4.6. Auf Erden?

 
 
4.6. Warum ein „Paradies auf Erden“?
 
 
An sich besitzt die Bibel also bereits ein konkretes Endbild in Offenbarung 21 u. 22.
Man dürfte als „Studierender“ sich schon fragen, wieso nicht einfach die Offenbarung rezitiert wird?
Warum werden völlig externe Bibelverse verwendet, um solch ein anderes „schönes Endbild“ zu konstruieren, welches dann auch noch unvollständig ist?
 
Ich darf also schlussfolgern, dass das Endbild der Offenbarung, und damit das der Bibel, nicht dem Konzept des „Sklaven“ entspricht.
Wieso ein Konzept und welches?
Eines ist sicher:
 
Bei den nereits angeführten und sicherlich sinnvollen Methoden zur Exegese muss man sagen, das diese eigentlich schon seid geraumer Zeit, fast zwei Jahrhunderten, bekannt sind – so lange gibt es bei weitem noch keine Wachtturmgesellschaft.
Ich nehme daher an, dass diese einfachen Regeln seitens der LK absichtlich ignoriert und zum großen Teil bewusst gebeugt werden, was sich ja letztlich in der abweichenden Hermeneutik manifestiert.
Ich kann gar nicht anders als schlussfolgern, dass diese „unorthodoxe“ Darstellung des „Paradies auf Erdens“ einen Zweck verfolgt und einem bewusst neu gewählten Konzept einer neu entworfenen Hoffnung einer ebenso neuen, „christlich“ anmutenden, Religion entspringt.
 
Ein (Selbst-) Zweck wurde bereits im -> Kapitel 3.4 behandelt:
Der Versuch, Menschen in ihren unbewussten Wünschen anzusprechen.
Um die Zielgruppe zu erreichen.
Und sicherlich spricht diese inhaltliche Erweiterung mit der dieses „Paradies auf Erden“ angeführt wird, mehr Menschen in ihren unterschiedlichen und unbewussten Belangen an, um den Leser in wenigstens in einem dieser Punkte konkret persönlich anzusprechen.
Die Paradiesbilder sollen diese Wünsche verstärken – Bilder, wie die in der Werbung in Illustrierten und auf Plakaten, sollen Wünsche
erzeugen oder vorhandene verstärken, eigene Defizite in das Bewusstsein drängen etc. - m.E. Sollen die Paradiesbilder dieselbe
Wirkung erzeugen.
 
 
"Im Paradies werden die Toten auferstehen und wieder mit ihren Lieben vereint sein"
 
 
 
Die inhaltliche Bandbreite wurde entsprechend so erweitert, damit jeder Interessierte dieses Paradies für sich gedanklich so durchspielt, wie er persönlich sich darin sieht – er wird von seinen eigenen unbewussten Wünschen gelockt, oder gar das Gefühl beim Verlust eines geliebten Menschen ausgenutzt, wie oben das Beispiel zeigt, wenn im Paradies die Toten wieder auferstehen.
Man stelle sich vor, wo es tatsächlich einen Todesfall in einer Familie gegeben haben mag und der ZJ spricht ihn mit solchen Paradiesversprechen an ... zwecks Mitgliederwerbung.
 
Dazu wird noch ein so genanntes „Hamsterrad-Prinzip“ gestartet.
Oder das Bild mit dem Esel, dem eine Möhre an der Angelrute vor die Nase gehalten wird damit es los und weiterläuft, trifft den Gedanken
auch ganz gut:
Es wird ein Versprechen vorgestellt, ein „von Gott kommendes“ und somit ein „sicheres“.
„Wenn du das alles haben willst musst du erst etwas dafür tun“ – womit das Prinzip klar sein dürfte:
So dient das „Paradies auf Erden“ als „Möhre“.
Erst als Animation um zu „studieren“ („los…), danach als Motivation, „das Gelernte anzuwenden“, sprich auszuleben (… und weiterläuft“).
 
 
Ein Aspekt des biologischen Lernens
 
Das „Paradies auf Erden“ ist unter Umständen ein völlig neues Bild einer Hoffnung, da es nicht der christlichen Lehre entspricht.
Folglich hat man als „Interessierter“ sich über dieses noch keine eigene Meinung (Information und Emotion) bilden können.
Jegliche Informationen, auch wenn diese Erfunden sind, werden mit einer Emotion gespeichert (Emotionaler Marker).
Ein chemischer Prozess im Großhirn sorgt dafür das diese emotionale Info dauerhaft gespeichert wird.
Es hat zur Folge dass die Erinnerung an das Gelernte leichter fällt.
 
Solche verknüpfte Emotionen sind erst mal nicht so schnell aufzuheben.
Erst wenn man als Betrogener eine Information als Fehlinformation durchschaut, wird eine neue emotionale Bewertung vorgenommen.
Was bleibt ist, das, wo der Mensch sich noch keine eigene Meinung gebildet hat, durch die Darstellung des „Paradies auf Erdens“  (Neuinformation) direkt eine emotionale und zwar positive Prägung vorgenommen wird, ohne das er es will.
 
Hätte man sich dagegen vorher selber informiert, von wegen, was die Bibel „wirklich“ lehrt, so wäre es zu einer selbst erstellten und vor allem
zu einer korrekten Meinung gekommen, zumindest was hier das Endbild der Bibel betrifft.
 
Noch ein Aspekt:
Der irdische Lohn auf der Ebene des Materiellen lässt den Studierenden, sowie den bereits ZJ-Gläubigen, auf die Ebene des ihm möglich Vorstellbaren interpolieren, weil er indirekt seinen Misszustand vor Augen gehalten bekommen hat, wenn er sein derzeitiges Leben mit dem auf den Bildern vergleicht.
Einen Menschen lässt es sich leichter vorstellen wie ewiges Leben auf der Erde aussehen könnte, als wie ein unkonkret vorstellbares ewiges
Leben mit Gott in einem himmlischen Jerusalem, was „am Ende der Tage“ ebenso auf die Erde herab kommen wird.
Ob die Erde dann ein
Paradies sein wird, glaube ich weniger, da ich die Offenbarung so verstehe, das es selbst dann, wenn Jerusalem sichtbar sein wird, es
Menschen geben wird, die nicht hinein wollen, sondern draußen bleiben, was sich nicht gerade wie ein Paradies anhört...
 
Aber was man sich leichter vorstellen kann, wird eher als relativ möglich und somit auch glaubwürdiger betrachtet, als das wo die
Grundlagen zur Vorstellungskraft fehlen.
Davon mal abgesehen hat es noch einen „Vorteil“ wenn man dieses „Paradies auf Erden“ so separat für sich und noch vor den anderen
Themen betrachtet:
Vom Paradies als Endbild kommt man zum Paradies als „von Gott gedachten Anfang“, oder seinem angeblich „ursprünglichen Vorsatz“
– das dieser Vorsatz auf der materiellen Ebene stattfindet und die geistige Ebene außen vor lässt (den Sündenepos sollte man schon aus
kritischen Überlegungen heraus nicht wortwörtlich nehmen, sondern geistig), kommt der LK ebenso zugute, da sie selber in einer
gewissen Form auf den „Geist“ ihrer Mitglieder einen entscheidenden Einfluss ausüben möchte.
 
Das gemäß den christlichen Glauben dieser Gott selber diesen Einfluss ausüben möchte, der Gläubige sich selber durch Jesu Liebe und Geist inspirieren lassen könnte, wird den Studierenden somit aus pragmatischen, profanen Gründen vorenthalten.
Auch kommt man schneller zum Ziel, welches jede fragwürdige Gruppierung verfolgt:
Dem Prägen des Feindbildes der Gruppierung, welcher dann aus dem Mythos des „Sündenfalls“ konzipiert wird (Same der Schlange = Satans Organisation = alle Nicht-ZJ).
 
Das Wesentliche innerhalb der christlichen Lehre, die ermöglichte persönliche Gottesbeziehung, wird nicht mehr zu einem notwendigen Lehrpunkt.
Was sich auf metaphysischer Ebene abspielt, durch die Gnade Gottes, wird nicht mehr zum eigentlichen Mittelpunkt.
 
Warum?
 
Die LK hat das Ziel, einen ZJ an sich selber zu binden.
 
Und wenn „das Paradies auf Erden“, „Jesus“ und „Jehova“, „Satan“ oder „Harmagedon“ hier zu Hilfsmitteln werden um an die Organisation zu binden, dann ist es dem „Sklaven“ nur Recht.
Er will selber eine Hauptfigur innerhalb einer Religion sein und das hat er ja als, der angeblich von Jesus persönlich eingesetzte, „Sklave“ ja
auch als Anspruch geltend gemacht.
Den Anhängern wird suggeriert das das ewige Leben nun von dem Gehorsam zu diesem „Sklaven“ abhängig gemacht wird, weil er mit
Gehorsam an Gott gleichgestellt wird.
Die Anhänger dürfen also nicht wissen, das es als Christ reicht an Jesus zu glauben und sich von seiner Liebe im täglichen Leben inspirieren zu
lassen, was völlig unabhängig davon ist, ob man vermutet das die Ewigkeit auf Erden oder im Himmel stattfindet, oder das man eigentlich
gar keine Mitgliedschaft in irgendeiner Kirche bräuchte – eigentlich sollte jeglicher Glaube unabhängig von jeglicher menschlichen
Institution sein.
Glaube sollte allein von Gott abhängig sein, wie man diesen persönlich wahrnimmt.
 
Diese Selbstdarstellung der LK, etwas dem Anschein nach genau zu wissen wie es in Zukunft aussehen soll, soll natürlich auch als
Grundlage zur Kluftbildung zum Christentum dienen.
Hier überspringt man die Möglichkeit die christliche Hoffnung mit Jesus als Bruder im himmlischen Jerusalem zu begegnen, weil es letztlich
auch der Zwei-Klassen-Hoffnung dienlich ist.
Und jeder Studierende ist nun erst mal Christ mit „irdischer Hoffnung“.
 
Aber noch etwas bekommt der Interessierte mit auf dem Weg, als wie ein „Paradies auf Erden“:
Er wird dran gewöhnt, dass Bibelverse zweckentfremdet werden.
Und er hat etwas abstrus Zusammengesetztes als „biblisch“ aufgefasst.
Später wird er dies u.U. genauso tun, womit sein erworbenes Bild als eine festgesetzte Meinung offensichtlich wird.
Dabei wird das „Paradies auf Erden“ zur emotional geladenen Phrase geprägt, ohne später hinterfragen zu müssen, wie dieses Bild überhaupt
entstanden ist.