4.5. Das „Paradies auf Erden“

 
 
4.5. Das „Paradies auf Erden“
 
 
Der Mittelpunkt der christlichen Lehre ist an sich die Gottesversöhnung, symbolisiert durch das „Kreuz Christi“
 
Wieso wird diese in einem Bibelstudium mit ZJ nicht als erstes erwähnt?
 
Mit der Darstellung des „Paradies auf Erden“ verhält es sich nun erst mal wie folgt.
WTG-Buch "Was lehrt die Bibel wirklich?", Seiten 4& 5:
 
Aktuell kann man dies auf jw.org hier mitverfolgen und sich selber ein Bild machen:
 
 
 
(Falls der Link nicht funktioniert, bitte kontakten)
 
"Die Bibel lehrt, dass Gott für große Veränderungen auf der Erde sorgen wird"
 
(Es folgen Bibelzitate aus der NWÜ (NT = Neues Testament; AT = Altes Testament), wo gezeichnete Bilder zeigen wie die sich erfüllen sollen.)
 
 
(NT)- Offenbarung 21: 4: „Und er wird jede Träne von ihren
Augen abwischen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch wird
Trauer, noch Geschrei, noch Schmerz mehr sein.“
 
 
 
 
 
 
 
(AT) - Jesaja 35: 6 „Der Lahme wird klettern wie ein Hirsch.“
 
 
 
 
 
 
(AT) - Jesaja 35: 5 „Die Augen der Blinden werden geöffnet“
 
 
 
 
 
(NT) - Johannes 5: 28-29 „Alle, die in den Gedächtnisgrüften sind, werden herauskommen“
 
 
 
(AT) - Jesaja 33: 24 „Kein Bewohner wird sagen: ‚Ich bin krank’ “
 
 
 
 
 
(AT) - Psalm 72: 16 „Es wird Fülle an Getreide geben auf der Erde“
 
 
 
 
 
 
 
Die Gründe für die Darstellung von emotionsgeladenen Bildern wurden bereits im vorigen Kapitel betrachtet.
Anmerkung zu den Bibelversen:
Bewusst wurden Zitate aus dem alten Testament und dem neuen Testament zusammengeführt, um diese Lehre des „Paradieses auf Erden“ zu „untermauern“.
Ein ZJ empfindet dabei eine Bestätigung der gesamten Bibel für diese „Hoffnung“.
Aber weder im Alten Testament (AT) noch im Neuen Testament (NT) wird für den Menschen diese so in dieser Form dargestellt - der aufmerksame Leser und Kenner der Materie hat längst bemerkt, dass einzelne Bibelzitate hier völlig aus dem ursprünglichen Zusammenhang gerissen wurden, um ein Gesamtbild zu erzeugen, welches so in der Form nirgends in der Bibel zu finden ist.
 
Gerade die Verse aus dem AT sind der Botschaft fern, wenn man nur mal exemplarisch den Psalm 72, 16 nimmt, welcher Salomo gewidmet ist, den Gott segnete weil er sich für die Weisheit als Geschenk entschied (1.Könige 3, 4-12).
Letztlich gibt der Psalm 72 dennoch Gott die Ehre, für Gottes damaliges Tun an Salomo.
Mit einer zukünftigen Hoffnung hat dieser Psalm also gar nichts zu tun.
Doch dass die Bibel an dieser Stelle zweckentfremdet wird, um zu zeigen das es im Paradies genug zu essen geben soll, wird der „Neuling der Bibelkunde“ erst mal gar nicht merken.
Genug zu essen hatte es unter der Herrschaft Salomos, so der Psalm, aber das war es auch schon.
 
Genauso verhält es sich mit den Texten aus Jesaja 35, 6, wo es sich um eine Prophezeiung an die Israeliten in der babylonischen Gefangenschaft von vor über 2000 Jahren handelte.
Enorm ist, dass selbst der Studierende der hier mit dem Interessierten diese Texte durchgehen mag, nicht merkt, das Jesaja hier nicht ein „Paradies auf Erden“, nach Harmagedon, gemeint haben kann.
Ein ZJ, der sich angeblich „gut“ in der Bibel auskennt (für manche Menschen ist es wirklich beeindruckend, wie schnell die etwas in der Bibel finden können), wird eben nicht beigebracht eine Zweckgerichtete Analyse einer Bibelpassage vorzunehmen.
„Ergebnisse“ oder „Bibelwissen“ und die daraus resultierenden Interpretationen, werden von der LK vorgegeben.
Ein eigenständiges Erforschen der Bibel und das erstellen eigener Gedanken, geschweige einen freien Austausch solcher Überlegungen mit Gleich-Interessierten anzustreben, wäre eine „Missachtung“ des „von Jesus eingesetzten Sklaven“.
Man würde sogar einen Ausschluss aus der Gruppierung riskieren, wenn man dann eigene Ansichten verbreitet, die gegen die aktuellen Lehren des Sklaven sprechen.
 
Kurioserweise beschreibt ein Bibellexikon der WTG dagegen sehr klar und deutlich was es mit diesem Vers aus Jesaja 35,6 in seinem Ursprung auf sich hat.
Auf eine „geistige“ Bedeutung wird hingewiesen.
WTG-Buch „Einsichten in die heilige Schrift“ Band 2, S.155:
 
 
„Als Jehova die Wiederherstellung seines Volkes voraussagte, verhieß er, daß er es stärken werde, damit es Babylon verlassen und die gefährliche Reise zurück nach dem verwüsteten Jerusalem unternehmen könnte. Geistige Lahmheit, Zögern oder Unentschlossenheit würde beseitigt werden. Durch den Propheten Jesaja ermutigte Gott sein Volk mit den Worten: „Zu jener Zeit wird der Lahme klettern wie ein Hirsch“ (Jes 35:6). Gottes Nation hatte gehinkt und war gestürzt, indem sie in Gefangenschaft geraten war. Doch „an jenem Tag“, sagte Jehova, „will ich sammeln, was hinkte . . . Und ich werde, was hinkte, gewiß zu einem Überrest machen und, was weit entfernt war, zu einer mächtigen Nation“ (Mi 4:6, 7; Ze 3:19).“
 
 
Genauso verhält es sich mit Jesaja 33, 24. Auch hier gibt man zu, das es sich eigentlich um eine Prophezeiung an das damalige Volk Israel handelt, welche nicht wortwörtlich zu verstehen sei, sondern geistig.
WTG-Buch „Jesaja-Buch, Band 1“, S.352:
 
 
 
 
Dieser Teil der Prophezeiung Jesajas schließt mit einer herzerfreuenden Verheißung: „Kein Bewohner wird sagen: ‚Ich bin krank.‘ Dem Volk, das in dem Land wohnt, wird sein Vergehen verziehen sein“ (Jesaja 33:24). Bei der Krankheit, von der Jesaja spricht, handelt es sich vor allem um eine geistige, denn sie steht mit Sünde oder „Vergehen“ in Zusammenhang. Diese Worte beziehen sich in erster Linie darauf, dass Jehova verspricht, die Nation werde nach ihrer Befreiung aus der Babylonischen Gefangenschaft geistig geheilt werden (Jesaja 35:5, 6; Jeremia 33:6; vergleiche Psalm 103:1-5). Nachdem den zurückkehrenden Juden ihre früheren Sünden vergeben worden sind, werden sie in Jerusalem die reine Anbetung wiederherstellen.“
 
 
Würde jemand gezielt nach dem Grund fragen, wieso es denn in besagten Passagen einen Bezug zu einem „kommenden buchstäblichen Paradies“ geben soll, obwohl die geistige Auslegung hier nun mal vordergründig erklärt wird, so würde ein geschulter ZJ sagen, dass es jeweils eine „größere Erfüllung“ dieser Prophezeiung noch ausbleibt.
Fragt man welche Grundlage es zu dieser Annahme gibt, oder welche biblische Aussage es vermuten lässt, das eine Prophezeiung an das damalige Israel eine größere Erfüllung haben soll, dann auch noch als ein „Paradies auf Erden“, so wird man dies allein mit der Bibel nicht mehr begründen können.
Es wird einfach postuliert, indem man den Mitgliedern einredet, dass wenn Grundsätze (Beispiel eines Grundsatzes: „Du sollst nicht stehlen“) auf heute übertragbar sind, sich das auf Prophezeiungen auch umsetzen ließe – gestützt wird dieser Gedanke mit den Bibelvers aus Römer 15, 4, welcher aus der NWÜ in der Literatur für ZJ wie folgt wiedergegeben wird:
 
„Denn alles, was vorzeiten geschrieben wurde, ist zu unserer Unterweisung geschrieben worden...“
 
Dieser Bibelvers wird, obwohl die Zweckentfremdung offensichtlich ist, als ein „immer gültiger Grundsatz“ angeführt, dies, obwohl der Schreiber einer solchen Handhabe selber nie nachgegangen ist.
Ein Kenner des Römerbriefes weiß dagegen um den Kontext dieses Verses, wo es den Schreiber um einen Bezug zu den Psalmen als Prophezeiungen auf Jesus bezogen geht, welcher ebenso die Heiden in den Heilsplan Gottes mit einbezieht.
Doch in der Wachtturm-Literatur findet Römer 15, 4 auch dann Anwendung, selbst wenn es offensichtlich ist, das dieser Vers nur deshalb zweckentfremdet wird,
um eine "biblische Grundlage" bieten zu wollen, um andere Verse ebenso aus dem Zusammenhang gerissen verwenden zu können – fernab jeglich vernünftigen Vorgehensweisen...
Aber ansonsten ist so etwas eine unbegründete Willkür seitens des “Sklavens“, welche der ZJ auch nur so weitergibt.
Es ist eine logische Folge der inneren Unterwerfung zu einer LK, von der er glaubt das diese von „Jesus eingesetzten Männer“ es eben besser wüssten...
 
Eine eigens durchgeführte Literarkritik an diesen Passagen würde den Studierenden klar ersichtlich machen, das die Passagen aus Jesaja eben keine größere Erfüllung beinhalten und von daher auch jede Behauptung in diese Richtung willkürlicher Natur sind.
Ein für sich bestehender Sachverhalt bleibt eben ein solcher.
 
Doch dieses „Paradies auf Erden“ wird ja nicht erst seid 2005 gelehrt.
Sehr ausführlich, aber genauso irreführend, wurde es auch im „Erkenntnisbuch“ vermittelt; Kap.1, S.9-10:
 
Krankheit, Alter und Tod wird es nicht mehr geben.
„Zu jener Zeit werden die Augen der Blinden geöffnet, und die Ohren der Tauben, sie werden aufgetan. Zu jener Zeit wird der Lahme klettern wie ein Hirsch, und die Zunge des Stummen wird jubeln“ (Jesaja 35:5,6). „Gott selbst wird bei ihnen [den Menschen] sein. Und er wird jede Träne von ihren Augen abwischen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch wird Trauer, noch Geschrei, noch Schmerz mehr sein. Die früheren Dinge sind vergangen“ (Offenbarung 21:3, 4)...
Verbrechen, Gewalttätigkeit und Bosheit werden für immer beseitigt sein. „Die Übeltäter, sie werden weggetilgt, . . . nur noch eine kleine Weile, und der Böse wird nicht mehr sein; . . . er wird nicht dasein. Die Sanftmütigen aber werden die Erde besitzen“ (Psalm 37:9-11). „Was die Bösen betrifft, von der Erde werden sie weggetilgt; und die Treulosen, sie werden davon weggerissen“ (Sprüche 2:22)...
Weltweit wird Frieden herrschen.
„Kriege läßt er [Gott] aufhören bis an das äußerste Ende der Erde. Den Bogen zerbricht er, und den Speer zersplittert er“ (Psalm 46:9). „Der Gerechte [wird] sprossen und Fülle von Frieden, bis der Mond nicht mehr ist“ (Psalm 72:7)...
Es wird sichere Wohnverhältnisse und befriedigende Arbeit geben. 
„Sie werden gewiß Häuser bauen und sie bewohnen . . . Sie werden nicht bauen und ein anderer es bewohnen; sie werden nicht pflanzen und ein anderer essen. Denn gleich den Tagen eines Baumes werden die Tage meines Volkes sein; und das Werk ihrer eigenen Hände werden meine Auserwählten verbrauchen. Sie werden sich nicht umsonst abmühen, noch werden sie zur Bestürzung gebären“ (Jesaja 65:21-23)...
Gesunde Nahrungsmittel werden im Überfluß vorhanden sein.
„Es wird Fülle an Getreide auf der Erde geben; auf dem Gipfel der Berge wird Überfluß sein“ (Psalm 72:16). „Die Erde selbst wird bestimmt ihren Ertrag geben; Gott, unser Gott, wird uns segnen“ (Psalm 67:6)...
Es wird wunderbar sein, ewig auf der paradiesischen Erde zu leben. 
„Die Gerechten selbst werden die Erde besitzen, und sie werden immerdar darauf wohnen“ (Psalm 37:29). „Die Wildnis und die wasserlose Gegend werden frohlocken, und die Wüstenebene wird voller Freude sein und blühen wie der Safran“ (Jesaja 35:1).“
 
 
Auch hier findet also die Exkursion querfeldein durch die verschiedensten Aussagen der Bibel statt, wo zweckentfremdete Verse ein Gesamtbild von diesem „Paradies auf Erden“ prägen sollen.
Hier in diesen Anführungen sollte man nun der Vollständigkeit halber auch dieses Werk erwähnen:
„Paradiesbuch“; S.10-14 (die schönen Bilder vom „Paradies auf Erden“ muss sich hier der Leser gedanklich selbst ausmalen):
 
 
Sieh dir die folgenden Seiten an. Was für ein Leben führen diese Menschen? Wärst du gern unter ihnen? Natürlich, wirst du sagen. Wie glücklich und jugendlich sie aussehen! Würdest du es glauben, wenn dir jemand erklärte, diese Leute seien schon jahrtausendealt? Wie uns die Bibel sagt, werden die Alten wieder jung, die Kranken wieder gesund und die Gelähmten, Blinden, Tauben und Stummen von ihren Behinderungen geheilt werden. Als Jesus Christus auf der Erde lebte, heilte er oft Kranke durch ein Wunder. Dadurch zeigte er, wie in der herrlichen Zeit, die nicht mehr fern ist, alle Lebenden zu vollkommener Gesundheit gelangen werden (Hiob 33:25; Jesaja 33:24; 35:5, 6; Matthäus 15:30, 31)...
Sieh nur, welch eine liebliche Wohnstätte dies ist! Wie Christus verhieß, ist es wirklich ein Paradies, ähnlich wie das, das den ungehorsamen ersten Menschen verlorenging (Lukas 23:43). Und achte auf den Frieden und die Eintracht, die dort herrschen. Menschen aller Rassen leben wie eine Familie zusammen. Sogar die Tiere sind friedlich. Siehst du das Kind, das mit dem Löwen spielt? Aber es besteht kein Grund zur Beunruhigung. Der Schöpfer erklärt: „Beim Böcklein wird selbst der Leopard lagern, und das Kalb und der mähnige junge Löwe und das wohlgenährte Tier, alle beieinander; und ein noch kleiner Knabe wird sie führen. . . . Und selbst der Löwe wird Stroh fressen so wie der Stier. Und der Säugling wird gewißlich auf dem Loche der Kobra spielen“ (Jesaja 11:6-9)...
In dem Paradies, das Gott dem Menschen geben will, wird man allen Grund haben, glücklich zu sein. Die Erde wird eine Fülle guter Nahrung hervorbringen. Keiner wird je wieder hungern (Psalm 72:16; 67:6). Kriege, Verbrechen, Gewalttätigkeit, ja sogar Haß und Selbstsucht werden vergangen sein — für immer! (Psalm 46:8, 9; 37:9-11). Glaubst du, daß das alles möglich ist? ...
Überlege einmal: Würdest du nicht allem, worunter die Menschen leiden, ein Ende machen, wenn du die Macht dazu hättest? Würdest du nicht Zustände herbeiführen, nach denen sich der Mensch sehnt? Natürlich! Und genau das wird unser liebevoller himmlischer Vater tun. Er wird für unsere Bedürfnisse sorgen, denn in Psalm 145:16 heißt es über ihn: „Du öffnest deine Hand und sättigst das Begehren alles Lebenden.“ Doch wann wird er das tun?“
 
 
Ich darf also feststellen, dass bewusst Bibel-Zitate aus dem Kontext gerissen werden, um eine Zukunftsvision zu konstruieren, was das „Paradies auf Erden“ nun mal darstellen soll.
Genauso könnte man aus Teilen anderer Fotos ein neues Bild konstruieren und behaupten dass dieses Bild „das eine und echte Foto“ sei, weil es dieselbe Grundlage habe, aus denen es konstruiert wurde.
 
 
Was fehlt, das wird dann selber hinzu gemalt - hier wird mehr drum herum geredet als wie es die Bibelverse hergeben.
Emotional fühlbares soll als erreichbar in Aussicht gestellt werden.
Für einen Bibelgelehrten würde dieses Vorgehen ein ganz klarer Verstoß gegen die Formkritik bedeuten, einer fahrlässigen Nichtbeachtung der zweckgerichteten Analyse von Bibelaussagen.
Sieht so ein authentisches „Bibelstudium“ aus?
Vor allem wenn man so „querfeldein“ vorgeht?
 
Würde man nach dem tatsächlichen Endbild der Bibel fragen, so würde man feststellen dass das Wesentliche fehlt:
Das „himmlische Jerusalem“, in welches Juden (die „144.000“) und Menschen die sich auf den neuen Bund eingelassen haben (die „große Volksmenge“) gleichermaßen mit Gott zusammen wohnen, würde auf die Erde herab kommen.
Gott will persönlich bei den Menschen wohnen, dies in alle Ewigkeit.
Dies nur mal, wie es das Bibelbuch „Offenbarung“ in seinen letzten Kapiteln beschreibt.