Traurige Wahrheiten = Neue Perspektiven

Artikel in Arbeit

 

Traurige Wahrheiten - oder eher Chancen für neue Perpektiven?

 

Ehemalige Zeugen Jehovas sind Menschen, die es von Grund auf lernen dürfen, was es bedeutet Mensch zu sein.
Ich kenne kein anderen Menschenschlag der das Leben mehr zu schätzen weiß, als wie ehemalige Zeugen Jehovas, die ihren Ausstieg erfolgreich hinter sich gebracht haben.
Menschen, die noch nie in ihrem Mensch-sein beschnitten wurden, können dies kaum nachvollziehen, aber ich kann es getrost vergleichen, als wenn man aus einem Gefängnis befreit wird.
Doch bis dahin kann es ein langer Weg werden, bis man es geschafft hat, nicht nur körperlich aus der Gruppierung abwesend zu sein, sondern auch Verstandes-technisch, oder was noch länger dauern kann ist die emotionale Befreiung.
 
Ein ehemaliger Sträfling, der es nicht lernt sich der Gesellschaft anzupassen, oder sich zu intregieren, läuft der Gefahr der Rückfälligkeit - bis er schließlich wieder im Gefängnis landet.
In gewisser Hinsicht kann dies einen ehemaligen Zeugen Jehovas auch passieren - einige wollen sogar zurück.
Erst letzten Monat rief mich jemand an, er wolle wieder mit seinen alten lieben Kontakten zusammen sein - kann ich verstehen.
Dies ist ja auch nicht leicht, nach 50 Jahren, wenn man nie selber über das Leben als Mensch eigenständig nachgedacht hat, sondern sich die Art und Weise des Mensch-seins hat vorschreiben lassen, plötzlich versuchen muss alleine klar zu kommen.
Andere Aussteiger, die gar nicht erst zurück wollen, laufen aber immer noch mit den Wachtturm-Prägungen durchs Leben.
Ein Leserbrief erreichte mich, wo nach 15 Jahren zum ersten mal eine Plattform wie diese hier, besucht wurde - ganz einfach, weil da dieses einprogrammierte Gefühl existiert, man müsse solche Informationen meiden ... dies, obwohl niemand mehr Vorschriften macht, wo man diese aufgreifen dürfe und wo nicht.
Durch Fremdübertragung einprogrammierte Prägungen können ein Leben lang halten, auch wenn diese nicht der Realität entsprechen.
 
Einige Aussteiger haben es also nicht leicht.
Besonders jene, die ihre Kindheit bei den Zeugen Jehovas verbracht haben, wo noch zusätzlich die Eltern von den Lehren des "Sklaven" resolut überzeugt waren.
Oder wo die emotionale Verbindung, initiiert durch die emotionale Vereinnahmung, stark verwurzelt war.
Aber auch die Aussteiger, welche die Lehren des "Sklaven" nicht glaubten sondern auch durchlebten.
Nur mal diese als Beispiel, denn es gibt noch andere Gründe, wieso man sich nach so einem Ausstieg erst mal schlecht fühlt - Punkte die ich noch woanders anschneiden werde.
 
So ein Aussteiger kann immer noch der illusionierten Prägung unterliegen, das "Weltmenschen", also die Meschen außerhalb der Gruppierung, Menschen seien, denen man besser nicht vertrauen sollte.
Und bestätigt bekommt man dies leider in manchen Fällen, wo so ein "Weltmensch" merkt, das ein ehemaliger Zeuge Jehovas eine Riesenlast auf den Schultern trägt, mit der er selber lieber nichts zu tun haben will.
Aber versetzen wir uns mal in seine Lage:
Er kann kaum helfen, wenn der Mensch gegenüber Depressionen hat.
Er ist dafür gar nicht gewappnet.
Er besitzt dazu gar keine Kompetenz.
Er selber ersucht es sich zu schützen, als mit unter dieser Last unter zu gehen.
 
Ich persönlich sehe das so:
DER GLÜCKLICHE
ICH FREU MICH FÜR IHN, das er ein Leben führen darf, das frei ist von den Sorgen und Lasten eines ehemaligen Zeugen Jehovas.
 
Es stimmt also:
Es gibt Menschen, die gehen anderen Menschen mit ihren Problemen besser aus dem Weg.
Im übrigen rate ich genau dies jeden ehemaligen Zeugen, wenn er Depressionen hat, sich nicht noch zusätzlich mit den Problemen anderer Leute zu beschäftigen.
Es ist unser aller gutes Recht, so zu tun - womöglich zieht man sich noch gegenseitig runter.
 
Besser und gesünder ist es erst dann sich um neue Bekanntschaften zu kümmern, wenn man weiß und das merkt man auch, das man sich gegenseitig tragen kann.
Ich kenne Aussteiger die dieses Glück hatten, direkt nach dem Ausstieg wahren Engeln begegnet zu sein, welche Nöte und Kummer bemerkten, welche aber auch die innere Kraft besaßen, um mit der Zeugen-Jehovas-Thematik im Gepäck des menschen gegenüber auch umgehen zu können.
Es gilt für jeden Aussteiger, das er Menschen in sein Leben lässt, deren Vorbild und Vorleben "in dieser Welt", auf einer wunderbar menschlichen Ebene, sich verinnerlichen kann.
Anstatt in der Depression zu versinken gilt es sich ein Ziel zu setzen, ein innerliches, ein emotionales Bild, was für ein Mensch man gerne sein könnte - doch dazu später mehr...