5.13. Doppelbindung

 
 
Weitere Einflüsse deren ein ZJ ausgesetzt ist, sind die vom „Sklaven“ auferlegten Doppelbindungen.
 
Im allgemeinen psychologischen Verständniss versteht man unter einer Doppelbindung eine vorhandene Verbindung, welche wiedersprüchliche Emotionen enthält, welche nicht so ohne weiteres gelöst werden können.
Z.B. eine Beziehung zu einem Elternteil, welche an sich vertrauensvoll sein sollte, welche aber aufgrund von Alkoholismus oder cholerischen Verhalten getrübt wird.     
Die Folgen wären ein dauerhaft angegriffenes Nervenkostüm, was sich unterschiedlich auswirken kann und sich immer weiter verschlechtert, solange man dieser Doppelbindung ausgesetzt ist.
 
Ein Leser dieser Homepage, zufällig ein NLP-Coach, hatte mir freundlicher Weise seine Master-Arbeit zu dieser Thematik zukommen lassen, welche ich derzeit dabei bin durch zu arbeiten.     
Diese Thematik wird also demnächst noch weiter ausgebaut, zumal besagter Leser speziell die ZJ-Thematik angeht, dies mit seiner Expertiese.
 
 
Doch zurück zum Thema.
Die Doppelbindungen werden bei den Anhängern der Zeugen Jehovas ganz bewusst erzeugt, zumal das, was ein Zeuge Jehovas glauen soll von seiner geistlichen Führung vorgegeben wird.
 
Das äussert sich darin, das ein ZJ sich an zwei widersprüchliche Lehr-Aussagen zu halten hat, weil er sich den Initiator beider Aussagen „verpflichtet“ fühlt.
Bindet man einen ZJ an zwei Aussagen die sich widersprechen, so bewirkt dies, das egal was dieser auch macht, er das Gefühl hat etwas falsch zu machen, falsch zu denken, oder aufhört über etwas nachzudenken.
Auch kann so ein erzeugte Unwohlsein aufgrund der erworbenen Selbstkritik ein schlechtes Gewissen initiiert – das schlechte Gewissen soll dann durch die vom Sklaven vorgeschriebene Taten wieder verdrängt werden.
 
Dieser erzeugte innerliche Stress wirkt sich auch psychosomatisch aus.
Depressionen, Alkoholismus und andere Nervenstörungen sind bei den ZJ keine Seltenheit.
 
Ein ZJ wird mit der „allgemein formulierten“ Sprache offiziell, aber auch nur dem Anschein nach, zu nichts gezwungen – das bewusst initiierende „Lesen zwischen den Zeilen“ jedoch führt zu den Rückschlüssen, die einen ZJ das Gefühl geben sollen doch „mehr“ zu tun, sich zu verpflichten oder sich zirkuläre Gedankengänge anzueignen, oder eben zwei widersprüchliche Aussagen annehmen.
Diese werden teilweise schon bei der Indoktrinierung übertragen, später dann weiter „dazugelernt“.
 
Die damit geschürten Gefühle des „Zweifels“ lassen dann einen ZJ sich nicht immer gut fühlen.
Solche bewusst geschürten Zweifel, auch wenn diese nicht offen gepredigt werden, sollen bewirken, das das Mitglied weiter an den Mechanismen teilnimmt, welche eigens dazu konstruiert wurden, damit die Durchführung der Interessen des „Sklaven“ (was als „Gottes Wille“ verkauft wird) das Mitglied sich „besser fühlen“ lassen.
 
 
 
Beispiel 1:
"Wir wissen nicht wie Gott heißt, aber der wahre Gott heißt „Jehova“."
 
1. Bindung: Gottes Name lautet „Jehova“.
2. Bindung: Gottes Name lautet nicht „Jehova“.
 
An beide Aussagen muss ein ZJ sich halten, verschleiert aber diesen Widerspruch durch fadenscheinige Erklärungsversuche, womit eine dieser beiden Aussagen außen vor gelassen werden soll.
Der Name „Jehova“ ist in den Augen der ZJ ein entscheidender Punkt, da die Verwendung des „wahren Gottesnamens“ ein Merkmal für die „Wahrheit“, der „wahren Anbetung“, sein soll.
 
Dabei wird im Anhang des HBSH  "Was lehrt die Bibel wirklich?" (S. 195) eigentlich erklärt, dass man sich dessen bewusst ist, das niemand den „wahren Gottesnamen“ kennt, weil niemand mehr weiß wie er ausgesprochen wurde:
 
 
„Aber warum wird er dann (red. Hinweis: „er“ = der Gottesname) in Bibelübersetzungen immer wieder weggelassen und durch Titel ersetzt? Dafür scheint es zwei Hauptgründe zu geben. Erstens wird oft gesagt, dass der Name Gottes nicht gebraucht werden soll, weil man heute nicht mehr weiß, wie er ursprünglich ausgesprochen wurde. Alt-hebräisch wurde ohne Vokale geschrieben. Deshalb ist man heute nicht sicher, wie die Menschen in biblischer Zeit JHWH aussprachen.“
 
 
 
 
Das „deshalb ist man heute nicht sicher,“ trifft es eigentlich ziemlich genau.
Dennoch wird darauf bestanden, als bestehendes Faktum dargestellt, dass Gott „Jehova“ heißt:
 
 
„In der Bibel steht aber auch, dass Gott einen Eigennamen hat: Jehova. In Psalm 83:18 heißt es: „Du, dessen Name Jehova ist, du allein, [bist] der Höchste . . . über die ganze Erde.“ In vielen Bibelausgaben ist dieser Name jedoch nicht zu finden. Warum das so ist, kann man im Anhang auf Seite 195 bis 197 nachlesen.“ – "Was lehrt dieBibel wirklich?" S.13.
 
 
Das Gott im AT mit 100%iger Sicherheit nicht „Jehova“ genannt wurde ist feststellbar, wenn man sich einmal mit der tatsächlichen Entstehung von dem Kunstwort „Jehova“ beschäftigt –> mehr dazu im Kapitel sieben, wo auch die tatsächlichen Gründe für das Fernbleiben von „Jehova“, aus den meisten Bibeln zumindest, benannt werden.
 
Fakt ist, dass ein Kunstname als der „echte“ Gottesname verwendet, verehrt und angebetet wird.
Ein ZJ lässt aber nicht zu, dass die mit diesem Namen verwobenen Emotionen und Wertvorstellung, das diese, obwohl es sich um ein Kunstwort handelt, relativiert werden.
Es wird ganz profan einfach nicht drüber gesprochen das der Name falsch ist, so dass man den Sinn dafür verliert, es eigentlich mit einem Ersatznamen zu tun zu haben.
 
Wer mit diesen Namen bestimmte Gefühle hat initiieren lassen, der empfindet künstlich erzeugte und damit subjektive erlebte Gefühle zwar als eine Realität, vergisst aber in dem Fall, das diese nicht aufgrund einer Tatsache entstanden sind, sondern auf einer unbegründeten Annahme sowie einem suggestiven Initiator dieser Emotionen.
Und Gefühle für einen Kunstnamen sind kein Beweis dafür, dass der Name echt ist, nur weil die Gefühle einem „echt“ vorkommen mögen.
Aber das versuchen Sie mal jemanden zu erklären, der emotional vereinnahmt wurde.
 
Mit Logik hat das nichts zu tun – schon gar nicht mit einer gut fundierten Erklärung.
Dennoch „dient“ man „Jehova“, obwohl man weiß, dass Gottes Name gar nicht so lautet – daher hier meine Eingliederung in die
Doppelbindung.
Genauso unlogisch mögen folgende Aussagen erscheinen:
 
 
Beispiel 2:
Gott und „seine Organisation“.
 
1. Bindung: Man ist „nur“ Jehova verpflichtet.
 
„Wenn wir uns Jehova hingeben und für ihn leben und nicht für irgendjemand oder irgendetwas anderes, werden wir ein weit glücklicheres Leben führen, als es sonst der Fall wäre." – WT 15.01.2010, S. 6.
 
2. Bindung:
 
Die Verwendung der Studienhilfsmittel der „Organisation Jehovas“ ist ein (verpflichtender) Akt der Anbetung:
 
Wenn wir über die Bibel nachdenken und die Studienhilfsmittel der Organisation Jehovas verwenden, öffnen wir Jehova unser Herz (Ps. 62:8). Solch ein Studium stellt einen Akt der Anbetung dar, durch den wir unsere Ergebenheit Jehova gegenüber zeigen und unsere Bindung zu ihm stärken (Jud. 20, 21).“ – „Unser Königreichsdienst“ 03.2011, S. 4
 
 
Beispiel 3:
 
Der „freiwillige“ Predigtdienst.
 
1. Bindung: Der Predigtdienst ist „freiwillig“.
2. Bindung: Wer nicht predigen geht ladet „Blutschuld auf sich“.
 
Die Folgen dieses inneren Konfliktes wurden bereits im Kapitel 5 betrachtet, wollte ich aber, der Vollständigkeit wegen, hier mit
eingliedern.
 
 
Beispiel 4:
 
„Beurteilung anderer Religionen“
 
1. Bindung: ZJ beurteilen nicht wer gerettet wird.
 
„Wie die Gläubigen vieler anderer Religionen hoffen Jehovas Zeugen, gerettet zu werden. Sie glauben aber auch, dass es nicht ihre Sache ist, zu beurteilen, wer gerettet wird. Letztendlich ist Gott der Richter, der entscheidet.“  - WT 01.11.2008 (öffentlicher Wachtturm), S.28.
 
2. Bindung: ZJ beurteilen wer vernichtet wird.
 
Interner Wachtturm:
„Milliarden Menschen gehören heute den verschiedensten falschen Religionen an, die alle im alten Babylon ihre Wurzeln haben (1. Mo. 11:6-9). Die Gesamtheit dieser Religionen wird als „Babylon die Große, die Mutter der Huren und der abscheulichen Dinge der Erde“ bezeichnet... Man braucht sich wirklich nicht zu wundern, dass Jehova Gott die falsche Religion bald von der Erde verschwinden lassen wird! (Offb. 18:8).“ – WT
15.06.2008 , S. 9.
 
 
„Zu Beginn der großen Drangsal wird etwas geschehen, was die meisten Menschen auf der Erde zutiefst erschüttern wird: Die gesamte falsche Religion wird vernichtet. Jehovas Zeugen wird das nicht erschüttern, denn sie haben es lange herbeigesehnt.“ – WT 15.10.2000, S. 16
 
 
Beispiel 5:
 
„Satans Einfluss“
 
1. Bindung: Satan muss nicht den persönlich beherrschen, der „Widerstand leistet“.
2. Bindung: Satan beherrscht die „ganze Welt“.
 
Man beachte das „das heißt nicht“, sowie das „aber“:
 
„Das heißt nicht, dass diejenigen, die uns Widerstand leisten, persönlich von Satan beherrscht werden. Aber Satan ist der Gott des gegenwärtigen Systems der Dinge und die ganze Welt liegt in seiner Macht (2. Korinther 4:4; 1. Johannes 5:19).“ – „Was lehrt die Bibel wirklich?“, S. 120.
 
 
Beispiel 6:
 
„Das Beste ist gut genug“.
 
Ein anderer Aspekt des „predigen“-müssen ist dessen Häufigkeit.
 
1. Bindung: Predigen ohne Druck – „und sollte nicht so aufgefasst werden, als würden wir in irgendeiner Form nicht genug tun“
2. Bindung: Predigen mit Druck: „Solange wir versuchen immer unser Bestes zu geben...“.
 
Der Leser beachte das „solange“:
 
Bei einem Wettrennen werden die Läufer oft von Zuschauern angefeuert. Ihre Absicht dabei ist, die Wettläufer zu motivieren, das Ziel zu erreichen, und nicht, sie zu demoralisieren. Genauso ist es auch mit dem biblisch untermauerten, wiederholten Aufruf, dringend zu predigen (ob durch die Zusammenkünfte oder die Publikationen): Er ist zu unserem Guten und sollte nicht so aufgefasst werden, als würden wir in irgendeiner Form nicht genug tun (2. Tim. 4:2). Solange wir immer versuchen, unser Bestes zu geben, können wir fest darauf vertrauen, dass uns Jehova unsere „Arbeit und . . . Liebe“ hoch anrechnen wird (Heb. 6:10)."
 
– „Unser Königreichsdienst“ 07.2010, S.2
 
 
Wenn man wirklich nicht die Absicht hat, das jemand etwas „falsch“ auffasst, wieso verwendet man dann doch solche Formulierungen, wo genau das übertragen wird, was angeblich nicht so aufgefasst werden soll...?
Wieso wird einerseits der Anschein erweckt, man solle nicht das Gefühl bekommen „man tue zu wenig“, dann aber direkt im Anschluss eine Formulierung wählt, wo der Empfänger der Nachricht aufgrund der Eigeninterpretation seiner individuellen Möglichkeiten (sein „Bestes“) automatisch das Gefühl bekommen wird, das er „zu wenig“ tue, dies aufgrund des übertragenen kritischen Selbstbildes und der bewussten Nominalisierung von etwas Undefiniertem?
 
Es ist ein Widerspruch wo der betroffene Leser für sich denkt „aha, Druck soll abgebaut werde“, aber seine Gefühlswelt ihm sagt, das genau das Gegenteil erreicht wurde.