1.5. Was der Zeuge Jehovas noch so unter "Wahrheit" versteht
 
 
Ein Zeuge Jehovas „ist in der Wahrheit“, was einmal als ein Synonym für seine Religionsform ("das ist die Wahrheit") und sowohl auch für das Sein in der Gruppierung verwendet wird ("Ich bin in der Wahrheit"), oder als ein Einzelaspekt einer internen Glaubensansicht (Z.B. die „Wahrheit über Engel“, „Jehovas Ansicht“ über das Blut, Geburtstagen, Weihnachten u.v.m.). 
Es gibt, wie es bei anderen Religionen mit deren Anhängern auch der Fall sein mag, für ihn keine andere „Wahrheit“, sprich „keine andere wahre Religion.
Aber nirgendwo sonst als bei den Zeugen Jehovas kennt man diese sprachliche Gleichsetzung, das die Anhängerschaft in der Gruppierung die Bedeutung erhält, "in der Wahrheit" zu sein.
Jehovas Zeuge zu sein bedeutet "in der Wahrheit" zu sein - was dann diese "Wahrheit" beinhaltet vermittelt der "Sklave".
 
Hervorheben muss ich hier, dass diesem Begriff eine immense emotionale Bedeutung hinzuaddiert wird, während es sprachlich mit seiner allgemein bekannten Grundbedeutung kombiniert wird.
Der Begriff „Wahrheit“ hat nun mal einen bereits gegebenen, auch emotionalen Bedeutungskern, der pragmatisch mit den Lehren des „Sklaven“ gleichgestellt wurde.
 
Wahrheit ist für einen Zeugen Jehovas das, was der "Sklave" sagt.
 
Um dieses Weltbild eines ZJ also noch etwas hier in der Darstellung abzurunden, eine Ahnung zu erhalten was ein ZJ mit diesem Begriff verbindet, hier ein paar WT-Zitate zur „Wahrheit“:
 
WT 15.09.2013
"Wir schätzen die Wahrheit immer mehr, wenn wir beobachten, wie sehr die Menschen, denen wir predigen, in geistiger Hinsicht vernachlässigt sind."
 
 
WT 01.02.2010, S.16:
„Eine Religion, die der Wahrheit in der Bibel widerspricht, kann bei Gott demnach keine Zustimmung finden.“
 
EdA.: Was die „Wahrheit“ ist, erklärt dann der „Sklave"...
 
 
WT 15.02.2010, S.30:
„Ich bin zwar in der Wahrheit aufgewachsen, aber durch das Buch habe ich mir erst richtig überlegt, wo ich im Leben eigentlich hinwill. Außerdem rede ich jetzt viel offener mit meinen Eltern.“
 
EdA: „In der Wahrheit aufgewachsen“ = bei Zeugen Jehovas aufgewachsen.
 
 
WT 15.03.2010, S.11:
„Auch Millionen heute lebender Menschen verschiedenster Herkunft haben aus der Bibel die Wahrheit über Jehova kennengelernt. Manche waren vorher Atheisten oder Deisten, haben sich aber davon überzeugt, dass es einen Schöpfer gibt und es möglich ist, ein vertrautes Verhältnis zu ihm aufzubauen. Andere haben früher einen dreieinigen Gott oder die unterschiedlichsten Götzen angebetet, dann jedoch herausgefunden, dass Jehova allein der allmächtige Gott ist, und jetzt reden sie ihn mit seinem Namen an.“
 
derselbe WT, S.17:
„….So ging es der jungen Mihoko aus Japan. Sie war gerade erst Pionier geworden und fühlte sich bei Rückbesuchen überfordert, weil sie meinte, sie könne die Gesprächspartner nicht genügend für die Wahrheit begeistern.“
 
ders. WT, S.21:
„Jesus sagte nicht, der Weizen würde zu Unkraut werden, sondern betonte, dass das Unkraut unter den Weizen gesät wurde. In diesem Gleichnis geht es also nicht um Christen, die die Wahrheit wieder aufgeben. Es macht vielmehr auf Satans bewussten Versuch aufmerksam, böse Menschen in die Christenversammlung einzuschleusen, um sie von innen heraus zu verderben.“
 
 
WT 15.04.2010, S.3:
„Vielen wurde von ihren Eltern geholfen, in der Wahrheit Fortschritte zu machen.“
 
 
WT 15.05.2010, S.17:
„Womöglich gibt es auch jemand in deiner Familie, der aufgrund von Alter oder Krankheit gerade stark abbaut. Dann ist dir eins vielleicht klar: Um für einen Kranken auf Dauer gut sorgen zu können, musst du auch für dich sorgen. Falls wegen der Pflege die Wahrheit zu kurz kommt, könnte sich das auch bald auf deine emotionale und körperliche Verfassung auswirken, und du kannst dann nicht mehr so für den anderen da sein.“
 
 
WT 15.06.2010, S.9:
„Viele wissen noch genau, wie leer und sinnlos ihr Leben war, ehe sie die Wahrheit annahmen. Schon bei dem Gedanken daran läuft es ihnen kalt den Rücken herunter.“
 
ders. WT, S. 11:
„Jemandem zu helfen, die Wahrheit zu verstehen, erfordert meistens, über mehrere Monate mit ihm regelmäßig die Bibel zu betrachten...
Was für eine Freude, wenn jemand die Wahrheit erfasst, danach lebt und das tut, was Jehova wünscht!“
 
ders. Wt, S.17:
„Eine Schwester erzählt: „Einsehen zu müssen, dass Jehovas Diener auch nicht vollkommen sind — damit hatte ich am meisten zu kämpfen, als ich in die Wahrheit kam.“
 
S.31:
„Aber da stand die Schwester vor mir, die mit meiner Mutter die Bibel betrachtet und unserer Familie geholfen hatte,
die Wahrheit kennenzulernen.“
 
 
WT 15.07.2010, S.29:
„Wenn wir unvoreingenommen und mit Respekt auf Menschen jeder Herkunft zugehen, haben sie eventuell ein offenes Ohr für die Wahrheit und kehren der falschen Religion irgendwann den Rücken.“
 
EdA: Ist es „unvoreingenommen“ wenn man erwartet das Menschen ihre „falsche Religion verlassen? Ist es nicht eher so, dass die Unvoreingenommenheit zu einem Werkzeug eingesetzt werden soll, um Vertrauen zu erzeugen?
 
 
Hier gibt es in der Wachtturm-Literatur weit über 10.000 Stellen, wo man nicht versäumt hat von der „Wahrheit“ im Sinne dieses Schlagwortes angeführt zu werden.
Ein Schlagwort, welches mit einem Wort den gesammten Sinn im Leben eines Zeugen Jehovas manifestiert.
Das, wofür er lebt und wofür er sterben würde.
Wofür er an den Türen der Menschen klingelt.
 
Womit er seine Lebensform beschreibt.
Wofür er seine Zeit opfert.
Die "Wahrheit"...