4.2. Gedanken zum "Wort Gottes"

 
 
4.2. „Gottes Wort“
 
 
Die Bibel wird also auch oft als das „Wort Gottes“ benannt – das alleine würde mich gar nicht stören.
Es kommt jedoch meiner Meinung nach viel eher darauf an, wieso das jemand sagt.
 
Es ist nun mal ein gewaltiger Unterschied, wenn man als Chris die Bibel für sich so persönlich benennen möchte, oder ob man es durch eine manipulative Übertragung (wie die des „Sklaven“) als „Gottes Wort“ und damit als Autorität für das Leben des Gläubigen anerkennt.
 
Die Gefühle für dieses Buch können in beiden Fällen dieselben sein, wobei die Übertragung an sich der unnatürliche Weg ist.
 
Derjenige, der von sich aus sein Empfinden ausdrückt, das er das Empfinden hätte, Gott würde durch dieses Buch zu ihm sprechen, dies in eine aktuelle Situation hinein, oder während des lesens neue Eindrücke als von Gott kommend empfindent, der hat nun mal eine ganz andere Basis zur Bibel.
Dort, wo aus einer Verpflichtung heraus gesagt werden muss, das seine Art der Religion es so vorgibt, das die Bibel Gottes Wort sei ist klarerweise eine verkrampfte Basis - hier spielen Gruppenzwang und Angst vor einer abweichenden Meiung, sowie die Verpflichtung genau so zu betrachten, wie es die Gruppierung tun muss.
 
Hier sei daher auf folgende Sachverhalte hingewiesen, über die sich der Gläubige vielleicht noch gar keine Gedanken gemacht hat, wo ich wie folgt ein paar Fragen in den Raum werfe und dann auch nur eine Meinung, wie sie nur meine sein kann, zu vermitteln:
 
Was ist die Bibel?
 
Es gibt, wenn ich es genau nehmen würde, kein „Bibelzitat“.
Ein Bibelzitat wäre es, wenn z.B. der Psalmist ganz bewusst an der Bibel geschrieben hätte.
Der Psalmen-Komponist hat aber nur einen Psalm geschrieben und nicht die Bibel – wir können also genau genommen nur einen Psalm zitieren.
Denn der Schreiber kann gar nichts dafür, wenn seine Verse erst Jahrhunderte später mit in diese Büchersammlung eingereiht wurden.
 
Genauso kann keiner dieser Schreiber etwas dafür, dass jemand seine Gedanken mit in einen Buch namens Bibel eingereiht hat.
Denn der Zweck seiner Niederschrift war jeweils ein anderer.
Ich komme also gar nicht drumherum festzustellen, das keiner der Schreiber sich aktiv an dem Schreiben der Bibel beteiligte.
Keiner dieser Schreiber wusste davon, dass seine Worte zu einem anderen Zweck, in einer sogenannten Bibel, zusammen mit den Gedanken anderer Schreiber zusammengefasst würden.
 
Ich glaube das es sehr wohl aufrichtige Gläubige waren, welche ganz bewusst diese Sammlung von kleineren Büchern, Briefen und
Liedern zusammengestellten, da sie alle miteinander auf die Figur Jesu Christi auslegbar sind und die Grundlagen zur Hoffnung des damaligen und heutigen Christen wiedergeben.
Dabei enthält sie Zeitzeugnisse aus verschiedenen Epochen darüber, wie die damaligen Gläubigen sich jeweils mit ihrer Religion und der
damaligen Gesellschaft beeinflusst sahen, wenn es u.a. um die Werte der damaligen Gesellschaft geht, welche mit in die Religion eingebunden
wurden.
 
Ist die Bibel „immer aktuell“?
 
Genauso liefert die Bibel Auskunft darüber, wie der damalige Entwicklungsstand des Menschen in seiner Selbstsicht war; damit meine ich das Zuschreiben und Erkennen des Wertes eines Menschen an sich.
Z.B. war zu biblischen Zeiten das Halten von Sklaven etwas völlig normales.
Der Mensch sah sich noch nicht als gleichwertig, während wir uns heute darüber nur innerlich erschaudern können.
Heute muss man klar sagen, dass die Bibel an keiner Stelle die Sklaverei verurteilt, der Mensch von heute jedoch um so mehr (zum größten Teil
zumindest).
D.h. dass die Bibel kaum etwas darüber aussagen kann, warum der Mensch sich selber und seinen Mitmenschen einen anderen Wert zuschreibt, weshalb die Sklaverei abgeschafft wurde.
Hier wird mir jeder Christ von heute zustimmen wollen, dass kein Christ auf Erden heutzutage noch einen Menschen versklaven würde, was aber zu biblischen Zeiten eine Realität war.
Ich zumindest würde es heute für unchristlich halten.
 
Wenn ich mich also heute frage wieso das damals „okay“ war, komme ich zu keinen anderen Schluss, als das der Mensch sich in seiner Selbstsicht, resultierend aus der Frage was der Mensch eigentlich ist, eine Weiterentwicklung erlebt hat, welche er mitnichten der Bibel zu
verdanken hat.
Selbst der Bibel-Gläubige wird hier zustimmen müssen, das die Bibel an sich mit der Entwicklung des Menschen, wenn es um seine Selbstsicht
geht, fast gar nicht befasst, welche nur in der Frage beantwortet werden kann, was der Mensch eigentlich ist.
Die Bibel selber kann nur widerspiegeln, auf welchen Entwicklungsstand sich der Mensch damals befand, was sich in seiner damaligen Religion widerspiegelte.
Das der Mensch inzwischen dazugelernt hat (dies in allen möglichen Facetten des Menschseins), ist nicht der Bibel zu verdanken, sondern
allein Menschen, die sich den Wert seiner selbst bewusst geworden ist, was u.a. auch ein Resultat dem Streben des Menschen nach neuen
Wissen zu verdanken ist, welches mit zu dem „Gesamtbild Mensch“ beigetragen hat.
Als Gläubiger sage ich, das diese neu erworbenen Kenntnisse eine Gabe Gottes sind.
 
Ein anderes Beispiel ist das Bild der Gesellschaft über die Frau, welches ebenso hinterfragt werden darf.
Denn auch heute wird die Rolle der Frau in vielen Kulturen runter gespielt.
Kann man der Bibel entnehmen, das Frauen in der Gemeinde nur mit Kopftuch beten sollten, an anderer Stelle sollten diese kein Lehramt
einnehmen.
Der Bibel-Fundamentalismus wird sich dran halten wollen.
Aufgeklärte Christen dagegen schätzen es dagegen, sich ebenso von den Gedanken einer Glaubensschwester aufbauen zu lassen.
Ich persönlich würde so manche Gebet vermissen, welches ich in meiner Wahlgemeinde schon erleben durfte – gehalten von Frauen.
Bei ZJ undenkbar.
 
Was sollte dies einem Gläubigen Menschen sagen?
Eben das man nicht nur sein Weltbild und damit verbunden das Selbstbild über den Menschen allein aus der Bibel beziehen sollte.
Im Gegenteil - der Mensch darf sich weiterentwickeln in seiner Selbstsicht.
Und mit dem Menschen die Religion - aber umgekehrt, wenn die Religion nur Einfluss auf den Menschen nimmt, man keine
Weiterentwicklungen in der Religion zulassen würde, dann bewegen wir uns in einem fundamentalistischen Glauben.
 
Das Evangelium, die Lehraussagen welche aus dem Wirken und Lehren der Person Jesus Christus entstanden sind, sind dagegen das,
was in der Christenheit immer aktuell war und auch bleiben wird.
 
Wozu die Bibel?
 
Wenn ich mich also mit der Bibel beschäftigen, dann darf ich mich fragen wozu diese 66 (mit den so genannten „Apokryphen“ einiges
mehr) Schriftstücke so zusammen getragen wurden, so wie ich sie heute vorfinde, wo ich dann vermuten kann, das hier das bereits
erwähnte Bemühen der Gläubigen nachsagen kann, eine Kanonzität um die Figur Jesu Christi herum zu bilden.
Diese Bücher wurden deshalb zusammengestellt, weil sie zusammengenommen zur Glaubensfindung an den Sohn Gottes
beitragen können.
Die gesammte damalige Gemeinde verwendete die geläufigen Schriften, welche dann nur noch pro Forma in einem Werk zusammengestellt wurden.
 
Aber genau hier, hinter dieser Auslegbarkeit auf den „Sohn Gottes“ hin, sollte man einen Punkt machen – Gottes „geschriebenes Wort“ sollte
also nur zu Gottes „lebendigem Wort“ (eine biblische Bezeichnung für Jesus) führen - das sollte ein Hauptanliegen des Christen sein wenn er in
der Bibel liest, das er sie mit als einen Einfluss für seinen Glauben an Jesus Christus nimmt, durch den der himmlische Vater geehrt werden
darf.
Soviel also zu dem Hauptzweck der Bibel.
Was jedoch alles andere angeht, die Wertvorstellungen und Geschichten alter Zeiten, die Praxis in den ersten Gemeinden, darf kritisch betrachtet werden, getreu dem biblischen Motto: „Prüfet aber alles, das Gute haltet fest.“ 1.Thessalonicher 5, 21; Elberfelder.
 
Der Mensch und die christliche Religion haben sich weiterentwickelt, ganz ohne Frage – die Bibel jedoch nicht, weil sie ein festgeschriebenes
Buch ist, was sie vom Menschsein unterscheidet.
Aber der Mensch lebt und darf sich weiterentwickeln, sich Wissen aneignen, gerade weil er die gottgegebenen Fähigkeiten des dazu -lernens besitzt.
Die Bibel besitzt an sich, von den Grundmotiven ihrer Autoren her, kaum eine Existenzberechtigung, wenn ich nur danach gehen würde,
dass diese Schreiber sich einer zukünftigen Einfügung in einer Bibel sich gar nicht gewahr sein konnten.
 
Da es jedoch Menschen gegeben hat, die beim Lesen der in ihr enthaltenen Schriften für sich einen Zugang zum Glauben gefunden haben, oder zu Gott selber, er Dinge finden wird, die es Wert sind zu glauben, wird es auf vielen anderen Ebenen für einen Gläubigen immer eine Grund geben, weshalb er dieses Buch schätzen wird.
Jeder gläubige Christ, der durch die Bibel zum Glauben gefunden hat, ist eine Existenzberechtigung für dieses Buch.
 
Ab wann ist die Bibel das „Wort Gottes“?
Diesen ursprünglichen Zweck ihrer Zusammenstellung durch die Vorgabe das dieses Buch in seiner Gesamtheit das „Wort Gottes“ sei, zu überschreiten, dies unumstößlich für alle Christen, ist jedoch m.E. problematisch.
 
Wenn es auch menschlich nachvollziehbar ist, das viele Christen heute dennoch für sich in der Bibel eine göttliche Fügung sehen, was in Verbindung mit dem „heiligen Geist“ geschieht, den persönlichen Eindruck das Gott durch einen Vers ihn persönlich anspricht, dann
habe ich nicht das Recht mir darüber das „Maul zu verbiegen“.
 
Und wie schon gesagt, habe ich nichts gegen diesen persönlich empfundenen Eindruck, der persönlichen Beimessung an göttlicher
Autorität, wenn der Gläubige wirklich von alleine diesem Empfinden nachgeht – jedoch sollte es bei dieser natürlich gewachsenen
Meinung bleiben.
 
Denn das Problem ist sonst die Übertragung, mit der auf jemand anderen dieser einst persönliche Eindruck weitergegeben wird.
Klar kann man begeistert sein, aber diese Begeisterung ist nicht wirklich hilfreich, denn der Mensch gegenüber besitzt
wahrscheinlich nicht dieses Empfinden, das die Bibel „Gottes Wort“ ist, bzw. das „Gottes Geist“ durch dieses Buch in sein Leben hinein
spricht.
Es ihm einzureden ist ebenso wenig sinnvoll, da es dann ein übertragener Eindruck ist, aber zu dem wäre er dann nicht selber
gelangt – die Fremdübertragung einer subjektiven Empfindung in der Frage nach einer „göttlichen Autorität“ ist daher immer fraglich.
 
„Gott zieht den Menschen“ - was soll ich da Thesen aufstellen, nach der niemand gefragt hat?
Wieso soll ich jemanden meine Sicht aufdrängen, wenn es ihm nicht hilfreich wäre, da es für so einen immer besser wäre, selber zu dieser Sicht zu gelangen...?
Wenn man nur mit Übertragungen arbeitet, wie kann dann „Gott den Menschen ziehen“?
Klar kann man an Gott glauben, dies aufgrund eigener Rückschlüsse und im Vertrauen auf andere Gläubige.
Der biblische Glaube ist aber der, das man Gott selber erleben darf, durch heiligen Geist.
Wer Gott nie persönlich erlebt hat, der hat nur einen theoretischen Glauben.
 
Das wirklich spirituelle Erlebnis, das Gott im Leben des Gläubigen interagiert, betrachte ich als ein persönliches Geschenk, welches mir
auch nur gegeben wurde... doch das ist ein anderes Thema.
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Nicht so der „Sklave“.
Seine Methodik sieht es vor, sogar diese Empfindungen vorzugeben, bzw. zu übertragen.
 
Kann die Bibel sich selber bestätigen?
 
Der Bibel-Kundige mag einwenden, das die Bibel in 2.Timotheus 3,16-17 doch sehr wohl ihre eigene „göttliche Autorität“ bestätigt.
Doch das ist m.E. grundverkehrt.
Jeglicher Bibelvers, welcher dem Anschein nach auf die Bibel auslegbar wäre, kann sich gar nicht um einen solchen handeln welcher die Bibel
betrachtet, da die Bibel in ihrer Zusammenstellung erst sehr viele Jahrhunderte später vollzogen wurde, von der selbst der damalige
Apostel nichts wissen konnte.
Er hatte nun mal keinen Einfluss darauf, welche Bücher, Briefe und Psalmen überhaupt mit eingeführt wurden.
Oder was ist mit den Schriften, die verloren gegangen sind, die aber vielleicht mit dazugehören sollten?
Der damalige Jude im NT hat sich ebenso wenig auf die Bibel, auf das was wir heute so benennen, beziehen können.
Das, worauf man sich zu Zeiten des NT bezog, das waren „das Gesetz und die Propheten“ (Lukas 24, 44; Apostelgeschichte 24, 14; 28,23), aber das war nicht  die „Bibel“ - nicht das was wir heute unter diesen Begriff verstehen.
Die Bibel kann an keiner einzigen Stelle ein Zeugnis über sich selber ablegen - aber das ist ja auch nicht der Grund weshalb sie so
zusammengestellt wurde, wie sie ist.
 
Ob sie aber als „Gottes Wort“ verstanden werden sollte oder nicht, sollte jedoch einzig das Ergebnis einer persönlichen Bewertung sein, niemals
die Übernahme einer Lehrvorgabe oder einer emotionalen Übertragung.
 
 
Wieso also ein Bibelfundamentalismus bei den ZJ?
 
Der „Sklave“ der ZJ setzt entgegen solcher simplem Überlegungen darauf, dennoch einen Bibelfundamentalismus nachzugehen, da so die Bibel als ein Werkzeug gebraucht werden kann, aus der Aussagen so verwendet und ausgelegt werden können, das die ZJ aufgrund der auferlegten „göttlichen Autorität“ des „Sklaven“, Dinge tun und glauben müssen, die ansonsten kein Christ auf Erden ausleben würde.
 
Dabei verwendet der „Sklave“ die Bibel nach eigenen Gutdünken, was u.a an einem markanten Beispiel hier im Kapitel noch belegt wird.
Diesem Gutdünken sind die ZJ aufgrund ihrer eingegangenen Verpflichtung der „Organisation Jehovas“ gegenüber ausgeliefert, ohne Aussicht darauf, das berechtigte Kritik oder das Aussprechen einer abweichenden Meinung jemals von Erfolg gekrönt sein könnte.
 
Doch was wäre das Gegenteil von willkürlicher Bibelauslegung?
 
Das wäre eine auf sinnvollen Methoden basierende Bibelauslegung, welche hier noch mit vorgestellt wird.