das „Herz“ dann treiben mag...)
 
 
Das „Bauchgefühl“ oder besser gesagt, dieses „innere Kämmerlein unseres Herzens“ trägt jetzt nun auch im Wesentlichen mit zu der Entscheidung bei, welchen Menschen man vertrauen möchte.
Da die Entscheidung des Vertrauens mit auf unserem „Bauch“ beruht, so wird die Wahl nach einer Religion entscheidend mit von dem beeinflusst, ob die Menschen denen man dort innerhalb dieser Religion repräsentativ begegnet, ein „vertrauen-erweckendes“ Gefühl vermitteln. Auch das weiß der "Sklave":
 
„Viele verlassen sich jedoch bei weit wichtigeren Entscheidungen auf ihre Intuition: bei der Wahl ihres Berufs, ihres Wohnorts, ihres Ehepartners oder sogar ihrer Religion.“ - „Erwachet!“ 22.03.1992, S.16.
 
 
Jeder Mensch sehnt sich nach Liebe und die lieben Zeugen Jehovas kommen da manchmal zur rechten Zeit, um dieses Loch zu füllen...
 
 
… dieser Satz wird gleich wiederholt – er hört sich zunächst harmlos an.
Hier eine kurze Einsicht aus welcher unbekannten Perspektive der ZJ mit einem Interessierten interagiert:
Ein ZJ möchte aus einer übernommenem Überzeugung heraus „liebevoll“ vorgehen, ohne zu wissen das er aufgrund von Suggestionen und Manipulationen „Ungläubige“ (was auch Andersgläubige mit einbezieht) im Sinne der LK zu überzeugen sucht, um diese zu einer Mitgliedschaft zu überreden.
Immerhin hängt von dieser ja das „ewige Leben“ ab, das vom zukünftigen ZJ, aber auch das eigene, das des ZJ.
Das dieser nun mit denselben Methoden anderen Menschen zu überzeugen sucht, wie er selber überzeugt wurde, macht ihn zu einem unbewussten Mittäter der im Sinne seiner LK agiert.
Genau diese Unwissenheit hat einen Vorteil, wenn man nun an das Bauchgefühl eines unbefangenen Menschen denkt:
Man könnte einen ZJ an einen Lügendetektor anschließen und ihn Fragen zu seiner Religion stellen.
Er würde, obwohl es alles ihm übertragende Ansichten sind, diese einmal als seine eigenen bezeichnen.
Dann aber auch würde man einem solchen keine Unwahrheiten anmerken, selbst mit gesunder Menschenkenntnis nicht.
Wie denn auch?
Denn dem sind die unbewusst wirkenden Prozesse seiner Tätigkeit, welche er nach Vorgabe, Schulung und Anleitung der LK durchführt, sowie die suggestiven Botschaften aus dem Medium „Literatur vom Sklaven“, ganz einfach nicht bewusst.
 
Von daher sendet er auch keine unbewussten Signale, die man als welche wie von einem Betrüger erwarten würde.
Der Leser erinnert sich vielleicht an eine Situation, wo er selber gemerkt hatte wie jemand versucht hatte ihn anzulügen – dieses Gefühl wird es gegenüber einem ZJ nicht geben.
Auch das mag ein Faktor sein, wieso manche Menschen dazu neigen einem ZJ zu vertrauen.
Sie senden eben keine unbewussten Signale eines vorsätzlichen Manipulators.
Sie wissen nicht, dass sie diese Arbeit, das Verändern von Menschen, für die LK durchführen.
Er glaubt er rettet den Menschen vor „Harmagedon“, oder er macht es für Gott, um den „Teufel zum Lügner zu stempeln“, um „Blutschuld von sich abzuwenden“... aber etwas anderes geht ihn dabei nicht durch den Kopf, wenn er daran geht einen Menschen zu verändern...
 
 
Jeder Mensch sehnt sich nach Liebe und die lieben Zeugen Jehovas kommen da manchmal zur rechten Zeit, um dieses Loch zu füllen...
 
 
... vor allem wenn bestimmte Menschen kein eigenes soziales Umfeld besitzen, oder dieses zu weit aus der Umwelt gerückt ist.
Erlebte Negationen können auch das Urteilsvermögen trügen, so dass es u.U. auch ein unbewusster Verzweiflungsakt ist sich mit ZJ auszutauschen, weil man, trauriger weise, von sonst niemanden Beachtung geschenkt bekommen hat.
Oder eine Trennung von Familie lässt jemanden dann nach Ersatz suchen, da die offenen Bahnen für die Gefühle auf eine Familie, oder einer Einzelpersonen, nun einen neuen und qualitativ ähnlichen Anschluss sucht – was man dann auch eine „Übertragung“ nennt.
Der verpflanzte Baum sucht sich einen neuen Raum für seine Wurzeln.
Und der „Boden“, auf den er trifft, nimmt Einfluss auf seine Zukunft.
 
Ideale Voraussetzungen, bzw. gute Ansatzpunkte für einen ZJ, welcher sich „liebevoll“ um die Rettung eines Menschen sorgt, indem er ihn als neuen ZJ-Anhänger wirbt.
Füge ich dieses „Liebesbedürfnis“ noch mal konkret mit dem „Bauchgefühl“ zusammen:
 
Gerade wenn es um die Frage nach den Personen geht, von denen man Liebe als Kraftquelle erwartet, spielt normalerweise das Bauchgefühl, die Intuition, bei der Wahl dieser Personen eine Rolle.
Unsere Gefühle mischen aber leider auch dann mit, wenn man sich in einer Phase befindet, in der man gewisse emotionale Zustände besser nicht als Entscheidungsgrundlagen mit einfließen lassen sollte.
Doch man kann diese ja nicht einfach ausschalten, sondern das Unterbewusstsein, mit ihrer aus unbewussten Bedürfnissen erzeugten Gefühlswelt, arbeitet immer, egal ob man gerade emotional stabil ist, oder aber eben auch nicht.
 
Nun ist es aber auch so, dass solches Wissen natürlich auch ausgenutzt werden kann.
Positiv, um jemanden zu helfen und um für jemanden da zu sein - man erkennt ein Liebesmanko und möchte für jemanden da sein, was ein ZJ dann auch geneigt ist auf seine Art umzusetzen.
 
Aber auch in Form des Missbrauchs kann dieses Wissen verwendet werden, wenn es sich nicht mehr allein um eine bedingungslose Liebe handelt - was ein ZJ wiederum nicht so ausdrücken würde, aber selber letztlich so ausleben muss.
 
Bild von Hamed Saber  -  Quelle: www.piqs.de
 
 
 
Das Wissen, um dieses Wechselspiel zwischen der Kraft der Liebe und unserem Bauchgefühl kann also definitiv verwendet werden.
Ein ZJ beginnt mit dem Umsetzen dieses Wissens, indem er sich die entsprechende Mühe gibt, seine „Liebe zum Mitmenschen“ dadurch zu zeigen, indem er den potentiellen Interessierten „liebevoll“ entgegen kommt, oder (und) diesem tatsächlich etwas „zu geben“ scheint, wobei er natürlich ans „Jüngermachen“ (ZJ-machen) zu denken hat:
 
 
„Wie steht es mit uns? Wir sind Nachfolger Christi und möchten ihn sowohl in unserem Dienst als auch in unserem Leben nachahmen (1. Pet. 2:21). Deshalb bemühen wir uns, nicht nur biblisches Wissen weiterzugeben, sondern auch Jehovas Eigenschaften widerzuspiegeln, vor allem seine Liebe. Ob wir viel wissen oder wenig, ob wir als Lehrer große Erfahrung haben oder nicht - die Liebe, die wir in unserem Dienst zeigen, wird wesentlich dazu beitragen, das Herz der Menschen zu erreichen. Um beim Jüngermachen wirklich etwas zu bewirken, müssen wir  also wie Jesus mit Liebe lehren.“ – WT 15.07.2009, S. 16.
 
 
Je nachdem was ein Mensch dann erlebt hat, wird diese persönlich erlebte Liebe erst zu einem unbewussten Grund, um überhaupt ein „Studium“ mit einem ZJ zu beginnen, sowie ihm persönliches Vertrauen zu schenken.
Unser Unterbewusstsein checkt zunächst ab, ob ein Mensch vertrauenswürdig ist, bevor die von ihm gegebene Freundlichkeit angenommen wird.
(Das zu 90% aller Fälle die Menschen von ZJ aufgrund von Desinteresse ablehnen - dies aufgrund einer bereits gebildeten Meinung durch andere Medien, oder aufgrund eines bereits vorhandenen Glaubens, oder wegen des Bauchgefühls was hochkommt wenn Fremde vor der Tür stehen - das sei hier nicht das Thema und ist dem Autor wohl bekannt.
Hier im Kapitel ist von der Zielgruppe die Rede, welche potenziell bei den ZJ mitmachen würde.)
 
Der zukünftige Studierende, derjenige der unbewusst „checkt“ ob sein Gegenüber, der ZJ, eine Quelle zum „Liebe tanken“ sein könnte, wird auf bewusster und emotionaler Ebene zum ersten mal von einem solchen geprägt – „liebevoll“, weil ZJ immer so vorgehen.
Die LK kann also davon ausgehen, dass zu dem Interessierten ein vertrautes Verhältnis aufgebaut wird, oder ein solches bereits existiert, wenn es dann zu diesem Studium gekommen ist.
Möglicherweise hat ein ZJ im Laufe von Wochen, Monaten oder Jahren diesen als guten Kontakt aufgebaut, bevor es zum eigentlichen „Heimbibelstudium“ kommt.
 
 
  „Eine Frau, die schon fünf Jahre lang unsere Zeitschriften und andere Veröffentlichungen erhalten hatte, war zu Tränen gerührt, als sie sich den Videofilm Jehovas Zeugen — Die Organisation, die hinter dem Namen steht ansah. Sie hatte Vertrauen zu den Zeugen Jehovas entwickelt, die sie besuchten, aber nach dem Videofilm hatte sie das Empfinden, auch der Organisation vertrauen zu können.“ – „Unser Königreichsdienst“ 04/2005, S. 8.
 
 
So wird das Vertrauen zu einem ZJ zu einem Werkzeug der LK, denn es ist die Voraussetzung um das Studium zu beginnen, sowie der Startschuss um das Vertrauensgefühl auf weitere Glaubensaspekte, sowie auf weiteren Organen dieser Organisation auszudehnen.
 
Das „Vertrauen“ beansprucht folgenden Platz im Puzzle:
Der Mensch neigt nun mal dazu, von den Menschen Bewertungen, Meinungen und Informationen zu übernehmen, denen er einmal sein Vertrauen geschenkt hat.
Vor allem dann, wenn die nötigen Informationen fehlen um sich selber ein umfassenderes Bild zu machen – u.U. werden dann andere Quellen als „Hetze“ gesehen, weil ein Interessierter glaubt einen ZJ persönlich zu kennen, aus „erster Hand“, und das das ja alles ganz anders ist.
Doch so einer übersieht das ein ZJ nur das verkaufen wird, was er laut Vorgabe zu „predigen“ hat.
Auch ist man sich nicht bewusst, das der ZJ selber auch nur einseitig informiert ist.
 
Die Freundlichkeit und Friedfertigkeit („liebevolles Verhalten“) eines ZJ löst dann genügend Vertrauen aus, um seine Werte zu übernehmen.
Diese übernommenen Ansichten beinhalten dann auch übertragende Sympathien oder Antipathien welche dann in der Regel genauso übernommen werden; aber wiederum auch nur dann, wen man sich selber zu einer Sache nicht eigene Meinung gebildet hat.
 
 
„Natürlich ist es sehr schwer, jemandem wirklich zu vertrauen, den man kaum kennt. Aber je besser man einen Menschen kennenlernt, desto besser kann man abschätzen, ob er ehrlich und vertrauenswürdig ist...“ – WT 01.03.2010, S. 5.
 
 
...was jedoch noch lange nicht auf seine religiöse Führung zutreffen muss.
 
Wer hier einwenden mag:
„Moment mal, der Studierende, oder der Interessierte bildet sich doch eine eigene Meinung“, dann ist das eine einseitige Betrachtungsweise.
 
Oben wurde ja schon erwähnt, dass der ZJ selber ja auch nur einseitig informiert ist, was im Kapitel 7 weiter ausgeführt wird.
Aber wenn man jemand Fremdes in seiner Meinung vertraut, dann aber diese fremde Meinung für sich übernimmt ohne Vergleiche oder Wissen für die Grundlage einer eigenen Meinung mit einzubeziehen, so ist das eine Fremdübernahme, aber keine eigene Meinung.
Beim „Bibelstudium“ übernimmt der „Studierende“ die Meinung des ZJ, seines „Mentors“.
Bei einer „Heterosuggestion“, der Fremdbeeinflussung, („Bibelstudium“) soll der zu Suggerierende („Studierende“) das Empfinden und Denken des Beeinflussenden (des „ZJ“/“Sklaven“) übernehmen – dies im Sinne der Indoktrinierung.
Will man dann einen Menschen dazu bringen sich gemäß den Ansprüchen der Gruppierung zu verändern, dass dieser sich anpasst, so muss dieser sich von den Repräsentanten der Gruppe positiv angenommen fühlen, oder:
Will man einen Menschen verändern, so liebt man ihn am besten – in Fachkreisen nennt man dies „Love-Bombing“ (mit „Liebe bombardieren“).
 
 
„Um beim Jüngermachen wirklich etwas zu bewirken, müssen wir also wie Jesus mit Liebe lehren.“ – WT 15.07.2009, S. 16.
 
 
Das gesamte Studium über wird dann diese „Liebe“ angewendet.
Ein„liebevoller“ Mensch signalisiert:
Hier ist jemand den man vertrauen kann.
 
Man kann einen „Pullover mit Liebe stricken“, doch die Liebe wird man später nicht sehen, da sie auf einer anderen Ebene stattfindet, aber in diesem Vorgang die eigentliche Hauptrolle spielt.
Genauso verhält es sich dann mit dem Glauben eines Zeugen Jehovas.
Ein Pullover kann Löcher oder Maschen aufweisen – „Irrlehren“ „noch und nöcher“ - der eine Ärmel mag breiter und kürzer sein als der andere – ein Mitglied bemerkt Widersprüche nicht als solche.
 
Es sind die positiven Emotionen die mit diesem Pullover verwoben wurde, die einem ZJ trotz vernünftiger Argumente an diesen „Pullover“ hängen lassen.
Die damit verwobenen Ängste und Zwänge werden an anderer Stelle betrachtet, aber sie tragen ebenfalls dazu bei, sich der Gruppierung „verpflichtet“ zu fühlen - denn ohne dem Pullover wäre einem ja kalt...
 
Später wird diese empfundene Liebe zu einem bewussten Hauptgrund des Beitrittes in diese Gruppierung.
Die „Wurzeln“ werden konkret gelegt.
Die Liebe fängt den Menschen.    
Es wird intern sogar als einer der möglichen Gründe benannt, weshalb jemand ein ZJ wurde:
 
 
„Was den Einzelnen davon überzeugt, dass Jehovas Zeugen die Wahrheit lehren, kann von Fall zu Fall ganz unterschiedlich sein. Für manche ist es ein Schlüsselerlebnis, den Namen Gottes in der Bibel zu lesen ... Andere wiederum sind vor allem von der Liebe unter Gottes Volk beeindruckt... Solche oder ähnliche Überlegungen haben bei vielen die erste Liebe zu Gott geweckt. Nimm dir doch die Zeit, dir in Erinnerung zu rufen, was dich persönlich von der Wahrheit überzeugt hat.“
- WT 15.06.2008, S.23-24.
 
 
Was vorher als ein Verspüren von Liebe eines ZJ zum Studierenden wahrgenommen wurde, wird später mit zu einem optionalen, wenn auch emotionalen, Hauptgrund sich der Gruppe anzuschließen. 
So wird das Vertrauen des Interessierten zum ZJ, zu einem Werkzeug der LK mit dem man „arbeiten“ kann.
Je weiter fortgeschritten der Zeitrahmen des Studiums, umso größer die Anpassung und Vorbereitung um sich nachher besser in die Gruppe einbinden zu können.
Dieser Anpassungsvorgang findet dann im Laufe des Studiums ebenso auf (mindestens) zwei Ebenen statt, die sich gegenseitigvbeeinflussen.
 
Erstmal ist da die optionale, die bewusste Entscheidung.
Es geht los mit einer „Betrachtung von biblischen Wahrheiten“, bis hin zur kompletten Übernahme am Ende der Indoktrinierung:
„Es ist die Wahrheit“ - es werden ebenso ideelle Gründe geliefert, eine Ansicht übertragen, wieso man sich dieser Gruppe anschließen „sollte“.
Diese Glaubensinhalte liefern eine Beschäftigung auf der bewussten Ebene, welche Informationen verarbeitet und das relativ logisch vorkommende Glaubensbild als den Hauptgrund illusioniert, welches einen ZJ „bewusst“ in dieser Religion zu halten scheint.    
Diese rein informativen Ansichten eines Zeugen Jehovas spielen aber natürlicherweise auch in der Wechselwirkung zwischen Bewusstsein und Unterbewusstsein eine Rolle, da ein Zeuge Jehovas seine Religion nicht einfach als eine pure Information gelehrt bekommen hat.
 
Denn die zweite Ebene der Anpassung ist die unbewusst übertragene, wo „Bauchgefühl“ und die Gefühle verändert wurden, denn die werden genauso geprägt wie eine Ansicht an sich geprägt wird, was mit zum wesentlicheren Anteil einer Entscheidungen beiträgt.    
Eine komplette Meinung bildet sich immer aus Informationen (Ansichten, Glaubensinhalte) sowie der dazu verbundenen Bewertung auf der Gefühlsebene, egal ob es sich um eine selbst gestaltete oder einer übertragenen handelt.