3.3. Unbewusste Erwartungen
 
 
Es gibt aber auch noch eine ganze Reihe von ungenannten Motivationen, welche einige unbewusst nach einer Gruppierung suchen lassen, dies zusätzlich zu den offensichtlichen/optionalen Gründen.
 
Das es solche ungenannten Bedürfnisse gibt lässt sich wie folgt verdeutlichen:
Wer es nie gelernt hat jemanden zu vertrauen, der weiß nicht wie es ist, sich bei einem anderen Menschen fallen lassen zu können.
Da er dies nicht kennt, weiß er nicht wie es ist - er leidet dann zwar unter den Folgen.
Aber er weiß nicht wie er dieses Grundbedürfniss angehen soll, da er es schlicht nicht kennt.
Er merkt nur, das ihm etwas fehlt - sei es aufgrund einer Selbstreflexion oder im Vergleich mit seinen Mitmenschen.
Aber er weiß nicht, was es ist.
Nur ein Beispiel von vielen weiteren Facetten des Menschseins.
 
Da es aber gerade diese unbewussten Wünsche sind welche der Mensch für sich noch nicht artikuliert hat (daher ein unbewusster Wunsch), sucht der „Sklave“ diese Wünsche anzusprechen und ins emotionale Bewusstsein zu rücken.
Dies durch Vorgaben, wie man als „Prediger“ die Menschen an den Türen zu Hause am besten anspricht.
 
Diese, wie folgt angeführten, verborgenen Wünsche spielen somit eine weit größere Rolle in der Mitgliederfindung, als wie die optionalen Gründe (Vollständigkeit nicht garantiert):
 
Je nachdem, was man als Suchender an Negationen miterleben musste, ist es eben auch ein Fakt das der Mensch einen  emotionalen Halt sucht.
Ein Krieg mag eine „heile Welt“ zerstört haben, so dass viele neue „christliche“ Gruppierungen jeweils nach den beiden großen Kriegen aufgrund dieser Nachfrage ein Angebot machen konnten.
Die Zeugen Jehovas waren nur eine von mehreren, welche den Kriegen jeweils einen starken Zuwachs zu verdanken hatten.
Nachfrage: Eine „heile Welt“ - Angebot: „Gottes neue Welt“.
 
Es ist etwas normales, wenn man als Suchender zusätzlich zum Wunsch der Anbetung in einer Religion noch Trost suchen will und finden mag.
Verwerflich ist es nur dann, wenn eine Religionsführung diesen Wunsch zu ihren eigenen Zwecken auszunutzen weiß.
 
Andere „Suchende“ wiederum haben es aufgrund zerrütteter Familienverhältnisse nie gelernt, sich vertrauensvoll zu öffnen, sich anderen mitzuteilen oder einen Fremden gegenüber Freundlichkeit zu erweisen.
Die Rede ist von der Fähigkeit ein normales soziales Umfeld aufbauen zu können, in dem man als Mensch interagieren und sich entfalten könnte, was man in der Regel innerhalb einer gut funktionierenden Familie gelernt haben sollte.
 
Wenn nicht, dann mag so mancher Suchender innerhalb einer Religion noch zusätzlich zur Anbetung den sozialen Kontakt finden
wollen.
Das ist menschlich absolut nachvollziehbar.
Verwerflich ist nur, wenn eine Religionsführung diesen Wunsch nach Gemeinschaft zu ihren eigenen Zwecken zu missbrauchen weiß.
 
Der Unselbstständige hat es nie gelernt selbstständig zu agieren und sucht nach der „Anleitung fürs Leben“.
Aber auch für den unorganisierten Menschen, welcher vielleicht sogar „auf die schiefe Bahn“ geraten ist, mag das Erlernen neuer vorgegebener „sinnvoller“ Tagesabläufe wie eine „göttliche“ Offenbarung erscheinen, wo jedoch die vorigen Abhängigkeiten nunmehr in eine Ausübung einer
Religion verlagert werden.
Therapien könnten hier in jedem Fall besser helfen, als der Suggestion nachzugehen „einer größeren Sache“ zu dienen.
Denn die Illusion „jemand besonderes zu sein“ ist dann eben nur die Folge einer Übertragung.
Ein geringer Teil der künftig Gläubigen sucht jedoch ein gewisses „Reglement“ innerhalb einer Religion, wo es dann eher weniger
darum geht, Glauben und Hoffnung in einer bestimmten Richtung Ausdruck verleihen können, sondern ein zusätzliches Programm für
den Alltag geliefert zu bekommen.
 
Auch klar definierte „Feindbilder“ gehören mit dazu, wen man Vertrauen kann und wem nicht.
Auch Menschen, von einem Militärstaat geprägt, haben den Wunsch nach solchen Vorgaben.
Obschon eine Religion diese Aufgabe nicht übernehmen sollte, wird es manchmal dennoch so gehandhabt.
Die Organisation der Zeugen Jehovas gehört mit zu solch einer Gruppierung, wo das Denken und Handeln von alltäglichen Dingen durch den Einfluss des „Sklaven“ bestimmt werden.
 
Solche Vorgaben sind im Sinne von Vorschlägen nicht verkehrt.
Verkehrt sind sie aber, weil diese mit Ängsten verwoben wurden diese nicht zu befolgen – wo dann eine Abhängigkeit zur „Organisation“
gleich mit den „Vorschlägen“ verwoben wird.
 
Dann sucht der Mensch dann nun mal auch nach Liebe, Vertrauen und Geborgenheit – dies unbewusst auch in einer Religionsgemeinschaft.
Klar ist, dass innerhalb jeglicher Gruppierung wo eine gleiche Sicht der Dinge existiert, ein gewisses „Miteinander“ vorherrschen kann.
Emotional verletzte Menschen mögen hier nach Heilung suchen und aufgrund einer vorherrschenden Liebe innerhalb einer Religion kann es
tatsächlich zu solchen Heilungen kommen.
 
An diesen Wunsch, zusätzlich zur Anbetung dann noch eine emotionale Heilung zu erfahren ist an sich nichts auszusetzen.
Authentische Kirchen und Gemeinden verweisen jedoch darauf, in Bedarfsfällen besser erst eine Psychotherapie oder Gleichwertiges zu
starten, wo man es schaffen kann sich der Wichtigkeit der eigenen Ressourcen bewusst zu machen.
 
Jedoch wird auch leider hier dieser Wunsch nach seelischer Heilung, oder seelischen Frieden, auch von manchen Religionen zu
Eigeninteressen ausgenutzt, was die exklusive emotionale Bindung an die Gruppierung betrifft.
ZJ gehören mit dazu.