2.2 - Die "Kluft zum Christentum"

 

Bekanntlich gibt es bei Jehovas Zeugen Glaubensinhalte welche von der allgemeinen Christenheit abweichen:
Verneinung der Dreieinigkeit, Verneinung der Anbetung Jesu, Verneinung des Kreuzes usw.
Folgende Auszüge aus der WT-Literatur verdeutlichen, auch ohne eimgehemder Analyse, das eine innere Kluft, wenn nicht sogar eine innere Barriere, der Studierende zum Christentum entwickeln soll, um sich dann aber selber als „wahrer Christ“ zu bezeichnen:
 
„Die Einheit der wahren Christen bildet einen auffälligen Gegensatz zur Uneinigkeit in den Kirchen der Christenheit. Diese konnte letztlich nur entstehen, weil ein heidnischer römischer Kaiser im 4.Jahrhundert starken Einfluss auf eine damals weitverbreitete abtrünnige Form des Christentums nahm.“ – WT 15.06.2010, S.14
 
„Doch bald wird er deutlich zu erkennen geben, dass er gegenwärtig ist: wenn er nämlich Jehovas Strafurteil an den verschiedenen Teilen des teuflischen Systems vollstreckt. Das „Offenbarwerden seiner Gegenwart“ wird nicht zu übersehen sein, wenn „der Mensch der Gesetzlosigkeit“ — die Geistlichkeit der Christenheit — vernichtet wird.“ – WT 15.09.2010, S.28
 
 
Ein ZJ ist sogar scheinbar stolz auf diese Abgrenzung, wo ich ebenfalls hunderte von Zitaten in der Art wie hier oben angeführt bringen könnte, wo man nicht versäumt diese Kluft zu erweitern.
Diese Kluft wird aber ohne Ausnahme auch auf alle Religionen gelegt:
 
"Zuerst wird das Urteil an der „großen Hure“ vollstreckt, an Babylon der Großen, dem Weltimperium der falschen Religion"  - WT 15.2.2014 S.10
 
"Jehova wird den Angriff der Vereinten Nationen auf die falsche Religion „verkürzen“ und nicht zulassen, dass die wahre Religion zusammen mit der falschen vernichtet wird." - WT 15.7.2013 S.5
 
Wer selber „Herr“ sein möchte, bei dem dürfen die Anhänger beim Herrn Jesus Christus keinen persönlichen Mentor entdecken.
Eine Religion, wo der Sinn im Leben alleine von dem Glauben an Jesus und der daraus resultierenden Gottesbeziehung zu finden ist, oder besser gesagt „genügen würde“, man aber dennoch als „leitende Körperschaft“ selber „Herr“ sein möchte, da muss erst dieser Jesus seiner Position beraubt werden, damit man das Seelenheil von der Mitgliedschaft, was den Gehorsam gegenüber der Leitenden Körperschaft (dem "Sklaven" als geistige Führung) mit einschließt, abhängig gemacht werden kann.
Auch wenn es letztlich so ist, würde ein ZJ das so nie formulieren.
 
Selbst die „Gnade“ Gottes wird aus derer Bibel buchstäblich verbannt und mit „unverdienter Güte“ übersetzt, um den Mitgliedern zu suggerieren, dass ihre Rettung ja eigentlich „unverdient“ sei und daher mit Glaubenswerken „bewiesen“ werden müsse.
Die Heilgewissheit durch die Gnade Gottes, das Erbe als Kinder Gottes schlechthin, wovon im Römerbrief immer wieder die Rede ist, wird durch Werksgerechtigkeit ersetzt.
Diese „Werksgerechtigkeit“, wo Glaubenswerke zum ewigen Leben führen sollen, dies durch Werbung für die WTG mit deren zu übertragenen Glaubensansichten des „Sklaven“, soll dieses außerbiblische Bild, was die LK über sich selbst liefert (der es mit dem Gehorsam wie Gott gegenüber zu begegnen gilt), als ein Bild der möglich verborgenen Motive zur Verleugnung der übrigen, der „falschen Christenheit“, etwas abrunden.
 
Das diese Jesus-Entfremdung keine Erfindung sondern eine Methode ist, letztlich um an diese Organisation zu binden, ist nun wirklich kein Geheimnis mehr.
Einem ZJ wird daher ein anderer Glaube an Jesus gelehrt, doch nur eben nicht im Sinne des „befreienden“ Evangeliums, sondern viel mehr ein „bindendes“, ein versklavendes.
Das Evangelium der ZJ ist somit ein anderes als das der Bibel und somit anders als das der allgemeinen Christenheit.
 
 
Von daher gibt es einen Grund mehr auf ein „Heimbibelstudienhilfsmittel“ zurückzugreifen, ein Buch mit externen Erklärungen welche die Bibel an sich nicht aufweist, aber nur die ZJ sie lehren...
 
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Hier in Europa mag man sich denken, das wir ja rein kulturell gesehen aufgeklärte Menschen sind, wo man sich per Internet alle Information, das „für und wider“ die ZJ betreffend, besorgen könnte.
Man bedenke dann aber auch, dass in den Entwicklungsländern oder in den südamerikanischen Gefilden eine solche Möglichkeit nicht gegeben ist, so das schlicht und ergreifend die Infos fehlen, so dass diese Organisation tatsächlich in solchen Ländern leicht einen immensen Zuwachs verzeichnen kann.
Einseitige Informationen werden dort schnell zu Hauptinformationen welche das religiöse Weltbild fortan bestimmen mögen.
Und was einmal als „Wahrheit“ erfolgreich suggeriert wurde, legt man nicht so schnell wieder ab.
 
 
Ablauf des "Bibelstudiums":
In der Regel trifft der Zeuge Jehovas sich bei den „Studierenden“ zu Hause und geht gemeinsam mit ihm den verabredeten Lehrstoff durch.
„Unerfahrene Verkünder“ werden das Studium an „reifere Prediger“ abgeben.
Auch wird in der Regel darauf geachtet, dass der ZJ und der“Studierende“ dasselbe Geschlecht haben.
Ein Absatz wird laut vorgelesen und aus diesem Absatz heraus soll die Antwort auf die im Anschluss gestellte Frage gegeben werden, auf die sich der „Interessierte“ vorbereiten konnte.
Die Fragen hat immer der „Lernende“ zu beantworten.
Die Absätze und Fragen sind jeweils durchnummeriert und so aufeinander abgestimmt.
Angeführte Bibelstellen können nachgelesen werden.
Dem Zeugen Jehovas ist dann wichtig zu wissen, ob der Studierende die Ansicht aus dem Buch als seine persönliche Meinung übernommen hat oder nicht, von der dieser meint, das es eine biblische Ansicht ist.
 
Hier sind Diskussionen zwar erlaubt, aber man versteht es diese mehr zu umgehen als wie man diskutieren könnte und sollte.
Z.B. wird mit dem Einsatz von Suggestivfragen eine schnellere Übernahme von Ansichten begünstigt, wo man jedoch erst mal über eine Sache nachdenken sollte...
 
Hat der Interessierte die Lehrmeinung wie gewünscht adaptiert, oder wenigstens verstanden, geht man einen Absatz weiter.
Wenn nicht, dann versucht man „unklare“ Gedanken zu vertiefen, oder zu einem späteren Zeitpunkt neu aufzugreifen.
Dies an sich hört sich nach einem „harmlosen“ Informationsaustausch an, welcher bis zum Ende des Buches fortgeführt wird...
 

 

-> Kapitel 3 – Erreichen der potentiellen Zielgruppen