5.10. Die „theokratische Kriegslist“ - das Verheimlichen der „vollen Wahrheit"

 
 
 
 
5.10. Die „theokratische Kriegslist“ - das Verheimlichen der „vollen Wahrheit“
 
 
Sie lesen richtig.
Ein ZJ wird aufgefordert nicht die ganze Wahrheit zu enthüllen, wenn es der eigenen Sache dienlich ist.
 
Ob dies einer Lüge gleich kommt, dürfen Sie gerne selber beurteilen.
M.E. ist nur eine ganze Wahrheit eine Wahrheit – halbiert man ein Automobil in seiner Mitte so kann es nicht mehr als Auto agieren – halbiert man eine Wahrheit, dann kann man davon ausgehen das sie als Wahrheit nicht voll funktionsfähig ihre Wirkung erzielen kann, als wie sie ansonsten und zu Recht erfüllen müsste.
 
Über die „theokratische Kriegslist“ wurde schon in anderen Werken viel geschrieben.
 
Ich verweise hier z.B. auf den Artikel „Lügen vor Gericht und Religion“ - Eine Analyse der Lehre der Zeugen Jehovas von der
„theokratischen Kriegsführung“, von Dr. Jerry Bergman (Northwest State College - Archbold, Ohio):
 
 
Ein in deutsch geschriebener Auszug aus genannten Werk ist im Internet leicht zu finden - siehe Link. 
Dort werden übrigens auch konkrete Fallbeispiele aus dem amerikanischen Raum geliefert werden, wo schon in den 50er Jahren das Lügen vor Gericht aufgrund einer Vorgabe aus einer Religion thematisiert wurde – sogar im speziellen die „theokratische Kriegslist“ der ZJ.
 
Hier in Deutschland ist diese „Kriegslist“ den Gerichten eher unbekannt .
Man rechnet nicht mit einer religiös motivierten Lüge, obschon es in den Publikationen des „Sklaven“ regelrechte Anregungen dazu gibt.
WTG-Ausgabe „Erwachet!“ (Begleitzeitschrift des „Wachtturms“) vom 08.02.2000, S. 21:
 
„Wahrheitsliebend zu sein bedeutet natürlich nicht, daß man verpflichtet ist, jedem bestimmte Informationen preiszugeben, der danach fragt. „Gebt das Heilige nicht Hunden, noch werft eure Perlen Schweinen vor, damit sie ... sich [nicht] umwenden und euch zerreißen“ (Matthäus 7:6). Zum Beispiel haben Menschen, die schlechte Absichten verfolgen, oft nicht das Recht, gewisse Dinge zu erfahren. Christen wissen, daß sie in

  

einer feindlichen Welt leben. Darum riet Jesus seinen Jüngern, „vorsichtig wie Schlangen“ zu sein und doch „unschuldig wie Tauben“ zu bleiben (Matthäus 10:16; Johannes 15:19). Jesus hat nicht immer die ganze Wahrheit enthüllt, besonders dann nicht, wenn das Preisgeben aller Tatsachen ihm oder seinen Jüngern unnötigerweise Schaden zugefügt haben könnte.“

 

WTG-„Einsichtenbuch“, Stichwort „Lüge“:
 
„Das Gegenteil von Wahrheit. Das Lügen schließt im allgemeinen eine Falschaussage gegenüber einer Person ein, die berechtigt ist, die Wahrheit zu wissen, mit der Absicht, sie oder jemand anders zu täuschen oder ihr bzw. dem anderen zu schaden.“
 
EdA: „ … einer Person, die berechtigt ist, die Wahrheit zu wissen ...“. Hier muss ich ergänzen, das in den Augen eines ZJ nur die Menschen aus der eigenen Gruppierung zu den Berechtigten gehören „die Wahrheit zu wissen“ - und zwar die „volle Wahrheit“.
Andere Menschen, vor allem „Gegner der Wahrheit“ (selbst wenn diese nicht mal wissen das sie von den ZJ so betrachtet werden), aber auch „Ungläubige“ oder „Weltmenschen“, „Menschen die zur Wahrheit nicht richtig eingestellt sind“, würde ein ZJ nicht alles sagen, was für die Ansichten eines ZJ ausschlaggebend ist, sowie was die internen Mechanismen angeht.
 
Hier greift übrigens auch, sehr geschickt, die erzeugte Doppeldeutigkeit dieses Wortes „Wahrheit“ an sich, welche man meint durch ihre Vorenthaltung zu verteidigen:
Die Wahrheit welche im Gegensatz zur Lüge steht, also diese Grundbedeutung, wird emotional mit der Bezeichnung „Wahrheit“ für
die eigene Gruppierung sowie ihren Ansichten verwoben, so das ein ZJ sich nicht verpflichtet fühlt, vor einem Gericht z.B., die „volle
Wahrheit“ zu sagen, gerade weil er in dieser sich zu wägen glaubt.
 
Weiter aus dem „Einsichtenbuch“:
 
„Bösartiges Lügen wird zwar in der Bibel deutlich verurteilt, aber das bedeutet nicht, daß man verpflichtet ist, jemandem wahrheitsgemäß irgendwelche Informationen zu geben, die zu erhalten er kein Recht hat. Jesus Christus gab den Rat: „Gebt das Heilige nicht Hunden, noch werft eure Perlen Schweinen vor, damit sie sie nicht etwa mit ihren Füßen zertreten und sich umwenden und euch zerreißen“ (Mat 7:6). Deshalb hielt sich Jesus bei gewissen Gelegenheiten zurück, eine vollständige Auskunft zu geben oder gewisse Fragen direkt zu beantworten, wenn er dadurch unnötigen Schaden angerichtet hätte (Mat 15:1-6; 21:23-27; Joh 7:3-10). Zweifellos muß die Art und Weise, wie Abraham, Isaak, Rahab und Elisa handelten, als sie Personen, die keine Anbeter Jehovas waren, irreführten oder ihnen gewisse Tatsachen verschwiegen, ebenso beurteilt werden (1Mo 12:10-19; Kap. 20; 26:1-10; Jos 2:1-6; Jak 2:25; 2Kö 6:11-23).
 
EdA.: „ … aber das bedeutet nicht, daß man verpflichtet ist, jemandem wahrheitsgemäß irgendwelche Informationen zu geben, die zu erhalten er kein Recht hat.
Was bedeutet dies für die Praxis?
Paradebeispiel liefern hier in Deutschland die Anwälte der Wachtturmgesellschaft, welche in den letzten Jahren gegenüber dem Staat für ihre Organisation eine „Körperschaft des öffentlichen Rechts“ (den sog. „Kirchenstatus“) einklagten, wo sich die Gerichte natürlich auch ihre Gedanken dazu machen mussten.
Doch leider grassierte dies zum großen Teil nur auf den Informationen, welche der Kläger (die deutsche Zweigstelle der WTG) den Gerichten
auch nur hat zukommen lassen, bzw. haben die Gerichte bei ihren eigenen Recherchen nur staatliche Quellen einbezogen, wenn es z.B. um
die Frage geht, ob ein ehemaliger ZJ von seiner Familie und der Gruppierung de-sozialisiert wird und ob dort psychologische Probleme zu verzeichnen sind.
Leider ist der Staat hier aber bei seinen Recherchen nicht immer versiert genug vorgegangen, um sich in so einen Ehemaligen ZJ hineinversetzen zu können.
Denn nur die wenigsten ehemaligen ZJ lassen sich gezielt helfen, da in ihnen noch das emotionale Weltbild grassiert, das die „böse Welt“ einen bestimmt nicht helfen kann.
Insofern konnten die Recherchen des Staates nur oberflächlich sein – wirkliche Wortmeldungen von ehemaligen ZJ kamen nur bei den Gerichten zu Tage, wo die Öffentlichkeit etwas von dem Bestreben der LK wusste und sich entsprechende Aussteiger zu einer Wortmeldung vor Gericht organisieren konnten.
Man muss sich das so vorstellen, das die WTG von Bundesland zu Bundesland diese Klage selber erheben musste, was natürlich nicht an die „große Glocke“ gehängt wurde.
In den Bundesländern jedoch, wo die Öffentlichkeit und damit andere Ehemalige davon wussten, konnten die Einklage für einen
Kirchenstatus abgelehnt werden, da nur hier auch die „volle Wahrheit“ ans Licht kam.
Hier sollte man wissen, das die Glaubensinhalte aus theologischer Sicht kaum von den Gerichten kritisiert werden müssen und dies in so einen Fall auch gar nicht beurteilen dürfen (Glaubensfreiheit).
 
Als weiteres Beispiel für die "theokratische Kriegslist" möchte ich auf eine derzeitige öffentliche Falschdarstellung auf der Homepage jw.org hinweisen, wo in der Frage "Gehen Sie von Haus zu Haus, um sich Ihre Rettung zu verdienen?", ganz einfach die bereits angeführte
-> Blutschuld-Thematik nicht mit angeführt wird:
 
 
Die Öffentlichkeit ist es nicht wert, davon etwas zu erfahren, das ein ZJ gelehrt bekommt, das er Blutschuld auf sich legt, wenn er nicht predigen gehen würde.
 
Jedoch muss so ein Richter abschätzen können, ob z.B. in so einer Religion Menschen zu Schaden kommen, dies aufgrund ihrer eigens
erstellten Glaubensinhalte – oder ob gar Menschenrechte verletzt werden.
 
Diese kleine Exkursion in die „theokratische Kriegslist“ habe ich in diese Thematik mit einberaumt, um zu verdeutlichen wieso ein ZJ
z.B. niemals sagen würde, das es auch Ängste sind („Blutschuld“, „Ungläubige“, „Abtrünnige“, „Zweifel“, „Diener des Teufels“, „Harmagedon“, „Gottes Zorn“, „Dämonen“ etc.), die einen ZJ in seiner Gruppierung halten, bzw. einen ZJ so werden lässt, wie er eben ist.
 
Nach außen hin sagt er, er tue es aus Liebe zu Gott und zu seinen Nächsten – das er dabei aber gleichzeitig emotional erpresst wird, wird verschwiegen.
Diese „volle Wahrheit“ wird denjenigen vorenthalten, weil diese dazu nicht berechtigt sind – denn es sind ja „Ungläubige“ die kein Recht haben die „volle Wahrheit“ zu erlangen.
Wenn ein ZJ an Ihrer Tür klingelt und sie „retten“ möchte, dann will er Sie Stück für Stück in seine Weltsicht einführen, wovor Sie seiner Meinung nach gerettet werden müssten.
 
Dies sagt er aber nicht konsequent von vorne herein, sondern erst nachdem man etwas mehr emotional vereinnahmt wurde, derjenige bekommt dann per Salami-Technik („Scheibchenweise“) übertragen, was auch nur der „Sklave“ will was übertragen werden soll – erst am Ende sind sie dann im Besitz der „vollen Wahrheit“, wenn Sie die Ängste eines ZJ emotional übertragen bekommen haben.
 
Eigentlich müsste diese Homepage einen zweiten Untertitel erhalten:
 
„Alles, was der Zeuge Jehovas Ihnen nicht so sagen würde ...“