3.4. Methode: „Ansprechen der potentiellen Zielgruppe“

 

„Mehr als alles sonst, was zu behüten ist, behüte dein Herz, denn
aus ihm sind die Quellen des Lebens.“
 
Sprüche 4: 23 - „Neue-Welt-Übersetzung“ (NWÜ)
 
 
 
 
Das Herz „behüten“.
Ein weiser Rat.
Und würde ihn jeder beachten, so gäbe es z.B. keine Betrugs-, oder Sektenopfer.
Doch egal welche Gründe dahinter stehen, wieso jemand sich mehr mit der Bibel beschäftigen möchte, wird man nicht drum herum kommen sie auch persönlich zu lesen.
Wieso auch nicht?
Ein Bibelstudium an sich könnte eigentlich eine entspannende und vor allem interessante Sache sein.
Schon allein wegen des kulturellen Erbguts.
Für einen Christen ist es sogar eine Art Kraftquelle.
 
Anders ist es beim „Studium“ bei den ZJ – hier wird lediglich ein Buch betrachtet.
Bei einem Studium der Bibel geht es in erster Linie eigentlich darum, sich wirklich allein mit der Bibel zu beschäftigen – dies sollte, so will man meinen, zumindest in erster Linie der Fall sein.
Beim „induktiven Bibelstudium“ gehört es vergleichsweise mit zur Methode, ein Kapitel 4-6x zu lesen, um sich persönlich, nach undnach, gezielt diverse Zusammenhänge heraus selber zu arbeiten.
Der Leser bemerke also das Paradoxon des „Bibelstudiums“ der ZJ, welches eines externes Buch sowie die darin vorgegebenen enthaltenen Erklärungen betrachtet – die Organisations-egoistischen Gründe hierfür wurden schon im vorigen Kapitel aufgereiht.
 
 
Im Kapitel 1 wurde schon auf den Begriff „geistige Speise“ aufmerksam gemacht.
So ein Beispiel was ein ZJ als „Speise“ ansehen würde ist ganz klar das Buch „Was lehrt die Bibel wirklich?“.
Mit besagtem Buch wird nun aber auch zunächst das Ziel verfolgt, den Menschen dort „abzuholen“, ihn dort zu „treffen“, sprich anzusprechen, was ihm gerade „wichtig zu sein scheint“, ihn „bewegt“ - dies in seinen Wünschen und Bedürfnissen.
Man bedenke, dass die zusätzlichen emotionalen Wünsche die man in einer Religion erfüllt finden mag, erst mal nicht bewusst vorhanden sein müssen, sondern rein unbewusster Natur sind.
Ein Mensch kann für seine inneren Beweggründe oft keine Erklärung abgeben, weil er sich derer schlicht nicht bewusst ist.
 
 
Rein optional mag der Suchende also innerhalb einer Religionsgruppierung anbeten und Gemeinschaft pflegen wollen.
Doch wenn es um die emotionalen Wunden, Suche nach Integrität, oder ähnlich gelagerten Bedürfnissen (wie der Wunsch nach der „heilen Welt“) geht, wird die Religion äußerst selten als bewusste Option gewählt – zumindest kenne ich keinen Atheisten der in die Kirche geht, nur damit er soziale Kontakte pflegen kann – nur der Gläubige wird diesen zusätzlichen Nutzen in Anspruch nehmen wollen.
Wenn ein Mensch wüsste, dass er aufgrund einer negativen Prägung oder einem emotionalen Defizit durch Leben geht, so würde er sich besser gezielt helfen lassen können.
Jedoch ist das psychologische Verständnis und das Wissen schlicht nicht vorhanden, bzw. in unserer Gesellschaft noch nicht so weit ausgeprägt, so dass unbewusst in einer Religion eine „Heilung“ erhofft wird, weil die entsprechend notwendige Diagnose bei sich selber nicht getroffen werden kann.
Auch war es einige Jahrzehnte so, das es verpönt war zu einem Psychologen oder Psychiater zu gehen, da Unwissenheit zu einer Angst geführt hatte, für „anders“ gehalten zu werden.
Zum Glück haben sich die Zeiten in dem Punkt geändert, zumindest in aufgeklärten Gesellschaftskreisen.
 
 
Ansonsten schließen sich nun Möglichkeiten auf, wo eine Religionsorganisation problemlos anknüpfen kann, um gezielt diese unbewussten Wünsche zu ihren eigenen Zweck zu verwerten.
Im Prinzip werden solche Menschen dann als idealisierte Zielgruppe angesprochen, was schon jahrelang als eine Methode bei den ZJ zur Findung neuer Mitglieder praktiziert wird.
Im Buch „Was lehrt die Bibel wirklich?“, sowie seinen Vorgängern, findet man Vorgehensweisen, welche an sich nicht in der Bibel zu finden sind – und damit ist nicht allein das „Frage- und Antwortspiel“ gemeint.
Was ich meine ist gut erkennbar, wenn man sich die ersten paar Absätze aus diesem Buch genauer Anschaut, S.3:
 
 
„IN DER Zeitung, im Fernsehen und im Radio liest und hört man heute ständig von Kriegen, Verbrechen und Terrorismus. Gleichzeitig hat jeder von uns mit persönlichen Sorgen zu kämpfen. Viele sind krank oder haben einen lieben Menschen verloren und sind deshalb sehr traurig und deprimiert. Manche fühlen sich wie der gerechte Hiob, „mit Trübsal und Elend gesättigt“...
 
Vielleicht fragen auch Sie sich:
Wollte Gott, dass mein Leben und das Leben anderer Menschen so aussieht?
Was hilft mir, mit meinen Problemen fertig zu werden?
Wird auf der Erde wohl jemals Frieden herrschen?
Die Bibel gibt zufriedenstellende Antworten auf diese Fragen.“
 
 
EdA: Ein erster Eindruck.
Der Leser soll hier etwas auf sich persönlich beziehen - "in sich gehen".
 
Schafft man es einen Menschen auf seine emotionalen, oder aber auch seinen materiellen, Bedürfnisse anzusprechen (wie mit manchen Methoden aus der Werbung), dann öffnet er sich und ist leichter zu beeinflussen.
Besitzt man Hintergrundwissen über die Grundbedürfnisse des Menschen, so erkennt man, dass diese gezielt angesprochen werden.
Wenn man bedenkt, dass es sich hier immerhin um ein Buch handelt, welches den Anspruch erhebt sich mit den Lehren der Bibel auseinander zu setzen, einem kostenlosen „Bibelkurs“, so darf ich hier folgendes Fragen:
 
Macht dieses Buch einen sachlichen Eindruck?
Und welche Zielgruppe spricht dieses Buch an?
Menschen die Sachwissen vermittelt bekommen möchten?
 
Eine Gruppe waren die Menschen welche, neben dem Glauben, eine „heile Welt“ suchen.
Aber auch der Mensch der es nicht alleine schafft mit dem Leben fertig zu werden wird hier direkt angesprochen, genauso wie derjenige der nach Antworten sucht.
Anstatt hier also direkt auf die Grundlehren der Bibel zu verweisen, spricht man hier speziell diese Zielgruppen auf ihre unbewusst vorhandenen Bedürfnisse an.
 
 
„... Denken wir nur einen Augenblick an die Ängste und Sorgen, die uns persönlich belasten. Vielleicht sind es finanzielle Schwierigkeiten, Familienprobleme, Krankheiten oder wir haben sogar einen lieben Menschen verloren.“ – („Was lehrt die Bibel wirklich?“, S. 6.)
 
EdA: Nur weil das Buch an dieser hier zitierten Stelle diese Probleme anspricht, kommt es, selbst nicht bei einem Beitritt zur Gruppierung zu einer Lösung der Probleme, sondern im Endeffekt zum Zwang sich der Gruppierung anzuschließen, um der übertragenen Hoffnung zu harren, eventuell in Zukunft mal von den Problemen erlöst zu werden.
In dieser Zeit kommen zu diesen persönlichen Problemen noch die „Harmagedon-Ängste“ sowie viele weitere Lasten eines ZJ hinzu, die der „Sklave“ seinen Anhängern auferlegt.
 
Das profane Ansprechen der persönlichen Probleme soll daher nur neugierig machen, emotionale Belange ansprechen und den Anschein eines Grundes zur Hoffnung erwecken, als wenn es in diesen Leben schon besser werden würde, was aber hier im Anfang des Buches nur als Köder verwendet wird.
Wenn der Interessierte schon vorher fairerweise gesagt bekommen würde, das seine Probleme nicht wirklich gelöst werden, das diese eigentlich nur in eine Hoffnung verpackt werden, dann würde er wahrscheinlich nicht weiter mit den ZJ „studieren“.
Aber dann könnte der „Sklave“ eben nicht sich die Probleme zu Nutze machen, um den Menschen eine Vorgabe zu unterbreiten, wann und unter welchen Voraussetzungen er angeblich seine Probleme gelöst bekommt...