1.8. Subjekt, subjektive „Wahrheit“

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1.8. Subjekt, subjektive „Wahrheit“ -
Vorsicht: Wortklauberei  ;)
 
Einem Kleinkind wird beigebracht dass das runde Ding, was da so hüpft und rollt wenn man es wirft, ein Ball ist.
Im Laufe seines Lebens wird er immer wieder Erfahrungen mit einem Ball machen.
Einem ZJ wird beigebracht, dass er mit seiner Religion in der „Wahrheit“ ist.
Im Laufe seines Lebens wird er immer weiter Erfahrungen mit seiner „Wahrheit“ machen.
 
Jeder Ball ist in „Wahrheit“ ein Ball, was seine Bezeichnung in der deutschen Sprache betrifft.
Aber nicht jede „Wahrheit“ ist so wahr, wie ein Ball ein Ball ist.
 
Die Bezeichnung „Ball“ war nur ein Beispiel für „eine“ Wahrheit.
Die „Wahrheit“ ist für einen ZJ aber eben auch „die“ (eine allumfassende) Wahrheit, wenn es um seine Religion geht, der er seinen Glauben schenkt.
Ein ZJ wird nicht hinterfragen, womit seine Religion diese Bezeichnung eigentlich verdient hat.
Ebenso wenig hinterfragt man kaum, wie der Ball zu seiner Bezeichnung kam.
Jeder Mensch verbindet etwas mit einer Begrifflichkeit in seiner Sprache.
Mit einem „Ball“ kann man spielen und in einem „Haus“ kann man wohnen.
 
Was verbindet aber der Mensch allgemein mit dem Begriff „Wahrheit“?
Was klar ist, das sie gegenteilig zur „Lüge“ steht.
Der Wunsch die „Wahrheit“ zu erfahren und nicht angelogen zu werden, ist allgemein ein anerkanntes Beispiel für eine mögliche Verwendung dieses Wortes.
Mit diesem Begriff kann man einen Sachverhalt als eine Tatsache, Realität, Feststellbares oder Wahrnehmbares bewerten.
 
Eine „Wahrheit“ ist also auch eine Aussage die an sich zutrifft.
Eine solche Aussage muss dabei gar nicht mal eine allgemein gültige Ansicht vertreten.
Und die meisten Tatsachen werden nie als Wahrheit bewertet.
Oder denken gerade Sie, lieber Leser, über Ihre real vorhandene Lesefähigkeit nach, an die „Wahrheit“, dass Sie lesen können?
 
Es fängt schon im privaten Rahmen an.
Das, was man als eine „Wahrheit“ bewertet, ist erst einmal davon abhängig, dass es mindestens eine Person gibt, die einen Sachverhalt als „wahr“ erfassen kann.
 
Beispiel:
„Ich habe beim Spaziergang ein Eichhörnchen gesehen.“
 
Der Begriff „Wahrheit“ muss da nicht mal fallen.
Wenn „Schalke04“ 3:0 gewonnen hat, dann ist das zwar eine authentische Aussage.
Doch der Begriff „Wahrheit“ wird dabei nicht zwangsweise fallen müssen.
Genauso wie „draußen ist es warm“, oder „das Fell der Katze ist weich“, es sich um ungenannte Wahrheiten handeln, die in der Regel gar nicht mal als solche bewertet werden.
Es gibt eben Dinge, über die wird einfach so geredet und wo diese Frage gar nicht aufkommt, wobei aber dennoch „Wahrheiten“ ausgetauscht werden.
 
Wenn jemand sagt, „ich esse gerne Bohnen“, dann ist das für einen solchen Menschen eine „Wahrheit“, welche für andere Menschen nicht zutreffen muss.
Dennoch müssen wir, die anderen, mit der „Wahrheit“ leben, dass es Menschen gibt, die gerne die Speisen essen, die wir vielleicht nicht mögen.
Ich hoffe dieser Gedanke zeigt auf, dass der Begriff „Wahrheit“ unterschiedlich beleuchtet werden kann:
Die eigene Ansicht ist eine persönliche Wahrheit, mit der andere Menschen leben müssen, welche diese Ansicht nicht teilen.
Andere Menschen haben dafür ihre eigenen Ansichten, die für jemand persönlich dann eine subjektive Wahrheit darstellt, mit der wir im Idealfall bereits gelernt haben zu leben.
 
Man sollte eine Eigenansicht im Verhältnis zu externen Ansichten, nicht als gegensätzliche Störung auffassen, wie es ein Kleinkind gerne macht, das nur seinen eigenen Horizont zu berücksichtigen vermag, ähnlich beim Soliphisten, wenn es um seine Ansichten geht und sich wundert wieso es Menschen gibt die nicht seine „Wahrheiten“ übernehmen mögen...
 
Eine persönliche Ansicht ist der Sachverhalt, den ein Mensch nur aus gegebenen Umständen, sowie aus Informationen, als Realität („Wahrheit“) erfassen kann.
So kann ein Mensch auch nur das als eine solche erfassen, wie es äußere Einflüsse sowie seine eigenen Fähigkeiten des Wahrnehmens und Denkens auch nur zulassen, etwas als „Wahrheit“ zu verstehen.
Mit anderen Worten:
 
Jeder Mensch birgt in sich sein eigenes Bild über das, was für ihn eine Wahrheit ist.
 
Die subjektive private Meinung, „Bohnen sind lecker“, ist zwar etwas Besonderes für den, der so empfindet und es bestimmt toll findet wenn er Gleichgesinnte findet welche dieselbe „Wahrheit“ teilen – von mir aus können diese auch einen Verein Gründen und monatliche Ausgaben mit den besten saisonalen Rezepten zu publizieren...
Was anderes ist es aber nun, wenn so eine subjektive „Wahrheit“, als eine allgemeingültige „Wahrheit“ darstellt wird, von der dann alle Menschen betroffen sein sollen, ähnlich wie die Schwerkraft Dinge auf den Boden hält, oder das Feuer heiß ist, was alle Menschen betrifft.
 
„Nur wer Bohnen isst, isst was Gutes“, „Bohnen sind das wahre Gemüse“, „Bohnen sind die Wahrheit“.
Ich möchte wetten, dass dies beim Leser, der keine Bohnen mag, nicht grade sehr glaubwürdig ankommt...
Peinlich wird es also, wenn jemand felsenfest etwas Subjektives als die „Wahrheit“ verkauft, wo aber die Allgemeinheit nur sagen kann:
„Entschuldigung, aber das betrifft mich nicht...“
 
Mit einem Glauben und dem dazu sich entwickelten/angepassten Weltbild, verhält es sich ähnlich.
Es gibt derzeit nun mal auf dem religiösen Sektor keinen Absolutheitsanspruch innerhalb einer von Menschen geschaffenen Religion, dass diese die „Wahrheit“ lehren könnte, denn dies würde einen unleugbaren Beweis voraussetzen, das nur sie Recht hätten - aber den gibt es nun mal nicht.
Hier ist die eine, die allumfassende „Wahrheit“ gemeint, welche Antworten auf die Fragen liefert, wozu ein Mensch „da“ ist und was Gott, wenn es ihn gibt, von ihm möchte. 
Ein Suchender fragt nach der „Wahrheit“, den Sinn des Lebens betreffend, und Religionen unterschiedlichster Art liefern jeweils ihre unterschiedlichen Antworten und Weltanschauungen.
 
Der Mensch sucht nach einen Sinn und Antworten zu seiner Existenz, mitunter auch in der Bibel.
Auch wenn dies den einen oder anderen Leser nicht behagen wird, ist der Mensch sehr wohl berechtigt auch dort nach Antworten zu suchen.
Ein Zeuge Jehovas meint daher mit seinem Glauben auch „die biblische Wahrheit“, da er auf die ultimativen Fragen („wo kommt der Mensch her?“, „warum lässt Gott Leid zu?“ usw.) mit Hilfe der Bibelauslegungen anhand der Bibel-erklärenden Publikationen seines „Sklaven“ meint, diese Fragen „wahrheitsgemäß“ beantwortet bekommen zu haben.
 
Diese Bezeichnung „die biblische Wahrheit“ ist insofern interessant, da andere christliche Gruppierungen, ohne diese Publikationen einer religiösen Führung (eines „Sklaven“), zu anderen Antworten gelangen, weil sie sich nur an die Bibel halten...
Mit der „biblischen Wahrheit“ der ZJ verhält es sich jedoch so, das sie rein faktisch gesehen zu nur einer von über 300 verschiedenen Gruppierungen gehört, die alle für sich meinen die Bibel richtig zu deuten.
Dennoch hat deren geistliche Führung es geschafft, der allgemeingültigen Bedeutung von „Wahrheit“, bei ihren Anhängern den Anspruch zu übertragen, als würde es sich bei den Glaubensansichten der ZJ um die allumfassende „Wahrheit“ handeln, welcher alle Menschen unterliegen würden – egal ob diese das auch so sehen würden oder nicht.
 
Hier gipfelt die „Wahrheit“ in einem Schlagwort, wo deutlich wird wie sie bei den ZJ untereinander insoweit funktioniert, das man sich mit seiner Verwendung immer wieder gegenseitig beeinflusst, ohne zu hinterfragen ob diese gezielte und gewünschte Beimessung an Bedeutung überhaupt angemessen ist...
 
Ein Fazit:
Es liegt nun mal nicht in der Natur des Menschen, die Bedeutung eines Wortes zu hinterfragen, wenn er selber überzeugt (worden) ist, dass diese und das Verständnis darüber richtig sind, oder es anders nicht kennt.
Wird etwas mit einem Wort oder Namen verpackt, so wird der Mensch an sich nie hinterfragen ob das, was er persönlich damit verbindet, auch der Ansicht der Allgemeinheit entspricht.
Auch wird kein Umkehrschluss vorgenommen, um die Richtigkeit der Bezeichnung anzuzweifeln, oder ob die Zuordnung der aufkommenden Emotion berechtigt ist.
Die Verwendung von Schlagwörtern, sowie der emotionalen Neupolung von Begrifflichkeiten, indem man Wörtern eine Bedeutung hinzuaddiert oder wegnimmt, sowie das Kreieren einer internen Sprache, sind konkrete Hinweise dass bei einem ZJ bereits das Denken und Fühlen verändert worden sind.
 
Der „leitenden Körperschaft“, dem „Sklaven“, muss es also von einem Wert sein, seine Anhänger so zu verändern.
 
Wie es zu dieser allumfassenden Zuordnung an ideeller und emotionaler Bedeutung in diesen Begrifflichkeiten kommen konnte,welche der Zeuge Jehovas für sich in seiner gesamten Persönlichkeit übernommen hat, wird im Laufe dieser Seiten nach und nach immer mehr verdeutlicht.
 
 
Mehrere Faktoren spielen hierbei eine Rolle, was man als Leser hier vorab schon vermuten darf.
 
Ein ZJ wird sich dieser Tatsachen eher weniger bewusst sein, obwohl er mit diesen Begrifflichkeiten interagiert und auf diese emotional reagiert.
Dass es also zu profanen Zuordnungen gekommen ist, welche mit Gott eher weniger zu tun haben, wird ein Ehemaliger ZJ im Nachhinein eher erkennen, als ein Zeuge Jehovas, der nicht auf „sein Herz“ acht gegeben hat.
Aber das „wie“ wird ja noch genauer beschrieben.
 
Wichtig war mir hier die Hervorhebung des produzierten Endbildes beim Menschen, nach der Indoktrinierung, welches sich nun mal in der Sprache, ihren Begrifflichkeiten und Bedeutungen, sowie den totalitären Ansprüchen reflektieren.

 

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