4. Bibelfundamentalismus und der Fundamentalismus des "Sklaven"
 
„Ich weiß, daß nach meinem Weggang
bedrückende Wölfe bei euch eindringen
und die Herde nicht schonen werden,
und aus eurer eigenen Mitte werden Männer aufstehen
und verdrehte Dinge reden,
um die Jünger hinter sich her wegzuziehen.“
 
Apostelgeschichte 20, 29-30 – „NWÜ
 
 
 
Zeugen Jehovas halten sich an die Bibel, jedoch noch mehr an dem was der „Sklave“ sagt – zumindest was die Glaubensinhalte, die vermittelten Werte und internen Verhaltensweisen betrifft.
Dies anzuerkennen mag unter dem Aspekt der Religionsfreiheit deren gutes Recht sein – sie verzichten bewusst und freiwillig auf ihre eigene Meinung und sind damit einverstanden, bei der Benennung einer eigenen Ansicht, welche entgegen den Lehren des „Sklaven“ steht, aus der Gruppierung ausgeschlossen zu werden.
 
"Totalitäre Identität schafft nur eine vordergründige Zufriedenheit - sie ist im Grunde genommen der erste Schritt zu einem Phlegma, aus dem heraus neue Identitätskrisen erwachsen"
- (aus Psychologie & Seelsorge v. Michael Dieterich - Brockhaus Verlag)
 
Ich denke das Religionsfreiheit in Wahrheit bedeutet, trotz einer eigenen/abweichenden Ansicht, welche man aufgrund der Meinungsfreiheit haben dürfte, dennoch Teil der Gruppierung sein zu dürfen, wo man seine Religion ausleben will.
Die Art und Weise wie ein ZJ seine „Freiheit“ auslebt, ist also im Grunde eine Illusion.
 
Ein ZJ versteht sich nicht direkt als Bibelfundamentalist, da er z.B. die Schöpfungsgeschichte insofern relativiert, weil der „Sklave“ einen „Schöpfungstag“ z.B. durchaus einen weit längeren Zeitraum als 24Stunden zugesteht, um diese Geschichte als etwas glaubwürdiger anpreisen zu können – die Bibel wird also nicht immer wortwörtlich ausgelegt.
 
Dennoch sieht sich ein ZJ unter dem Einfluss des Sklaven als „Bibelgläubig“, eine umgewandelte Form des Bibelfundamentalismus, da der „Sklave“ derjenige ist, welcher diesen Glauben fördert und die Bibel in allen ihren Aussagen als glaubwürdig anpreist.
 
Der Fundamentalismus des „Sklaven“ ist aber der eigentliche Glaube des ZJ.
Die Bibel ist nur das Werkzeug und wird auch in der Öffentlichkeit als „Hauptlehrbuch“ vorgehalten.
Das aber intern der „Sklave“ mit seiner „geistigen Speise“, seinen Publikationen die Vorgaben auferlegt, wird in der Öffentlichkeit einfach nicht erwähnt (siehe -> 5.10.Theokratische Kriegslist).
 
Tatsächlich wird dem Interessierten vorenthalten, ja es wird kein einziges mal in dem Buch „Was lehrt die Bibel wirklich“ erwähnt, das ZJ sich an die Anleitungen des Sklaven halten müssen, oder sich an seine Vorgaben durch die Organisation und Ältesten halten müssen – dagegen hatten die Vorreiter an „Heimbibelstudienhilfsmittel“ (HBSH), sehr wohl (und sogar mit „Begründung“) auf die interne Rolle des „Sklaven“ hingewiesen.
Wie dies derzeit also gehandhabt wird, wie es einem Neuling die Rolle des „Sklaven“ zu vermitteln gilt, ist aus meiner Sicht offen.
Man rechnet vielleicht mit der Gruppendynamik mit der ein emotional vereinnahmter Interessierter ohnehin blind einer Masse folgt.
 
Jedoch wird er u.U. erst mit den „Tauffragen“ (ein Treffen zwischen Ältesten und dem Taufanwärter wo abgeklopft wird ob er als Zeuge Jehovas das „richtige Wissen“ besitzt und ob er schon als solcher lebt) damit konfrontiert, welche erst nach dem „Studium“ besprochen werden – aber bis dahin ist er, wie schon erwähnt, längst vereinnahmt worden.