1.6. Schlagwörter zum Zweck der Sprachmanipulation

 
 
1.6. Schlagwörter zum Zweck der Sprachmanipulation
 
 
 
Wer die Übersicht überflogen hat wird feststellen, das ich hier schon Dinge betrachte, welche später mit in die Manipulationstechniken der WTG eingereiht werden.
Was ich hier also schon anführe, wird an späterer Stelle nicht noch mal erklärt sondern nur ergänzt.
 
Hier wird einerseits, so hoffe ich, nachvollziehbar die Natur der Sprachmanipulation beschrieben, während in späteren Passagen vorliegenden Werkes, das „wie“ immer weiter verdeutlicht wird, was im letzten Kapitel dann nur noch etwas ergänzt werden muss.
Der Vollständigkeit halber, wird hier besprochenes dennoch später noch einmal mit aufgelistet.
 
Folgende Ausführungen halte ich aber für wichtig sie schon an dieser Stelle anzusprechen, da in der Andersartigkeit der Sprache, wie aus dem Wachtturm, wo in den bisher angeführten Zitaten hervorging das Bedeutungen von Wörtern einen anderen Kern erhielten als wie in der Allgemeinheit, für den Außenstehenden eher klar werden dürfte, das ein Zeuge Jehovas in seinem Inneren verändert wurde, wenn er als Mensch diese neugepolte Sprache in ihrer Gesammtheit akzeptiert und durchleben muss. 
 
Denn wer anders spricht, der denkt anders.
 
Wessen Sprache künstlich verändert wurde, wurde definitiv durch einen fremden Einfluss verändert.
Denn von alleine würde niemals jemand solche Formulierungen verwenden, wie sie in den bereits angeführten Beispielen aus der Wachtturm-Literatur aufgezeigt wurden. 
Zumindest niemals so fern vom allgemeinen Sprachgebrauch entfernt, oder von einem natürlich entstandenen Schlagwortes welches eine ganze Gesellschaft hervorbringen kann (s.u. das Beispiel "Mauer").
 
 
Das Prägen von „Schlagwörtern“ ist dann eine Form der Sprachmanipulation, wenn Wörter eine andere Bedeutung bekommen die über dem hinaus geht was die Allgemeinheit unter einem Begriff versteht, mit denen eine bestimmte Gruppierung gezielt emotional beeinflusst werden soll, sich aber auch von der Allgemeinheit isloliert - denn die Allgemeinheit soll so schnell gar nicht von diesen internen Bedeutungen erfahren.
 
 
Was sind eigentlich Schlagwörter?
 
 
Schlagwörter sind zunächst, gemäß der Sprachwissenschaft, Wörter oder kurze Phrasen, die benutzt werden, um bestimmte Sachverhalte prägnant und überzeugend mitzuteilen, oder zumindest einen Versuch implizieren, eine Eigenüberzeugung als etwas „Absolutes“ darzustellen und/oder auf jemand zu übertragen und/oder den Bedeutungskern beizubehalten.  
 
Beispiele:
 
„Die Mauer muss weg!“ - Ausruf des deutschen Volkes an der Berliner Mauer.
 
„Yes, we can!“ - Wahlspruch des amerikanischen Präsidenten B. Obama.
 
Hinter jeder dieser Aussagen stand eine Überzeugung.
In jeder dieser Aussagen saßen viele Emotionen.
Einem „Wort“, hier jeweils einer Phrase, wurden Emotion beigemessen.
Im ersten Beispiel steckt das Wort „Mauer“, welches für die ehemaligen Bewohner der DDR eine viel tiefer greifende Bedeutung hatte, als wie es sich ein Unbeteiligter vorstellen könnte.
Jemand, der keinen Überblick über diese Vorgänge aufweisen kann, der wird sich fragen warum denn bitteschön an einer Mauer etwas so schlimm sein soll, das ein ganzes Volk verlangt diese abzureißen...
 
 
Der Unbeteiligte jedoch, ähnlich wie beim Beispiel „Eisberg“, wird vielleicht im Nachhinein in der Lage sein die Informationen zu begreifen, was es mit der Berliner-Mauer auf sich hatte – aber er wird eben nicht dieselben Emotionen für diese Mauer nachvollziehen können wie der Betroffene.
Nach einer jahrzehntelangen Isolierung vom Rest der Welt endlich frei zu sein, wird man nur Ansatzweise verstehen, es sei denn jemand war in einer ähnlichen Situation.
 
Dieses Beispiel soll zeigen, das hinter einer normalen Bezeichnung eines Wortes für eine bestimmte Gruppe von Menschen weit mehr an Bedeutung stehen kann, als wie man vermuten würde.
 
Aus der Mauer wird dann „die“ Mauer, welche der Berliner vielleicht sogar gehasst hat, aber dulden musste.
Dieses real vorhandene Objekt hatte jahrzehntelang die Menschen geprägt, welche zu einem Symbol einer politischen Isolation und einen Freiheitsverlust darstellte.
Und so hatten diese Mauer viele Jahre lang dazu beigetragen (wobei Zeit und bei einer Prägung eher irrelevant ist – die Intensität spielt die größeren Rolle), das die betroffenen Menschen ihr gegenüber Emotionen bildeten.
Emotionen die in ihnen hochkamen, obwohl sie es vielleicht gar nicht wollten.
 
 
Dieses Beispiel ist eines was aufzeigt, wie äußere Umstände zu einer Art von Fremdbeeinflussung werden können, die in der Lage sind, hinter einem an sich profanen Begriffes (die „Mauer“), eine weitere -emotionale- Bedeutung hinzu zu addieren.
 
 
Nur innerhalb einer Gruppierung, von denen die „eingeweiht“ sind, versteht man diesen Begriff so, wie es auch nur diese Gruppe verstehen kann.
 
 
Hier ist vordergründig die emotionale Bedeutung gemeint.
Es steht aber auch für ein Beispiel eines natürlich entwickelten Schlagwortes, da es die Sprache eines Volkes war.
 
"Yes we can" ist ein Beispiel für ein künstlich erstelltes Schlagwort, was gezielt eingesetzt wurde um auf eine gesammte Zielgruppe übertragen zu werden.
 
 
Aber genauso reden die Zeugen Jehovas nicht einfach so von irgend einer „Wahrheit“ – genauso wenig wie der Berliner von irgendeiner „Mauer“ reden mag.
Nein, es ist für einen Zeugen Jehovas sogar „die“ Wahrheit, wenn er von seiner Religion spricht, jedoch für ihn im positiv emotionalen Sinne, was er aufgrund seiner Gesamtmeinung (Information und emotionaler Bewertung) so empfindet und benennen wird.
Genau das gleiche positive oder gar respektierliche Empfinden würde er den Begriffen „Organisation“, „Wahrheit“, „Sklave“, „Speise“ u.a. zuordnen, verbunden mit einer Dankbarkeit Gott gegenüber.
Nur ein ZJ kennt diese internen emotionalen Bedeutungen seiner Gruppierung.
 
Ich könnte (und das könnten noch eine ganze Menge mehr Leute) ein ganzes Buch allein zur Aufschlüsselung der von der "leitenden Körperschaft" initiierten internen Sprache füllen; nur um zu erklären, welche die informative und emotionale Belegung von deren speziellen Begrifflichkeiten und Doppeldeutungen aufweisen.
Wie die Zitate aus dem „Wachtturm“ in diesem Kapitel aufzeigen, gibt es Begriffe, die der normale Mensch nicht so verstehen würde wie ein ZJ, welche ich mit wenigen Erklärungen aufschlüsseln konnte.
Was man dabei nicht lesen kann sind die emotionalen Verknüpfungen die man nicht kennt, bzw. der Unbeteiligte nicht nachvollziehen kann.
Auch nicht wie es zu diesen inneren Eindrücken bei einem Zeugen kommen konnte.
 
Das Endbild, das Ziel wo ein „studierender Interessierter“ am Ende der Indoktrination hingeführt wurde, kann daher in diesen Seiten nur die informative Ebene des unbeteiligten Lesers erfassen.
Obschon die Inhalte suspekt vorkommen mögen, wenn der Leser nur mal die bereits gebrachten Wachtturm-Zitate auf sich einwirken lässt, vermögen diese es nicht die emotionale Vereinnahmung zu vermitteln, mit der ein Zeuge seine „Wahrheit“ kennen gelernt hat und diese nun durchlebt, und ausleben müssen wird.
 
Was der Leser mitnehmen kann ist, dass das Ergebnis der Indoktrination zu bewusst eingeleiteten Veränderungen geführt haben – ähnlich wie die Information, das ein Eisberg sich „kalt“ anfühlen muss.
 
Ich hoffe dennoch, vorab schon mal einen Eindruck vom Endergebnis vermitteln zu haben.
Der Schluss, dass es eine bestimmt Methode gegeben haben muss, um einen Menschen in seinem Sprachverständnis zu verändern, ist m.E. mehr als berechtigt.
 
Denn wenn von einer „Organisation Jehovas“ gelesen wird, welche im Gegensatz zur „Organisation Satans“ stehen soll, so muss gesagt werden, dass hier nicht nur einfach Begrifflichkeiten neu verteilt werden, oder nur auf konkurrierende Bürokratien hingewiesen werden.
 
Der ZJ beginnt mit diesen Begriffen zu denken, zu reden, aber auch in diesen gegensätzlichen Bedeutungen seine persönliche Sympathie (für „Gottes Organisation“) und Antipathie (für „Satans Organisation“) neu zu sortieren und auch dementsprechend die Welt in diesem veränderten inneren Bild zu durchdenken und zu durchfühlen.
 
Und wer solche Aussagen aus dem „Wachtturm“, wie die bereits zitierten, als gesamter Mensch hinnimmt wie sie sind, der wurde erfolgreich indoktriniert, weil er sie glaubt, auslebt und sie auch so aufgrund aufgesetzter Erwartungshaltung durchleben wird.