5.11. Der soziale Status innerhalb der „Bruderschaft“

 

"...tröstet die Kleinmütigen, nehmt euch der Schwachen an, seid langmütig gegen jedermann!"

- 1.Thessalonicher 5,14b

 

5.11. Der soziale Status innerhalb der „Bruderschaft“ - Liebe die abhängig macht

 

 
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So etwas wie Freundschaften werden also in der Regel nur innerhalb der Gruppierung gepflegt - wirkliche Freundschaften wären unabhängi davon, ob man regelmäßig für eine Religion Werbung macht oder nicht.
 
Doch die Art und Weise, wie diese „Liebe“ innerhalb der Religion „funktioniert“, soll sich letztlich in den vorgegebenen Rahmen der LK bewegen.
Dieser Rahmen gibt des Weiteren den „Sozialen Status“ eines ZJ vor, denn wie schon kurz angedeutet ist ein ZJ ist nicht gleich ein ZJ – es gibt die „Eifrigen“ und den „schlechten Umgang“.
Dieser „Status“ macht sich durch die gegenseitige Selbstachtung und Selbstbestätigung, sowie durch Zuspruch innerhalb der Gruppierung bemerkbar, wobei man auch von dieser in Abhängigkeit geraten kann, was dem Grundbedürfnis nach der sozialen Komponente „Liebe“ angeht.
Vor allem wenn man nur mit ZJ im privaten Rahmen sich gegenseitig austauscht, was ja die Regel ist.
 
„Außerdem stehen uns in der weltweiten Bruderschaft Väter, Mütter, Brüder und Schwestern zur Seite, deren Liebe unser Leben verschönert… In jeder Versammlung gibt es Brüder und Schwestern, die sich nach Zuneigung sehnen und Freunde brauchen. Es kann ihnen sehr viel geben, wenn sie unser liebevolles Interesse spüren, und unser Bedürfnis nach Liebe wird auch gestillt.“ – WT 15.06.2009, S. 28.
 
 
Während der Indoktrinierung wurde der „Studierende“ mit harmlos anmutenden Umschreibungen auf die Predigertätigkeit der ZJ eingestimmt, was er später dann als die Pflicht eines Mitgliedes übernehmen wird:
 
„Eine weitere Möglichkeit, für die wahre Anbetung einzutreten, besteht darin, mit anderen über das zu sprechen, was man beim Bibelstudium mit Jehovas Zeugen gelernt hat.“
„Wer sich mit wahren Christen versammelt und anderen von den begeisternden Wahrheiten erzählt, die er aus der Bibel gelernt hat, der wird feststellen, dass jede noch verbliebene Sehnsucht nach Bräuchen der falschen Religion mit der Zeit verschwindet.“ – „Was lehrt die Bibel wirklich?“, S. 162.
 
 
Solange ein ZJ selber nicht erkennt, das die sozialen Komponenten (Freundschaften, Anerkennung, sozialer Status, gezeigte Liebe) innerhalb der „Bruderschaft“ von der Tätigkeit der Religionsausübung abhängig gemacht werden, welche auch meist nur dann als Quelle der Liebe sich zeigen, wird dieser auch so lange glücklich sein, solange er diese Tätigkeiten nachgehen kann und auch nicht anfängt Dinge zu hinterfragen.
 
Wenn ein ZJ mal eine Pause bräuchte und sich mal ein paar Monate eine Auszeit gönnen würde (man gibt deswegen ja nicht direkt den Glauben an Gott auf), würde dieser erleben wie der gesellschaftliche Zusammenhalt an seiner Person abbricht und er nach und nach als isoliert dasteht.
Auch wenn er dann immer noch ein ZJ ist, würde man dennoch weniger mit ihm zu tun haben wollen.
Wieso nur?
Weil es mit zum besagten Rahmen gehört, den die Leitende Körperschaft vorgibt, wann ein aufrichtiger ZJ mit wem innerhalb der Gruppierung so etwas wie eine „Freundschaft“ pflegen darf:
 
 
„Wir werden in unseren Emotionen wie auch in unserem Verhalten großenteils von denen beeinflußt, die wir uns als Freunde erwählen. Offensichtlich sind Ungläubige nicht der beste Umgang. Aber Paulus zeigte hier, daß es sogar innerhalb der Christenversammlung Personen geben könnte, die unerwünschter Umgang sind. Nun, vielleicht macht es dir „Spaß“, mit ihnen zusammenzusein, doch ihr Einfluß wird dir niemals helfen, ‘die Begierden zu fliehen, die der Jugend eigen sind’, oder Gottergebenheit zu entwickeln. Bemühe dich um erbaulichen Umgang innerhalb der Versammlung.“ – WT 15.08.1985, S. 11.
 
 
„Sollte es uns überraschen, dass wir uns auch in der Versammlung unsere Freunde gut aussuchen müssen? Eigentlich nicht. Genauso wie an einem Baum nicht alle Früchte zur gleichen Zeit reif werden, so wachsen und reifen auch in der Versammlung nicht alle gleich schnell. Manchmal macht jemand vielleicht etwas, was nicht in Ordnung ist. Ein anderer ist verbittert oder hat ständig etwas zu kritteln. Man muss also mitunter vorsichtig sein, mit wem man sich umgibt. In der Versammlung in Korinth lehnten manche bestimmte Lehren ab. Deshalb warnte der Apostel Paulus die Versammlung: „Lasst euch nicht irreführen. Schlechte Gesellschaft verdirbt nützliche Gewohnheiten“. Und auch Timotheus machte er darauf aufmerksam, dass in der Versammlung nicht unbedingt immer alle vorbildlich sind. Mit solchen Brüdern sollte Timotheus keine Freundschaft pflegen, sondern sich von ihnen fernhalten…“ – WTG-Buch „Bleibt in der Liebe Jehovas“ (2008), S. 31-32.
 
 
Auch hier gilt demnach, genauso wie in dem durch Eigenkritik erstellten Selbstbild eines ZJ, eine größere und vor allem positive Resonanz innerhalb der Gruppierung, wenn jemand zum „erbaulichen Umgang“ gehört, „vorbildlich“ ist, der viel“ macht was das „Predigen“ und das aktive Geschehen innerhalb einer ZJ-Versammlung betrifft.
Mit einem ZJ der „vorbildlich ist“, erhält dieser auch mehr an sozialer Anerkennung innerhalb dieser Gruppierung.
Er wird diese Anerkennung seiner Glaubensbrüder dem der „bösen Welt“ vorziehen, was jeden anders denkenden Menschen mit einschließt. „Freundschaft mit der (vom “Sklaven“ definierten) Welt ist (eine vom „Sklaven“ definierte) Feindschaft mit Gott“.
 
 
„Kann sich der Geist der Welt auch in deinen Gedanken und Gefühlen festsetzen? Wenn du nicht aufpasst, schon (Sprüche 4:23). Oft wird man unmerklich beeinflusst, zum Beispiel durch Leute, mit denen man zu tun hat und die man vielleicht ganz in Ordnung findet, die aber Jehova nicht lieben“. - WTG-Buch „Bleib in Gottes Liebe“, S. 54.
 
 
Insofern ist ein ZJ, was das menschliche Grundbedürfnis (Liebe) betrifft, von dem „liebevollen“ sozialen Umgang aus und mit seiner Gruppierung in Abhängigkeit geraten.
Jahrelang hatte man das Wort „Weltmenschen“ (alle Nicht-ZJ) geprägt, wovon man zum Glück mittlerweile immer weniger Gebrauch macht, weil es in der WT-Literatur seid 1999 nicht mehr verwendet wurde.
Jedoch hat auch dieser Trend seine gedanklichen Spuren hinterlassen, indem es dem gedanklich schwarz-weißen Schubladendenken einer gesamten Generation geradezu als Schmierstoff gedient hatte.
Nicht-ZJ werden jedoch weiterhin negiert und als „schlechter Umgang“, oder als „Ungläubige“ betitelt.
Diese emotionalen Vorgaben erwecken dann den Wunsch, lieber nur in der Gruppierung nach „Anschluss“ zu suchen.