4.7. Willkürliche Bibelauslegung

 
 
4.7. Willkürliche Bibelauslegung
 
 
Schon in dem WTG-Buch „Vom verlorenen Paradies zum wiedererlangten Paradies“, wird der Garten Eden schlichtweg als das Paradies
bezeichnet, sowie als ein Vorsatz dargestellt, den Gott nicht verwerfen würde.
Das die Bibel den Garten Eden niemals als das Paradies im Jenseits gleichgestellt hat, wird ein Mensch, der einmal etwas als biblisch =
von Gott kommend gelernt und verstanden hat (auch wenn es sich dabei um einen absichtlich aufgebauten Missverstand handelt) nicht so schnell wieder verwerfen.
Auch wenn es an sich nicht um das handelt, worauf es beim „Königreich Gottes“ eigentlich im christlichen Sinne ankommt, so wird er diese Hoffnung als eine „biblische“ Lehre ansehen, wo das Ziel motivieren soll, anstatt schon im hiesigen Sein sich persönlich von Jesu Liebe beherrschen zu lassen.
 
Das, was Gott wirklich den Menschen sagte, sofern man diesen Mythos wortwörtlich nehmen möchte, dass die Menschen die „Erde
füllen“ sollten und dann noch den Tieren Namen geben.
Doch von der Ausdehnung des Garten-ähnlichen Zustandes, wie in Eden, war keine Rede davon, als wenn der Mensch diesen in einer Art „Landschaftsgärtner“ auf die ganze Erde vergrößern sollte.
 
Dennoch wird dies in der WT-Literatur behauptet - WT 15.06.2009, S. 28:
 
„Später erschuf Gott das erste Menschenpaar und beauftragte die beiden: „Füllt die Erde, und unterwerft sie euch“ (1. Mo.1:28). Den Menschen übertrug der Schöpfer die Aufgabe, das Paradies auf die ganze Erde auszudehnen.“
 
 
Womit auf eine weitere manipulative Methode hingewiesen werden muss.
Es wird in einem oder zwei Sätzen eine Aussage gemacht welche angeblich beide einer biblischen Aussage zu Grunde liegt, nur um
dazu eine Bibelstelle anzuführen, welche jedoch nur eine der beiden Aussagen bestätigt.
 
Wie hier das Beispiel zeigte, wird ausgesagt dass der Mensch die Erde füllen sollte (was biblisch ist) dann aber noch zusätzlich
behauptet, dass der Mensch das Paradies auf der ganzen Erde ausdehnen sollte (was wiederum nicht so in der Bibel steht).
Dennoch wird der Eindruck erweckt, als wenn es biblisch wäre.
Der Grund? Um das „Paradies auf Erden“ als einen nicht verworfenen Vorsatz Gottes darzustellen, um die eigenen diffusen Bibelauswertungen
weiter auf andere, selbiger Natur, zu verfestigen.
Auch wenn hier nur ein harmloses Beispiel einer Hinzufügung eines nicht vorhandenen biblischen Inhaltes angeführt ist gilt:
Wo etwas so dargestellt wird als wenn es in der Bibel steht und doch nicht so aufgezeichnet ist, handelt es sich hierbei um eine unbegründete Behauptung.
 
Wenn man es als eine interne Interpretation gekennzeichnet hätte, „wir glauben, dass hiermit es sich auch um einen Auftrag zur Ausdehnung des
Paradieses auf der gesamten Erde handelte“, dann würde wahrscheinlich sich niemand dran stören.
Doch hier wird es bewusst als „biblisch“ dargestellt.
Eigentlich sollte es aber so sein, das wenn etwas nicht in der Bibel steht, dann steht es nun mal nicht in dieser.
 
Diese Methode, der Hinzufügung einer Annahme welche ein Missverstand auslösen kann von dem was „biblisch“ ist und was nicht,
kommt leider ebenso sehr sehr häufig in der WT-Literatur vor (was im Kapitel 7 an weiteren Beispielen verdeutlicht wird).
Andere Bibelübersetzungen geben die Worte aus 1.Mose 1, 28 („macht sie euch Untertan“), mit „nehmt sie in Besitz“, wieder.
 
Der „Studierende“, dem dieses „Paradies auf Erden“ vorgestellt wird, weiß von alldem in der Regel nichts.
Erstmal wird er überrascht sein, das in der Bibel überhaupt etwas von einem „Paradies auf Erden“ die Rede ist.
Wahrscheinlich wird er gar nicht bemerken, dass in den meisten dieser Bibelverse das Wort „Paradies“ gar nicht vorkommt.
Als Person einer Zielgruppe mag er sich entsprechend seiner aktuellen Bedürfnisse von diesen Versprechungen angesprochen fühlen und sich
idealerweise nicht mit zweckgerichteten Analysen von Bibelversen auskennen.
 
Die liebevolle Art des Zeugen Jehovas, der versucht das „Herz zu erreichen“, mag sich auf den Studierenden übertragen, ebenso wie seine Überzeugung ein übertragbares Gefühl sein kann, vor allem wenn man diese mit anderen teilt.
 
Das „Paradies auf Erden“ wird auch zu einem ersten Schlagwort.
 
Ein Fazit:
Hier haben wir nun erste Formen der Informationsmanipulation seitens des „Sklaven“ kennengelernt.
Zweckentfremdungen und Veränderungen der Bibel entgegen den Methoden einer Exegese und an sich geregelten/sinnvollen Vorgehensweisen.
Aber auch manipulativ geschickte Darstellungen, das „Andichten“, dass Dinge in der Bibel stehen sollen, die eigentlich gar nicht in der Bibel
stehen.
All dies soll dazu beitragen, die Kluft zur eigentlichen Christenheit zu vergrößern, was dann zur Bindung an die eigene Gruppierung beitragen soll.
Die hier geschilderten Methoden, sind nur wenige von Weiteren.
 
Kommen ich im nächsten Kapitel zunächst zu weiteren Werkzeugen, um die Gefühle des Studierenden zu beeinflussen, was dann in der emotionalen Vereinnahmung enden soll.